Opferentschädigungsgesetz: 1915 Nordhessen bekommen Geld

Immer mehr Opfer von Gewalttaten suchen Hilfe beim Staat

Kassel. Immer mehr Opfer von Gewalttaten beantragen staatliche Hilfe nach dem Opferentschädigungsgesetz (OEG). Im Bereich des Hessischen Amtes für Versorgung und Soziales in Kassel (Stadt und Landkreis Kassel, Werra-Meißner-Kreis, Schwalm-Eder-Kreis und Waldeck-Frankenberg) hat sich die Zahl der Anträge seit 2011 mehr als verdoppelt.

Derzeit werden 1915 Menschen in Nordhessen nach dem OEG unterstützt. Das kostet den Staat pro Monat mehrere 100.000 Euro.

Im vergangenen Jahr wurden 436 Anträge nach dem OEG gestellt. 2012 waren es 276, im Jahr 2011 nur 184. Christian Geselle, Justiziar beim Versorgungsamt, sieht für den Anstieg zwei Ursachen. Zum einem weise die Polizei Opfer mittlerweile verstärkter auf das OEG hin, zum anderen würden mehr Sexualdelikte angezeigt. Diese machten mittlerweile ein Drittel aller Fälle in Nordhessen aus.

Diese Erfahrung macht auch Jörg Stein, Außenstellenleiter der Opferhilfe Weißer Ring in Nordhessen. „Frauen, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind, wehren sich heute stärker als früher und nehmen auch verstärkt Hilfsangebote in Anspruch.“

Das OEG, das 1976 verabschiedet wurde, basiert auf dem Sozialstaatsprinzip des Grundgesetzes. Wenn Opfer von Gewaltdelikten infolge der Tat erwerbsunfähig, hilflos oder pflegebedürftig werden, sollen sie aus Solidarität innerhalb der staatlichen Gemeinschaft entschädigt werden. Dem Opfer soll damit erspart bleiben, auf dem zivilrechtlichen Weg um seine Ansprüche zu kämpfen.

„Die Schadensersatzansprüche des Opfers an den Täter gehen dann an uns über“, sagt Geselle. Man versuche, das Geld für Renten und Behandlungen von den Verursachen wiederzuholen, was aber in vielen Fällen aus Mangel an Masse nicht klappe. Allein beim Versorgungsamt Kassel sollen Regressansprüche im siebenstelligen Bereich bestehen.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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