Gebäude an Oberer Karlsstraße wurde drei Jahre lang saniert

Rathausflügel für 36 Millionen Euro umgebaut: Im Dezember ziehen erste Mitarbeiter ein

Logenplatz: Im umgebauten Rathausflügel gibt es in den drei obersten Stockwerken einen verglasten Balkon, von dem Besucher einen herrlichen Blick über die Innenstadt haben.
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Logenplatz: Im umgebauten Rathausflügel gibt es in den drei obersten Stockwerken einen verglasten Balkon, von dem Besucher einen herrlichen Blick über die Innenstadt haben.

Was schon unter Oberbürgermeister Bertram Hilgen geplant wurde, ist nun zu einem Abschluss gekommen: Die Sanierung des Rathausflügels an der Oberen Karlsstraße hat fast drei Jahre Bauzeit und viele Jahre der Planung gedauert.

Kassel - Anfang Dezember werden mit den Mitarbeitern des Sozialamtes die ersten Büros bezogen. Wir konnten vorab einen Blick in das für 36 Millionen Euro umgebaute Gebäude werfen, in dem künftig viele Dienstleistungen mit Publikumsverkehr angeboten werden.

Die Ausgangslage

Die Stadt Kassel hat sich zum Ziel gesetzt, möglichst viele ihrer über das Stadtgebiet verteilten Außenstandorte zu schließen, um so langfristig Mietkosten zu sparen. Dafür soll sich die Stadtverwaltung künftig auf die Standorte Rathaus, Victoria-Hochhaus an der Rathauskreuzung, EAM-Hochhaus am Scheidemannplatz und das künftige Technische Rathaus im heutigen Sparkassengebäude an der Wolfsschlucht konzentrieren. Weil der 1977 fertiggestellte Rathausflügel an der Oberen Karlsstraße baulich, energetisch und brandschutztechnisch in einem schlechten Zustand war, entschloss sich die Stadt zur Generalsanierung. In einem Architektenwettbewerb setzte sich der Entwurf des Berliner Architektenbüros Bolwin/ Wulf als Sieger durch. Er wurde umgesetzt.

Lange Fensterbänder: Die Fassade wirkt deutlich offener als früher.

Die Kosten

Wegen deutlicher Baupreissteigerungen und weiteren Betonmängeln des Bestandsgebäudes, die nach und nach auftauchten, stiegen die Kosten im Laufe der Planungen von 25 auf 36 Millionen Euro. Bund und Land fördern das Bauprojekt mit 16,3 Millionen Euro.

Granidoser Ausblick: Drei verglaste Balkone sind in Richtung Karlsplatz entstanden.

Die Funktion

In dem Gebäude werden weitere Beratungsplätze des Bürgerbüros (Erdgeschoss), das Sozialamt, das Ordnungsamt und die Ausländerbehörde untergebracht. Der Standort Holländische Straße, wo bisher das Sozialamt seinen Sitz hat, wird von der Stadt zum Ende des Jahres komplett aufgegeben. Ordnungsamt und Ausländerbehörde ziehen im Frühjahr 2022 aus dem Hansa-Haus an der Kurt-Schumacher-Straße an die Karlsstraße um. Insgesamt bietet der acht Geschosse hohe Rathausflügel 400 Arbeitsplätze.

Das Parkhaus

Das seit drei Jahren geschlossene Parkhaus im Rathausflügel wird derzeit noch umgebaut. Es soll Anfang 2022 wieder nutzbar sein. Zudem wird in der untersten Etage des Parkhauses eine große Fahrradparkgarage entstehen.

Hell und freundlich: Die neuen Flure bekommen durch verglaste Bürotüren viel Tageslicht ab.

Die Verbesserungen

Dunkle, enge Flure prägten früher das Bild in diesem Teil des Rathauses. Durch breite Fensterbänder und verglaste (Milchglas) Bürotüren dringt nun viel Licht ins Innere. Auch die Flure wurden großzügiger gestaltet. Dies sei ein großer Gewinn, weil es vor allem im Sozialamt und der Ausländerbehörde viel Publikumsverkehr gebe, sagt Stadtbaurat Christof Nolda. Zudem wurden die abgehängten Decken herausgenommen. So gewannen Flure und Räume an Höhe und die alte Deckenschalung wurde sichtbar. „Was ruppig aussieht, ist eine Reminiszenz an die 70er-Jahre“, sagt Axel Jäger, Leiter des Hochbauamtes.

Das Gebäude wurde komplett barrierefrei gestaltet. Es gibt fünf Fahrstühle, bislang waren es nur vier. Der zusätzliche Fahrstuhlschacht wurde auf der Gebäudeseite Richtung Karlsplatz gebaut. Dort gab es bislang nur einen Fahrstuhl, was zu Engpässen führte.

Verbesserungen gibt es auch für die Mitarbeiter. Ihre Büros sind hell und sie verfügen über eine moderne Belüftung und einen effektiven Schallschutz. Wegen der Nähe zur Kreuzung Trompete ist dies wichtig. Zudem sind alle Büros mit automatisch verstellbaren Schreibtischen ausgestattet. Dies solle zum Standard in der Verwaltung werden, so Nolda. Elf große Besprechungsräume bieten Platz für Konferenzen. Allerdings fehlt wegen des Chipmangels und Lieferverzögerungen noch die Technik.

Blick zurück: So sah der Rathausflügel an der Oberen Karlsstraße vor der Sanierung aus. Archivfoto: Lothar Koch

Ein Hingucker sind die neuen Toiletten. Dafür hat der Architekt ein kleines Fliesenformat und Farbgebungen (dunkelrot und tannengrün) ausgewählt, die ebenfalls an die Bauzeit des Haues erinnern sollen. In jeder zweiten Etage gibt es barrierefreie Toiletten mit Wickeltischen.

Höhepunkt des neuen Rathausflügels sind die verglasten Balkone in den drei obersten Geschossen zum Karlsplatz hin. Diese sind öffentlich zugänglich und bieten einen grandiosen Blick über die Kasseler Innenstadt und darüber hinaus. (Bastian Ludwig)

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