Richter genehmigen Bettgitter und Gurt - und suchen Alternativen

Immer mehr Alte werden am Bett fixiert

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Kassel. Immer öfter müssen Betreuungsrichter darüber entscheiden, ob zum Schutz eines Pflegebedürftigen zum Beispiel ein Gitter am Bett angebracht werden darf. In fast 100.000 Fällen haben Richter im Jahr 2010 solche oder andere „freiheitsentziehende Maßnahmen“ genehmigt.

Gerichtliche Anhörungsverfahren in solchen Fällen nehmen auch beim Amtsgericht Kassel zu: Im vergangenen Jahr zählte man 732 solcher Verfahren. 2007 waren es noch 598.

Der Hauptgrund: Die Menschen werden immer älter, mehr Menschen werden hilfebedürftig und in Heimen betreut. Bei einer privaten Pflege zu Hause werden die Gerichte in solchen Fragen in der Regel nicht angerufen. Schon allein deshalb gibt es hier eine große Grauzone.

Auch die sieben Betreuungsrichter des Kasseler Amtsgerichts sehen sich mit immer mehr Verfahren konfrontiert, die meist von den Heimen angestrengt werden. Die Richter müssen darüber entscheiden, weil es um die Genehmigung von Mitteln geht, die die Freiheit eines Heimbewohners einschränken, um eine Selbstgefährdung zu vermeiden. Meist geht es in solchen Verfahren um Bettgitter, mitunter auch um Vorsatztische und Bauchgurte am Rollstuhl, oder - im Extremfall - eine Fixierung im Bett mit Gurten. „In solchen Fällen guckt man noch genauer hin“, sagt Betreuungsrichter Harald Braun.

Zu diesen Anhörungsverfahren machen sich die Betreuungsrichter ein Bild vor Ort, erläutert sein Kollege Wolfgang Mann. Dabei erörtern sie häufig auch Alternativen zum Beispiel zu Bettgittern: Niedrige und für die Pflege höhenverstellbare Betten oder Bodenmatten könnten die Stürze entschärfen. Auch Helme und Hüftprotektoren oder elektrische Matten, die Alarm geben, sobald man das Bett verlässt, könnten Heime anschaffen. Letztlich geht es vor allem um eine Risikoabwägung.

Von Martina Heise-Thonicke

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