Sehr häufig sind Muslima betroffen

Immer mehr junge Frauen in Kassel suchen Schutz

Kassel. Frauen in Not, die sich an Hilfseinrichtungen und Organisationen für Frauen wenden, werden immer jünger. Auch Kassels Sozialarbeiterinnen schlagen Alarm.

Immer mehr Mädchen und junge Frauen sind von Gewalt betroffen. Darunter viele aus muslimischen Familien.

Vermehrt kontaktieren Frauen unter 20 Jahren die Beratungsstelle des Vereins Frauen informieren Frauen (Fif), weil sie von ihrem – oft ersten – Beziehungspartner geschlagen wurden oder auf andere Weise – zum Beispiel auch im Internet – Gewalt erfahren haben.

„Die Entwicklung ist bedrückend“, sagt Heike Uppmann von Fif. Dort in der Nordstadt ist die Zahl der jungen Hilfesuchenden geradezu explodiert: Waren es 2013 insgesamt 45 Frauen unter 30 Jahren, die die Hilfe der Sozialarbeiterinnen und anderer Fachfrauen gesucht haben, so hat sich deren Zahl 2014 auf 103 mehr als verdoppelt. Davon waren es 2013 zwei sehr junge Frauen unter 20; im Jahr darauf waren es bereits 14.

Stefanie Burmester vom Kasseler Mädchenhaus bestätigt diese Tendenz. „Kürzlich hat sich ein 14-jähriges Mädchen an uns gewandt, weil es von seiner Familie zwangsverheiratet werden sollte“, erzählt sie: „Wir nehmen diese Hilferufe sehr ernst.“ Viele muslimische Mädchen würden von ihren Familien stark unter Druck gesetzt. Da manchmal berechtigt Angst um das Leben dieser Mädchens bestehe, müssten sie deshalb in anderen Städten untergebracht werden.

Ein Thema, mit dem das Mädchenhaus ebenfalls zunehmend konfrontiert wird, ist die weibliche Genitalverstümmelung. In manchen Gegenden werde diese Form der Körperverletzung erst vor der Hochzeit vorgenommen, sagt Stefanie Burmester: „Das ist für viele junge Frauen der Zeitpunkt zu fliehen.“ Die Gefahr sei ein anerkannter Asylgrund. „Zu uns kommen Mädchen, die sagen: Deshalb sind wir doch hierher gekommen.“

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