Immer nett und unauffällig: Daniel B. hat nur im Internet Spuren hinterlassen

Kassel. Daniel B. macht zurzeit bundesweit Schlagzeilen. Der Mann, der Schriftführer des CDU-Stadtbezirksverbandes Kassel-Nord war, soll ein Neonazi sein. Bundesweit berichten Medien darüber. Wer ist dieser 25-Jährige? Eine Spurensuche.

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Im Treppenflur des Vier-Familien-Hauses an der Wolfhager Straße in Harleshausen steht ein mit Lammfell winterfest gemachter Kinderwagen. Er gehört mutmaßlich der Familie B. im zweiten Stock. Daniel B. und seine Frau haben seit August ein Baby. Der Kinderwagen deutet darauf hin, dass die Familie zu Hause ist. Doch auf Klingeln und Klopfen öffnet niemand.

Humanistische Bildung

Daniel B. sei Mitglied der rechtsextremen Gruppierung „Freier Widerstand Kassel“ und habe auf seiner Facebook-Seite und in einem anderen Internet-Forum keinen Hehl aus seiner radikalen Gesinnung gemacht: Als Symbolbild wählte er die „Paulchen-Panther“-Figur, die auch im Bekenner-Video der mordenden Rechts-Terroristen aus Zwickau eine Hauptrolle spielte, nachdem deren DVD veröffentlicht worden war.

Daniel B. ging aufs Kasseler Friedrichsgymnasium, machte dort 2006 das Abitur. Heute kann sich an den Schüler kaum jemand erinnern. Er war unauffällig, eher der Typ Duckmäuser. Was einer Lehrerin im Gedächtnis blieb, ist sein Interesse für Politik und Geschichte.

Wie Daniel B. in die rechte Szene geriet, ist unklar. Er studierte an der Uni Kassel Politik, sein Master-Abschluss soll sich mit dem Thema Rechtspopulismus beschäftigen. Zurzeit soll er einen Job suchen. Tatsache ist, dass Daniel B. auf Videos und Fotos von Protestmärschen der Rechten zu sehen ist. Er mag elektronische Ballerspiele, ist auf entsprechenden Internetseiten registriert. Sein musikalischer Geschmack passt zu einem Neonazi: Daniel B. soll Fan der Band „Kategorie C“ sein. Die Bremer Band spielt nach eigenem Verständnis Fußballrock, wird aber der Neonazi-Szene zugerechnet. Textprobe: „Deutschland, dein Trikot ist schwarz und weiß, doch leider auch die Farbe deiner Spieler ...“

Ein Student erzählt

Ein Student, der ihn von früher kennt, erzählt, dass während des Studiums bei Daniel B. rechte Tendenzen zu erkennen gewesen seien. Aber nichts Handfestes, nichts, was Anlass zu besonderer Aufmerksamkeit gegeben hätte. Bei der Internet-Plattform „ICQ“ soll sich Daniel B. „Romel“ genannt haben - nach dem deutschen Generalfeldmarschall (1891-1944).

Die Nachbarn an der Wolfhager Straße erzählen nichts Schlechtes über Daniel B. Er und seine Frau seien nett, aber unauffällig und zurückhaltend. Kontakt habe man kaum gehabt, auch wenn man sich darum bemühte. Die junge Familie blieb für sich.

Dass er vielleicht mit einem Neonazi unter einem Dach wohnt, erschüttert einen Nachbarn besonders heftig. Er fängt während des Gesprächs an zu weinen. „Wissen Sie, ich komme aus der DDR. Da haben wir genug schlimme Sachen erlebt.“

Von Frank Thonicke

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