Zwei weitere Container geplant

Wohnungsnot: Immer mehr junge Obdachlose in Kassel

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Sauberkeit muss sein: Berthold L. wischt den Boden seines neuen Zuhauses auf. Das Wasser muss er sich außerhalb des Containers von einer Zapfstelle besorgen.

Kassel. Der Winter hat sich mit den ersten Frostnächten angemeldet. Die Arbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe schlägt Alarm und fordert eine bundesweite Strategie gegen Wohnungsnot: Die Zahl - vor allem jüngerer - Obdachloser steige, das Angebot bezahlbarer Kleinwohnungen sinke dagegen.

Das bekommt auch der Verein Soziale Hilfe in Kassel zu spüren, der sich mit seiner Tagesstätte Panama und mit Notschlafstellen um Menschen kümmert, die auf der Straße leben müssen. Mehr als 400 Obdachlose gebe es inzwischen in der Fuldastadt, sagt Lena Kuhnen. Die von der Sozialen Hilfe bereitgestellten sechs Wohncontainer und zwei kleinen Appartements sind bereits voll belegt, obwohl der Winter noch nicht richtig begonnen hat. Nächste Woche werde man zwei weitere Container anmieten, sagt Werner Koch.

Der Sozialarbeiter kümmert sich für den Verein darum, dass die Obdachlosen regelmäßig zum Essen, Wäschewaschen und Duschen ins Panama kommen, und besorgt ihnen eine richtige Wohnung. „Es darf keiner erfrieren, so lautet unser oberstes Ziel“, sagt Koch. Die Stadt Kassel unterstützt die Notschlafstellen mit 60.000 Euro pro Jahr.

Berthold L. (Name von der Redaktion geändert) ist diesem Schicksal dank des Vereins entronnen. Acht Monate habe er unter der Hafenbrücke auf einer Matratze gehaust, erzählt der Mittfünfziger. Zuletzt seien die Nächte unerträglich kalt gewesen. Eine Bekannte habe dann im Panama Bescheid gesagt. In seiner neuen Bleibe, einem 2,50 Meter mal sechs Meter großen Container mit Bett, Kommode Spind, Tisch und Elektrokocher, fühlt er sich sichtlich wohl. „Meine Beine machen die Kälte nicht mehr mit“, sagt der schmächtige Mann, der angibt, durch eine Reihe familiärer Schicksalsschläge und Arbeitsplatzverlust „abgesackt“ zu sein. Er habe sich mit dem Sammeln von Pfandflaschen durchgeschlagen, erzählt der Obdachlose. Koch sorgte dafür, dass er Geld von der Sozialbehörde erhält. Auch eine Wohnung will er für den vom Leben im Freien gezeichneten Mann finden.

Archiv-Video: Wohncontainer in Kassel

Doch das ist nicht so leicht. Die Beratungsstelle des Vereins für Wohnungslose komme mit ihrer Arbeit kaum nach, berichtet Kuhnen. Es fehle an preiswerten Wohnungen.

Infos und Hilfe: Panama, Tel. 05 61/707 38 30, Beratungsstelle Tel. 05 61/7 07 38 16

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