Das Streuen von Auftausalzen belastet die Umwelt - Gebrauch ist in Winterdienstsatzung geregelt

Immer an die Folgen denken

Otto Löwer

Kassel. Obwohl die Winterdienstsatzung der Stadt Kassel vorschreibt, dass man Auftausalze außer an Treppen, Brücken und Haltestellen nur noch bei Blitzeis verwenden darf, werden immer wieder Bürgersteige damit gestreut.

„Doch Streusalze sind schädlich für Böden, Pflanzen und Tiere“, sagt Otto Löwer aus Kassel, Landesvorstand des Bundes für Umwelt und Naturschutz (Nabu). Das Streusalz, meist Natriumchlorid, bleibe nicht auf der Straße. Es gelange in den Boden und ins Grundwasser. „Wenn der Salzgehalt im Boden ansteigt, wird das Wasser immer stärker in den Erdschichten gebunden und so den Pflanzen entzogen, die allmählich absterben.“ Bei Hunden und Katzen greife das Salz zudem die Hornhaut an den Pfoten an.

Dennoch möchte Löwer nicht grundsätzlich den Einsatz von Auftausalz verdammen. „Fünf bis zehn Gramm pro Quadratmeter sind vertretbar“, sagt er. „Das Schlimme ist: Viele greifen einfach in die Tüte und hauen das Salz gedankenlos raus.“ Löwer hofft, dass sich die Stadtreiniger, das Umwelt- und Gartenamt und das Ordnungsamt bald zusammensetzen und Lösungen gegen den allzu üppigen Privatgebrauch von Auftausalz finden.

„Das Ordnungsamt ist in diesen Fragen noch außen vor“, sagt Petra Bohnenkamp, Pressesprecherin der Stadt Kassel. Die Ordnungshüter kontrollieren nur, ob Anlieger ihrer Räumpflicht nachkommen, nicht wie. Es sei schwierig, den Unterschied zwischen einer gerade noch zulässigen Salzmenge und einem Übermaß zu beweisen, insbesondere, wenn jemand Rechtsmittel gegen einen Bescheid des Ordnungsamtes einlegen würde, ergänzt Wolfgang Schwerdtfeger, Referent von Bürgermeister Jürgen Kaiser, als Dezernent zuständig für die Stadtreiniger.

Mittelfristige Schäden

Die Stadtreiniger befürchten keine Umweltschäden durch die Salzlauge, die ihre Streufahrzeuge versprühen. Laut Pressesprecherin Birgit Knebel werden dafür eine Lauge und Trockensalz im Verhältnis 30 zu 70 gemischt, was den Salzgehalt zu 40 Prozent reduzieren soll.

Beim Umwelt- und Gartenamt befürchtet man, dass Streusalzschäden erst mittelfristig sichtbar werden. Das Salz dringe nicht so schnell in den Boden ein, dass man nach einem Winter wie dem letzten Schäden an der Flora eindeutig dem inflationären Gebrauch von Auftaumitteln zuordneten könne, sagt der Sachgebietsleiter für Baumunterhaltung, Klaus Harbusch. Jetzt habe man den zweiten harten Winter. Danach werde sich zeigen, ob Büsche und Blätter schon im Frühjahr braun werden.

Von Wilhelm Ditzel

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