Immer mehr Hausbesuche: Christoph 7 zieht Ende März um

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rettungsassistent Hans-Dieter Bohlander, Notarzt Dr. Thomas Köhler und Pilot Oliver Kaminski sowie ihre Kollegen sind 2010 mit christoph 7 1336 Einsätze geflogen.

Kassel/Fuldatal. Nahezu gleich geblieben ist die Zahl der Einsätze, die Christoph 7 im vorigen Jahr geflogen ist. Gestiegen ist jedoch „der gefühlte Anteil der Hausbesuche“, sagt Dr. Thomas Köhler, leitender Notarzt von Christoph 7. „Immer häufiger übernehmen wir die Hausarzt-Funktion.“

Und die Statistik zeigt, dass die Retter mit ihrem Gefühl nicht falsch liegen. 58 Prozent der Patienten, die die Crew von Christoph 7 im Jahr 2010 versorgte, drohte zumindest Lebensgefahr oder schlimmeres. 42 Prozent litt unter weniger schweren Erkrankungen oder Verletzungen.

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Noch vor fünf Jahren drohte etwa 70 Prozent mindestens Lebensgefahr, zwischenzeitlich war dieser Wert sogar bei mehr als 75 Prozent. Kurzum: Christoph 7 wird also häufiger zu Patienten gerufen, die nicht zwingend einen Notarzt bräuchten. Gleichwohl muss ihnen geholfen werden.

An diesen Zahlen sind nach Ansicht von Köhler Entwicklungen im Gesundheitssektor abzulesen. Gerade in ländlichen Gebieten, wohin Christoph 7 häufig gerufen wird, verschlechtert sich die hausärztliche Versorgung. Die Luftretter spüren diese Folgen bereits seit längerem.

Keiner fliegt häufiger

Insgesamt bleibt die Zahl der Einsätze weitgehend stabil. Mit 1336 im Jahr 2010 wurde ein Wert erreicht, der auf dem Niveau der Vorjahre liegt. Christoph 7 ist weiter der am meisten beschäftigte Rettungshubschrauber in Hessen: Christoph 2 in Frankfurt flog 1081 Einsätze, Christoph 28 in Fulda kam auf 1195.

Gut funktioniere die Zusammenarbeit vor allem mit den Rettungsleitstellen in den Kreisen Schwalm-Eder sowie Waldeck-Frankenberg, sagte Köhler. Von dort werde Christoph 7 immer häufiger angefordert, weil der Rettungshubschrauber einen Notarzt vielfach schneller zum Patienten bringt als ein bodengebundenes Fahrzeug.

Ganz so schnell wie jetzt ist Christoph 7 künftig nicht mehr. Ab Ende März zieht der Rettungshubschrauber um zur Fliegerstaffel nach Fuldatal. Dann soll die Station samt Landeplattform auf dem Dach des Rot-Kreuz-Krankenhauses endlich umgebaut und für 1,7 Millionen Euro modernisiert werden. Zeit wird es, zuletzt hatten sich bereits Bitumenlappen vom Landeplatz gelöst und waren in benachbarten Vorgärten gelandet. Ursprünglich sollte der Umbau Ende vergangenen Jahres über die Bühne gegangen sein.

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Gegen die Umbaupläne gibt es Widerstand bei Anwohnern, mit denen sich auch Köhler immer wieder beschäftigt. Dabei versucht er deutlich zu machen, dass die Lärmbelastung deutlich geringer sei als immer wieder behauptet. Innerhalb des vergangenen Jahres habe es 3049 Flugbewegungen am Rot-Kreuz-Krankenhaus gegeben. Pro Tag wären das 8,35. Jede Flugbewegung verursache etwa vier Minuten Lärm. Durchschnittlich leiden die Anwohner demnach unter einer halben Stunde Fluglärm pro Tag.

Anwohner: Landeplatz jetzt sperren

„Jetzt also doch“, schreibt die Anwohnerinitiative Christoph 7 am Rot-Kreuz-Krankenhaus in einer Presseerklärung: Die Bitumen-Platten, die Anwohner gefunden haben, stammen nach Mitteilung des Regierungspräsidiums (RP) Kassel vermutlich vom Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach des Rot-Kreuz- Krankenhauses. Noch ein paar Tage zuvor hatte das RP Kassel erklärt, es sei „sehr unwahrscheinlich, dass die Platten vom Landeplatz stammten“.

„Dabei hätte man es besser wissen müssen“, sagt Andreas Hannig von der Anwohnerinitiative. Schon früher hätten Piloten des Hubschraubers den abgelösten Belag auf dem Landeplatz moniert.

Solange die Sicherheit am Landeplatz des Krankenhauses in Wehlheiden nicht gewährleistet sei, könne von Fuldatal aus geflogen werden - ohne jede Einbuße für den Rettungsdienst. „Für die Zeit des Umbaus der Landeplattform soll ohnehin von Fuldatal aus geflogen werden. Wir fordern dies schon jetzt“, sagt Hannig.

Das RP sei als Luftaufsichtsbehörde für die Einhaltung der Sicherheitsstandards zuständig. „Wir haben nicht nur in diesem Punkt Anlass zu der Vermutung, dass es dieser Aufgabe nicht gerecht wird.“ Denn spätestens im Jahr 2009 hätte der Luftlandeplatz an neue Sicherheitsvorgaben (zum Beispiel Brandschutz) angepasst werden müssen. Bis heute habe sich das Krankenhaus als Betreiber des Landeplatzes allerdings der Umsetzung der Auflagen entzogen. Dabei habe das RP im Frühjahr 2010 damit gedroht, den Landeplatz zu sperren, wenn nicht umgehend die Sicherheitsauflagen umgesetzt würden. „Und was ist tatsächlich passiert? Bis heute: nichts“, so Hannig. (use)

Teil II des Videos sehen Sie hier.

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