Immer gen Osten: Zwei Kasseler Schulfreunde reisten um die Welt

+

Kassel. Sie sind auf Dschingis Khans Spuren durch die mongolische Steppe geritten, mit dem Motorrad durch Südostasien gekurvt und in der Karibik von Insel zu Insel gesegelt.

Sie haben auf der Chinesischen Mauer gestanden, auf Phuket bei einer Tsunami-Warnung gezittert und sind in einer kolumbianischen Bar von korrupten Polizisten an die Wand gestellt worden. Die beiden Kasseler Schulfreunde Peer Bergholter und Jochen Müller sind 15 Monate lang um die Welt gereist.

Ihr Ziel war nicht nur, viel zu sehen und zu erleben, sondern auch, einmal um den Globus zu kommen, ohne ein Flugzeug zu besteigen. „Wer über Land reist, bekommt viel mehr mit“, sagt Peer Bergholter. Weiterer Vorteil: Durch das langsame Reisetempo hatten die beiden Freunde, die sich vor 25 Jahren auf dem Kasseler Wilhelmsgymnasium kennengelernt haben, nicht mit Jetlags zu kämpfen. Bis auf eine Ausnahme, als auch nach zwei Monaten Suche keine Überfahrt von Indonesien nach Australien zu finden war, hielten sie ihr Vorhaben durch.

Einfach mal aussteigen

Am Anfang der Reise stand der Wunsch, mal alles hinter sich zu lassen. Die Mittdreißiger standen beide vor den Scherben einer Beziehung, waren beruflich unzufrieden - und hatten etwas geerbt. „Persönlich und finanziell war es für uns beide damit der perfekte Zeitpunkt“, sagt Peer Bergholter, der zuvor in einer Werbeagentur gearbeitet hatte und dessen Mutter als ehrenamtliche Stadträtin bekannt ist. Also packten er und sein Freund Jochen Müller, der die Berliner Charité hinter sich ließ, wo er als Neurobiologe beschäftigt war, einen großen und einen kleinen Rucksack und machten sich auf: immer gen Osten.

Einer der ersten Höhepunkte sei die Fahrt in der Transsibirischen Eisenbahn gewesen, sagt Bergholter. Sie brachte die Rucksacktouristen durch die wildromantische Taiga in fünfeinhalb Tagen von Moskau in die Mongolei. „Und in keinem Bahnhof hatte der Zug auch nur eine Minute Verspätung!“

Aber auch das Warten lernten die Reisenden. In Südostasien seien Busse oft erst dann abgefahren, wenn genug Passagiere an Bord waren. Auch beim Überqueren von Atlantik und Pazifik auf Containerschiffen war Geduld gefragt.

129 Städte in 23 Ländern haben Bergholter und Müller gesehen, und in 456 Tagen 80 000 Kilometer zurückgelegt. Ihre Erfahrungen hielten die beiden Weltenbummler in einem Reiseblog fest. Jetzt überlegen sie, ein Buch zu schreiben. „Wir haben schon eine Menge zu erzählen.“ Dennoch überwog kurz vor Weihnachten die Freude, wieder nach Hause zurückzukehren. „Irgendwann hat man einfach eine Überdosis, am Schluss fiel es schwer, sich für immer neue Eindrücke zu begeistern“, sagt Bergholter.

Hier können Sie alle  Reiseberichte im Blog der beiden nachlesen.

Begeistert waren sie allerdings, als bei der Ankunft im Hafen in Frankreich ein Kasten Hütt-Bier auf sie wartete, den Jochen Müllers Vater, der lange Braumeister auf der Knallhütte war, geschickt hatte. Und nachdem in den 15 Monaten auch Hund und Esel, gegrillte Insekten und gekochter Schafskopf auf der Speisekarten standen, schmeckte den beiden Kasselern auch die erste Ahle Wurscht umso besser.

Von Katja Rudolph

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.