Fast 150 Taten bis Ende März

Immer mehr Graffitis in Kassel: Entfernung kostet Stadt tausende Euro

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Er beseitigt Graffiti: Gebäudereiniger Uwe Mogge reinigte am Donnerstag die Fassade des Staatlichen Schulamts an der Wilhelmshöher Allee

Kassel. Die Anzahl von Graffiti-Schmierereien hat in diesem Jahr in Kassel sichtlich zugenommen. Die Entfernung kostet die Stadt einiges an Geld.

Großflächige Schriftzüge und Schmierereien sind zum Beispiel an der documenta-Halle und an Fassaden von Mehrfamilienhäusern an der Wilhelmshöher Allee zu sehen. Die Polizei bestätigt diesen Anstieg anhand von Zahlen.

Gab es im gesamten vergangenen Jahr 383 angezeigte Fälle wegen Graffiti, so sind es bis Ende März dieses Jahres bereits 147 Taten. Bislang sei ein Tatverdächtiger festgenommen worden, sagt Polizeisprecher Torsten Werner. Ein 23-Jähriger war kürzlich am Westring dank Zeugen erwischt worden, als er auf einem Baugerüst stand und zwei Fassaden besprühte. „Es ist schwierig, Sprayer ohne Hilfe der Bevölkerung zu ergreifen“, sagt der Polizeisprecher. 2017 konnten 29 Tatverdächtige ermittelt werden.

Einen Anstieg von Graffiti bestätigt auch Gebäudereiniger Uwe Mogge aus Fulda-brück. Seit Ende 2017 gebe es mehr Schmierereien. Besonders betroffen seien die Wilhelmshöher Allee und die Innenstadt bis zur Höhe der Wilhelmsstraße. Er habe derzeit mindestens einen Einsatz pro Woche, um Graffiti von Fassaden zu beseitigen. Habe die Wandfarbe einen Graffitischutz, könne man die Schmiererei runtersprühen und müsse die Wand nicht neu streichen. Am Donnerstag entfernte Mogge auf diese Weise Schriftzüge von der Fassade des Staatlichen Schulamts an der Wilhelmshöher Allee. Das Gebäude ist erst 2017 saniert worden.

Die Entfernung von Graffiti ist nicht billig. Fünf Quadratmeter Fläche zu reinigen, koste mindestens 800 Euro, sagt Mogge. Es könne bis zu 10.000 Euro kosten, Fassaden zu reinigen und dann mit einem Graffitischutz zu versehen.

Die Stadt Kassel gibt jedes Jahr mehrere tausend Euro für die Entfernung von Graffiti aus. Im vergangenen Jahr waren das über 28.000 Euro.

Graffiti und Tags verschandeln das Kasseler Stadtbild

Graffiti und Tags verschandeln das Stadtbild
 © Schachtschneider
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Es ist noch nicht lange her, dass die Sanierung des Verwaltungsgebäudes der Städtischen Werke im Königstor abgeschlossen wurde, Bauzäune und Gerüst endlich verschwanden. Lange konnten sich die Passanten aber nicht an der neuen Fassade erfreuen. Über Nacht hatte ein Unbekannter das Gebäude mit einem Graffito beschmutzt. Diese Art der Verunstaltung wird immer mehr zum Ärgernis – wie ein Blick auf die Betroffenen zeigt.

Sanierte Fassade wurde eingesaut: Das Mehrfamilienhaus den Weigelstraße/Wilhelmshöher Allee gehört Vonovia.

Die Städtischen Werke haben mittlerweile reagiert und die Schmiererei entfernt. „Wir haben jetzt Graffitisprühschutz auf die Fassade aufgetragen“, sagt Sprecher Ingo Pijanka. Demnächst soll auch noch ein Mehrfamilienhaus an der Wilhelmshöher Allee, in dem Mitarbeiter des Versorgungsunternehmen leben, gereinigt werden. Dort ist die gesamte Fassade samt Balkon eingesaut worden. „Polska“ und „KSV“ wurde an die Wand gesprüht. „Ich finde das ganz schlimm. Die Leute haben keinen Respekt“, sagt eine Bewohnerin. Die Schmierereien seien nicht nur ärgerlich, sondern auch „grottenhässlich“, sagt Pijanka. Das Gros der illegalen Sprayer sei offenbar unbegabt. Man müsse sich fragen, ob die Leute nichts Besseres zu tun haben.

Unter den massiven Schmierereien leiden nicht nur die Städtischen Werke. Am Beginn der Wilhelmshöher Allee sind mehrere Mehrfamileinhäuser beschmiert. Davon betroffen sind unter anderem die Wohnungsbaugesellschaften Bauverein 1894 und Vonovia (früher Deutsche Annington). Dies ist umso ärgerlicher, da die Häuser erst vor geraumer Zeit saniert worden sind.

Dass es in diesem Jahr mehr illegale Graffiti gibt, hat man auch bei Vonovia registriert. In Kassel habe es im gesamten vergangenen Jahr 18 Fälle gegeben, sagt Unternehmenssprecherin Bettina Benner. Die Kosten für die Beseitigung dafür betrugen rund 5000 Euro. In diesem Jahr gebe es bereits sechs neue Fälle. Die Fassaden der Häuser an Weigelstraße und Hermannstraße sollen demnächst gereinigt werden, sagt Benner. „Die Kosten werden der Versicherung als Vandalismusschaden eingereicht.“

Hohe Kosten kommen auch auf die documenta GmbH zu. Im Winter ist der untere Teil der documenta-Halle auf eine Länge von über 20 Meter großflächig beschmiert worden. Nachdem im vergangenen Sommer davor zwei Bäume gefällt worden sind, sei die Fläche für Sprayer interessanter geworden, sagt Matthias Sauer, der für die documenta-Halle zuständig ist. Man müsse jetzt eine Ausschreibung für die Reinigung machen.

Großflächige Sachbeschädigung an der documenta-Halle: Seit Winter wurde die Fassade besprüht. Hier taucht die Jahreszahl 1973 auf, wie auch an anderen Stellen in der Stadt

An der Wand documenta-Halle steht die Jahreszahl 1973. Die ist auch auf das Staatliche Schulamt an der Wilhelmshöher Allee gesprayt worden und am Mittwoch von Uwe Mogge entfernt worden. Der Gebäudereiniger erzählt, dass die Jahreszahl seit Februar dieses Jahres an mehreren Stellen in der Stadt gesprüht worden ist. Ob die Zahl eine bestimmte Bedeutung hat, ist nicht bekannt.

Mogge berichtet, dass einige Sprayer mittlerweile Farbe mit Bitumen verwenden, weil diese schwerer zu entfernen ist. „Aber auch die kriegen wir wieder runter.“

Hintergrund: Die Rechtslage

Illegale Graffiti stellen strafrechtlich eine einfache Sachbeschädigung dar, die mit einer Geldstrafe oder bis zu zwei Jahren Haft geahndet werden kann. Je nach den Tatumständen kommen aber auch Verurteilungen wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung,und Hausfriedensbruch in Betracht. Zudem haben die geschädigten Anspruch auf Schadenersatz. Graffitis sind aber nicht immer illegal. Hier lesen Sie, wie unser Autor (ganz legal) sein erstes Graffiti gesprüht hat - und warum er sich vorher als Krimineller outen musste.

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