Missbrauchsprozess: Frau des Angeklagten glaubte ihrem Kind sofort

Kassel. Am Ende der Sommerferien im Jahr 2012 habe ihr sich die Tochter zum ersten Mal anvertraut, sagte die 35-jährige Mutter aus Kassel am Mittwoch vor der Zehnten Strafkammer des Kasseler Landgerichts.

Das Kind – damals 13 Jahre alt – habe ihr erzählt, dass ihr Stiefvater nachts in ihr Zimmer gekommen sei und sie berührt habe. Sie habe gewusst, dass ihre Tochter die Wahrheit sagt, so die Frau aus Kassel im Zeugenstand.

Ihr 49-jähriger Mann, von dem sie mittlerweile getrennt lebt, muss sich vor der Jugendschutzkammer wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen sowie des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern verantworten. Insgesamt soll der Mann seine Adoptivtochter zwischen 2006 und 2011 in über 440 Fällen nachts im Kinderzimmer aufgesucht und am Intimbereich berührt haben.

Sie habe ihren Mann bereits im Sommer 2012 darauf angesprochen, er habe aber alles abgestritten, sagte die Frau. Daneben habe es auch viel Streit in der Familie gegeben. Ihr Mann habe täglich Bier oder Cognac getrunken. Der Alkoholkonsum habe auch zu finanziellen Problemen geführt. Ihre Tochter habe sie oft gefragt: Warum trennst du dich nicht von ihm, „er ist doch ein schlechter Mensch“, erzählte die 35-Jährige. Ihr Mann habe sich wiederum darüber beschwert, dass er von der Tochter nicht respektiert werde. Im Januar 2013 habe sie die Situation schließlich nicht mehr ausgehalten, so die Frau in ihrer über dreistündigen Vernehmung. Sie habe ihren Mann zum wiederholten Male darauf angesprochen, was er nachts im Kinderzimmer der ältesten Tochter gemacht habe.

Plötzlich habe ihr Mann zugegeben, dass er in das Zimmer gegangen sei. „Ich hatte einen weinenden Mann am Tisch sitzen, der sagte, dass dieser Konflikt in der Familie geklärt werden müsse.“ Zwar habe er nicht eindeutig gesagt, dass er schuldig ist, so die Frau. „Für mich war das ein Geständnis.“ In der Folge schaltete sie einen Anwalt ein, informierte ihre Schwester und die Großeltern und erstattete Anzeige bei der Polizei. Im Februar 2013 verließ der Mann nach Aufforderung die gemeinsame Wohnung. Anschließend habe er auch noch bei ihr angerufen, ihr gedroht und im Selbstmitleid gebadet. Er könne Amokläufer und Väter, die sich mit ihren Kindern aus dem Fenster werfen, verstehen.

Der Angeklagte hatte bereits am Montag alle Vorwürfe zurückgewiesen. Seine Stieftochter habe sich alles ausgedacht, um ihn loszuwerden. Sein Verteidiger Marcus Mauermann stellte am Mittwoch noch einen Beweisantrag. Ein Sachverständiger soll die Frage klären, ob ein achtjähriges Mädchen bereits einen Höhepunkt erleben kann. Laut Anklage soll dies dem Mädchen bei einem der frühen Missbrauchsfälle passiert sein.

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