Zweifelhafte Anträge und Krankmeldungen

Früher in die Ferien: Immer mehr Schulschwänzer

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Strand statt Schulbank: Alle Jahre wieder nehmen Eltern ihre Kinder vorzeitig aus der Schule, um die Ferien zu verlängern.

Kassel. Kommenden Montag beginnen die Sommerferien – für manche sind sechs Wochen aber nicht genug. Immer wieder versuchen Eltern, die Schulferienzeit ihrer Kinder zu verlängern, entweder über zweifelhafte Anträge oder Krankmeldungen.

Die Dunkelziffer ist hoch: Die meisten Fälle werden direkt von den jeweiligen Schulen geregelt, dann aber selten dokumentiert oder an Behörden weitergegeben. Nur krasse Fälle kommen als Ordnungswidrigkeit zur Anzeige.

„Jedes Jahr bearbeiten wir in Stadt und Landkreis 350 Fälle von Schulversäumnissen“, sagt Ulrike Kallenbach, Sachbearbeiterin beim Schulamt. Fälle von zweifelhafter Ferienzeitverlängerung gingen in diese Statistik mit ein.

„Eltern wissen oft nicht, dass sie eine Ordnungswidrigkeit begehen“, sagt Helga Dietrich, stellvertretende Leiterin des Schulamtes. Dem Gesetzgeber sei das Problem bekannt. So schlage Schwänzen an normalen Schultagen mit einem Tagessatz von fünf Euro zu Buche. „Liegen diese Tage aber direkt vor und nach den Ferien, geht es rauf auf bis zu 25 Euro.“

Schulen setzten jedoch meist auf Selbstregulierung. Der Grund: Gemessen an den jeweiligen Gesamtschülerzahlen an einer Schule, fallen derartige Vergehen kaum ins Gewicht. Auch kann nicht jedem Versuch, die Ferienzeit zu verlängern, eine betrügerische Absicht unterstellt werden.

„Einige Eltern glauben tatsächlich, dass verbilligte Flugtickets ein Grund für eine Freisprechung vom Unterricht sind“, sagt Ludger Becklas, Leiter des Goethe-Gymnasiums am Wesertor.

Anders sieht es bei zweifelhaften Krankmeldungen aus. „Wenn eine Familie gleich drei Kinder krank schreiben lässt, um früher in den Urlaub zu verschwinden, gehen wir der Sache sofort nach“, sagt Heike Ankerhans, Leiterin der Losseschule in Bettenhausen. Weil es aber schwierig sei, eine ärztliche Entscheidung anzufechten, bliebe oft nur das Gespräch. „Spätestens beim Aufzeigen von Konsequenzen zeigen sich die Eltern einsichtig“, sagt Ankerhans.

Auch Gerhard Vater, Leiter der Offenen Ganztagsschule Waldau, sagt: „Falsche Krankmeldungen kommen bei mir erst gar nicht an. Die Klassenlehrer regeln das auf dem kurzen Dienstweg.“ Auch hier werde nicht gleich mit einer Anzeige gedroht. „Ein Gespräch mit den Eltern ist da sinnvoller“, sagt Vater.

So gebe es faktisch kein Problem mit unrechtmäßig verlängerten Ferienzeiten. „Bei 900 Schülern zählen wir zehn Anträge pro Jahr. Von denen lassen wir nach eingehender Prüfung und persönlichen Gesprächen mit den Eltern nur ein bis zwei gelten“, sagt Schulleiter Gerhard Vater. Zum Beispiel bei außergewöhnlichen privaten Härten.

Aber selbst dann gilt: Einer Ferienzeitverlängerung wird nur einmal pro Schullaufbahn stattgegeben.

Von Boris Naumann

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