Forschungsneubau für 325 Mitarbeiter auf der Zielgeraden

Im Sommer soll Fraunhofer-Institut fertig sein: Zweiter Bauabschnitt wird aber vorerst nicht realisiert

Blick von oben: Der Neubau des Fraunhofer-Institutes auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes besteht aus einem Hauptgebäude (rechts) und drei Nebengebäuden. Im Hintergrund die ehemalige Arbeitsagentur.
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Blick von oben: Der Neubau des Fraunhofer-Institutes auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes besteht aus einem Hauptgebäude (rechts) und drei Nebengebäuden. Im Hintergrund die ehemalige Arbeitsagentur.

Neben dem Hauptbahnhof soll im Sommer das neue Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) fertiggestellt werden. Der geplante zweite Bauabschnitt wird aber erstmal nicht realisiert. Dabei spielt auch Corona eine Rolle.

Kassel – Mehr als 60 Millionen Euro fließen in den Fraunhofer-Neubau, der zu den größten Kasseler Bauprojekten der vergangenen Jahre gehört. Weil die 430 Mitarbeiter des IEE in dem Gebäude nicht genug Platz haben, sollte anschließend unmittelbar angrenzend ein zweiter Bauabschnitt realisiert werden. Diese Pläne liegen nun – zumindest vorerst – auf Eis.

Der zweite Bauabschnitt, der nochmals bis zu 40 Millionen Euro kosten sollte, hätte bis 2025/26 bezogen werden sollen. So sagte es IEE-Verwaltungsleiter Ralf-Rüdiger Hoßbach zu Beginn der Hochbauphase vor über zwei Jahren. Die Erweiterung des Gebäudekomplexes hätte also zeitnah neben dem Neubau an der Joseph-Beuys-Straße errichtet werden sollen. Dieses Vorhaben ist auf unbestimmte Zeit verschoben, sagt Markus Landauer, Leiter Gebäudetechnik beim IEE. „In den nächsten fünf Jahren passiert da sicher nichts“, so Landauer weiter. Der IEE-Sprecher Uwe Krengel stellt aber klar, dass man grundsätzlich an der Erweiterung festhalte.

Als Grund für die Verschiebung nennen die Fraunhofer-Vertreter die Coronakrise. Diese habe zu einem Digitalisierungsschub in der Forschungseinrichtung geführt. Innerhalb kürzester Zeit sei das Arbeiten aus dem Homeoffice von den Wissenschaftlern erfolgreich umgesetzt worden. Viele Kollegen würden mittelfristig weiter aus dem Homeoffice arbeiten können. Dies sei auch ökologisch sinnvoll, da Anfahrtswege gespart würden.

Für das Projekt bedeutet das, dass die in dem Neubau vorhandenen 325 Arbeitsplätze zunächst ausreichen. Auf den 7500 Quadratmetern Nutzfläche hätten alle Mitarbeiter grundsätzlich Arbeitsmöglichkeiten, so IEE-Sprecher Krengel. Es würden Bürogemeinschaften gebildet, die sich verständigten, wer jeweils von zu Hause arbeite. Die Kapazitäten im Laborgebäude würden sich die Wissenschaftler ohnehin teilen.

Bisher ist das Institut auf vier Standorte in Kassel verteilt: Königstor, Wilhelmshöher Allee, Goethestraße und Gottschalkstraße. Mit Ausnahme der Wilhelmshöher Allee sollen die gemieteten Räume aber fast vollständig aufgegeben werden.

Weil das Institut zuletzt stark gewachsen ist, werde der Ausbau in ein paar Jahren sicher nötig, so Krengel. Insofern werde die reservierte Fläche auf dem Areal freigehalten.

Energiekonzept setzt Maßstäbe

Der Plan ist ehrgeizig: Bis Juli soll die neue Heimat des Kasseler Fraunhofer-Instituts auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs an der Joseph-Beuys-Straße fertiggestellt sein. Nach mehr als drei Jahren Bauzeit und einer Investition von mehr als 60 Millionen Euro kann bald eines der größten Kasseler Bauprojekte der vergangenen Jahre von den Wissenschaftlern bezogen werden. Wobei nicht nur die Architektur des Gebäudes Maßstäbe setzt, sondern auch dessen nachhaltiges Energiekonzept.

„Eigentlich sollten die Gerüste schon komplett abgebaut sein“, sagt Bauleiter Reinhold Achhammer vom beauftragten Kasseler Architekturbüro HHS Baumanagement. Doch der Schnee durchkreuzte den Plan. Nun werden die abschließenden Fassadenarbeiten im Erdgeschoss noch ein paar Tage auf sich warten lassen. Und auch der Kran, der gestern weitere Gebäudetechnik auf das Dach eines der Nebengebäude hieven sollte, musste kurzfristig abgesagt werden.

Dennoch glaubt Achhammer, dass der Innenausbau bis Juli abgeschlossen werden kann. Weil unter anderem der Umzug der Labortechnik von den aktuellen Institutsstandorten etwas aufwendiger sei, rechnet Fraunhofer-Sprecher Uwe Krengel damit, dass die Mitarbeiter erst im Herbst den Neubau beziehen können. Die offizielle Eröffnung solle dann erst 2022 erfolgen.

Die Leitwarte: In diesem Gebäudeteil werden Datenströme zur Energiewende erfasst.

Neben dem Hauptgebäude besteht der Komplex aus drei Nebengebäuden. Darunter ist ein Laborbau, in dem sich ein Gase-Labor, ein Maschinenlabor, ein Mittelspannungslabor und ein Batterielabor befinden. Zudem gibt es ein Technikgebäude und einen Trafo- und Garagenbau.

Bei der Versorgung des Instituts spielt ein unterirdischer Eisspeicher eine wichtige Rolle. Dieser hat einen Durchmesser von 16 Metern und fasst 600 Kubikmeter Wasser. In einem Eisspeicher wird Wasser kontinuierlich gefroren und wieder aufgetaut. Beim Phasenwechsel entsteht Energie, die sich in Wärme umwandeln lässt. „Vereinfacht gesagt, speichern wir die Wärme im Sommer für den Winter und die Kälte im Winter für die Kühlung im Sommer“, sagt Markus Landauer, Leiter Gebäudetechnik beim IEE.

Daneben wird auch Fotovoltaik genutzt. Die Module befinden sich aber nicht etwa auf dem Dach, sondern sind relativ unauffällig in die südliche Fassade des Hauptgebäudes integriert.

Auf dem Parkplatz hinter dem Institutsneubau hat sich Fraunhofer auf die automobile Wende vorbereitet. So entstehen dort 26 Ladestationen für Elektroautos. Ein Teil davon wird öffentlich zugänglich sein. Auch wird eine kleine Grünanlage entstehen.

Noch auf der Suche ist das Fraunhofer-Institut nach einem Betreiber für die Kantine im Erdgeschoss.

Von Bastian Ludwig

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