Dritte Auflage des interreligiösen Fußballspiels von Christen und Muslimen am Vortag des 11. September

Imame kicken gegen Pfarrer

Abgekämpft: Die Pfarrer und Imame zeigen vollen Einsatz. Das Foto entstand nach der jüngsten Begegnung. In der vorderen Reihe ist Seyfettin Eryörük im roten Trikot mit Pokal zu sehen. Gerd Bechtel steht in der zweiten Reihe (Sechster von rechts). Fotos: nh

kassel. Es ist mehr als ein Fußballspiel: Unter dem Motto „teamgeistlich 2011“ treten Pfarrer gegen Imame an. Am Samstag findet das Freundschaftsspiel zum dritten Mal statt. „Ich hoffe, dass die Spieler mit mir zufrieden sind und ich ungeschoren davonkomme“, sagt Joachim Schleißing.

Der Unterneustädter Ortsvorsteher (Grüne) hat das Match der Christen und Muslime 2008 ins Leben gerufen. Diesmal ist er als Schiedsrichter dabei. „Mir kam es nicht unbedingt auf die Glaubensschiene an“, sagt Schleißing. In der Unterneustadt lebten viele Menschen mit ausländischen Wurzeln. Das Fußballspiel soll dazu beitragen, die Scheu voreinander abzubauen. Der Ortsvorsteher hofft beim dritten Spiel auch auf mehr Zuschauer. Beim ersten Mal kämpften die Teams unter den Augen eines professionellen Schiedsrichters, aber ganz ohne Publikum. Die zweite Auflage im vergangen Jahr verfolgten 30 bis 40 Zuschauer. Die muslimischen Frauen boten Speisen an.

Dabei hat es durchaus seinen Reiz, den Gemeindepfarrer in kurzer Hose über den Fußballplatz rennen zu sehen und mal nicht im Talar, meint auch Gerd Bechtel. Der Geschäftsführer des Diakonischen Werks Kassel ist seit Beginn der sportlichen Begegnung dabei. „Ich finde es total klasse“, sagt er. „Das Spiel hat einen hohen symbolischen Wert.“ Angesichts mancher Diskussionen um Integration und kulturelle Unterschiede begegne man sich auf dem Sportplatz ganz freundschaftlich in einem Kulturraum. „Es geht nicht darum, wer besser ist“, sagt Bechtel. „Wir machen etwas gemeinsam.“ Dies sei gerade vor dem zehnten Jahrestag der schrecklichen Ereignisse des 11. Septembers ein verbindendes Zeichen.

Bei der ersten Begegnung waren nicht genügend Pfarrer da, sodass die Imame aushelfen mussten. „Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht und die Teams gemischt“, sagt Bechtel. Trotzdem bleibe es ein Ereignis von sportlicher Bedeutung, bei dem um Tore gekämpft werde. Wie beim zweiten Spiel treten die Pfarrer diesmal mit einem eignen Team an. Doch seien viele nicht mehr die Allerjüngsten.

„Sport verbindet alle Nationalitäten und Farben unter einem Dach“, sagt Seyfettin Eryörük, erster Vorsitzender der Ditib-Stadtmoschee, Mitorganisator und Teilnehmer des Freundschaftsspiels. „Die Imame sind alle begeistert.“ Die Begegnung mit anderen Religionen finde aber nicht nur auf dem Fußballplatz statt, sondern auch bei regelmäßigen Treffen in der Stadtmoschee und den Kirchengemeinden. Mit Fußball hat der Taekwondo-Meister normalerweise nicht viel zu tun. Aber das Spiel macht ihm Spaß. „Ich liebe sehr, sehr den Erfolg“, sagt der 44-Jährige. Sein Wunsch: mehr Zuschauer.

Anpfiff für das Spiel unter Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Bertram Hilgen ist am Samstag, 10. September, 15 Uhr, auf den Waldauer Wiesen. Vorab treten zwei Kindermannschaften an. Neben dem Ortsbeirat Unterneustadt laden der Ausländerbeirat, die Ditib-Stadtmoschee und der evangelische Kirchenkreis zu der Begegnung ein.

Von Ellen Schwaab

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