Große Nachwuchssorgen

Nur noch 18 Betriebe: Immer weniger Fleischereien in Stadt und Altkreis Kassel

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Die Zahl der Fachgeschäfte hat drastisch abgenommen: In Stadt und Altkreis Kassel gibt es nur noch 18 Fleischereien.

Kassel. Die Zahl der Fleischereifachgeschäfte hat in der Stadt und im Landkreis Kassel in den vergangenen Jahren dramatisch abgenommen. Zahlreiche Traditionsbetriebe haben nach und nach geschlossen.

Erst kürzlich hat die Metzgerei Rohde ihren Laden in der Frankfurter Straße in Kassel dicht gemacht, um sich künftig auf den Internethandel mit Ahler Wurscht zu konzentrieren.

Heute gibt es in Stadt und Altkreis nur noch 18 Betriebe, sagt Dirk Nutschan, Obermeister der Fleischer-Innung. Als er im Jahr 2003 das Amt übernommen hatte, waren es noch 48. Nutschan geht davon aus, dass es in fünf Jahren nur noch zehn bis zwölf eigenständige Metzgereien in Stadt und Altkreis geben wird. In vielen Betrieben, die es jetzt noch gibt, fehle der Nachwuchs.

Der Innungsmeister hat aber auch eine gute Nachricht: Diese wenigen Betriebe werden wohl gut laufen, sofern sie sich spezialisiert haben. „Heutzutage muss man sich als Metzger abheben und mindestens drei Produkte anbieten, die sonst keiner hat“, sagt Nutschan. „Die klassischen Blut- und Leberwurstkunden sind ausgestorben.“ „Der Fleischer ist inzwischen Dienstleister“, sagt Fleischermeister Ralf Franke, der an der Elisabeth-Knipping-Schule die Auszubildenden unterrichtet. Fleischer sind längst nicht mehr nur Grundversorger. Sie müssen nicht nur schlachten und zerlegen, sondern auch zubereiten, Ernährungstipps geben und den Kunden beraten können.

Als Franke im Jahr 2000 mit dem Unterrichten an der Berufsschule in der Nordstadt begann, hatte er 18 Schüler in einer Klasse. Zwischenzeitlich waren es nur sechs. Der Lehrer geht aber davon aus, dass die Talsohle überwunden ist. Heute unterrichtet er zehn Fleischer-Azubis im dritten Lehrjahr, darunter auch eine Frau. „Fleischer werden händeringend gesucht. Jeder, der auslernt, bekommt auch einen Arbeitsplatz.“  

Das sagt die Kammer: Arbeitszeiten schrecken ab

„Heute gibt es in vielen Handwerken Schwierigkeiten, geeignete Nachwuchskräfte zu finden“, sagt Barbara Scholz, Sprecherin der Handwerkskammer Kassel. Die Nahrungsmittelhandwerke, also Bäcker, Fleischer und Konditoren, seien schon seit vielen Jahren mit dieser Situation konfrontiert. „Hier sind es vor allem die Arbeitszeiten und die Arbeitsbedingungen, die viele junge Menschen abschrecken."

Fachverbände und Innungen werben deshalb gemeinsam mit den Handwerkskammern unter anderem mit attraktiven Kampagnen verstärkt um Auszubildende. Dabei gehe es nicht nur darum, die Lust auf ein ausgesprochen kreatives Handwerk zu wecken, das ganz zentral mit der Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln zu tun hat, sondern auch um den Karriereweg, der sich biete. So seien zum Beispiel Auslandsaufenthalte bereits während der Ausbildung möglich. Der Karriereweg setze sich über Fortbildungen, beispielsweise im betriebswirtschaftlichen Bereich, fort bis hin zum Meisterbrief. Er ebne den Weg in ein Studium auch ohne Abitur, aber auch zum eigenen Betrieb. Da im Handwerk nicht nur Nachwuchs- und Fachkräfte gesucht würden, sondern auch Nachfolger für am Markt etablierte Betriebe, sei auch das eine gute Berufsperspektive, so Scholz.

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