Biologisch- und chemisch-technische Assistenten aus Kassel sind gefragt

Diese Schüler wissen: „Im Labor liegt die Zukunft“

Die Schüler lernen an der Kasseler Elisabeth-Knipping-Schule biotechnische Berufe: Schülerin Celina Steinert, Lehrerin Sabine Kauffeld, Schüler Christian Leonhardt und Schülerin Melina Branke (von links).
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Haben an der Elisabeth-Knipping-Schule die Biotechnik im Fokus: Schülerin Celina Steinert, Lehrerin Sabine Kauffeld, Schüler Christian Leonhardt und Schülerin Melina Branke (von links).

Um ihre berufliche Zukunft brauchen sich diese jungen Leute keine Sorgen machen: Schüler, die an der Elisabeth-Knipping-Schule (EKS) Ausbildungen zu staatlich geprüften biologisch-technischen beziehungsweise chemisch-technischen Assistenten (BTA und CTA) machen, können selbstbewusst auftreten. Nicht erst seit Corona und der Hoffnung der Welt auf den Fortschritt der Biotechnik, sind ihre angestrebten Berufe in den Fokus gerückt.

Kassel - Die 19-jährigen Melina Branke aus Baunatal und Christian Leonhardt aus Kassel sowie ihre Klassenkameraden sind sich bewusst, wie wichtig und aktuell das ist, was sie gerade lernen. In Zeiten von Corona blickten viele Menschen noch einmal ganz anders, respektvoller, auf die labortechnischen Berufe und darauf, „was da alles dran hängt“, sagt Melina.

Die meisten der Schüler haben an der EKS ihr Abitur in Biotechnik gemacht und qualifizieren sich jetzt ein Jahr lang weiter. „Diese Möglichkeit der Doppelqualifikation ist einmalig in Hessen“, sagt Sabine Kauffeld, Lehrerin für Biotechnik und Chemie: „Es ist ein genialer Weg, wenn man naturwissenschaftlich interessiert ist.“ Die Ausbildung zum CTA ist auch mit einem Realschulabschluss – dann zweijährig – möglich.

Seit 20 Jahren bietet die EKS diese Doppelqualifikation an. Sie wird pro Jahrgang von 15 bis 20 Schülern angewählt. Viele Schüler studierten anschließend Biologie, Medizin oder Pharmazie und hätten so perfekte Grundlagen, so Kauffeld. Dabei sei das berufliche Spektrum groß. „Ich möchte später Kriminaltechnikerin werden“, sagt beispielsweise Celina Steinert (22) aus Schauenburg. Im Labor forschen, Kulturen anlegen, mit speziellen Geräten Proteine oder Antikörper bestimmen, Diagnostik auf dem neuesten technischen Stand vornehmen und mithilfe von aktuellster PCR-Technologie (die zurzeit von Wissenschaftlern weltweit für die Corona-Diagnostik eingesetzt wird) bestimmte Gene untersuchen. All das ist für die Schüler Schulalltag. Auch mit dem sogenannten Elisa-Test, mit dem man Antikörper bestimmen kann und feststellt, ob jemand immun gegen eine Erkrankung ist, gehen sie mühelos um. Sie haben so auch schon getestet, ob sie selber Antikörper gegen Corona haben.

In Labortechnik versiert: EKS-Schülerin Melina Branke an der Sterilbank.

„Sie lernen die Theorie und die Praxis, die man für Forschung und Diagnostik benötigt“, sagt Kauffeld. Mit dem Umgang mit Experimenten und Laboren haben sie sich bereits in den drei zurückliegenden Jahren Oberstufe vertraut gemacht. Jetzt geht es nur noch ums Fein-Tuning.

Die promovierte Lehrerin war vor zehn Jahren als Quereinsteigerin von der universitären Forschung an die EKS gekommen. Nach wie vor brennt sie für ihr Fachgebiet. Und freut sich über die Auszeichnung der EKS als mintfreundliche Schule. Sie ist davon überzeugt: „Im Labor liegt die Zukunft.“

Ihre Schüler müssen sich mit ihren Qualifikationen nicht lange bewerben. „Die sind auf dem Arbeitsmarkt heiß begehrt“, sagt Kauffeld. Am Ende haben sie häufig die Wahl. Wie eine Schülerin, die sich vor einem Jahr zwischen einer Stelle beim Medizin- und Pharmaunternehmen B. Braun und der Firma Biontech in Mainz entscheiden konnte. Sie entschied sich damals für den heimischen Arbeitgeber B. Braun.

Demnächst tritt eine andere EKS-Schülerin ein Praktikum bei der medizinischen Labordiagnostika AG Euroimmun in Lübeck an, einer Firma, die aktuell einen Kit zur Antikörpertestung produziert und gut zu tun hat. „Die werden sie später sicherlich übernehmen“, vermutet Kauffeld. Überraschen wird sie das nicht: „Unsere Schüler kommen aus der Forschung, die haben überall, wo sie anfangen bereits einen Vorsprung.“ (Christina Hein)

Infos: Elisabeth-Knipping-Schule.de

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