Viele Kinder werden gefahren: Tipps für den sicheren Schulweg

Abschied an der Haustür: Rasmus (7) geht jeden Morgen zu Fuß zur Schule. Hinten winken seine Eltern Diana und Reinhard Rink und Schwester Rhona.

Kassel. Der Schulranzen ist schon gepackt, ab Montag geht Rasmus wieder in die Schule. Gehen ist dabei wörtlich gemeint:

Der Siebenjährige, für den jetzt das zweite Schuljahr beginnt, läuft jeden Morgen von seinem Zuhause rund 15 Minuten bis zur Auefeldschule. Ihm macht der Schulweg Spaß: „Man kommt an einem tollen Garten mit ganz vielen Blumen vorbei, und vorn an der Ecke gibt es einen Strauch mit Knallerbsen im Herbst“, erzählt er. Außerdem kann er mit seinen Freunden, die mit ihm unterwegs sind, schon alles Wichtige besprechen.

Immer weniger Kinder erleben ihren Weg zur Schule so wie Rasmus: Viele werden heute von den Eltern mit dem Auto gebracht - oft bis direkt vor die Schultür. Das führt gerade vor Grundschulen mitunter zu Verkehrschaos vor der ersten Stunde. An der Fasanenhofschule musste schon ein Pfosten aufgestellt werden, um die Elterntaxen zu disziplinieren: Dort war morgens auch die Feuerwehrzufahrt in der Schwabstraße regelmäßig verstopft.

Schon vor 15 Jahren wurde laut einer Forsa-Umfrage jedes fünfte Grundschulkind mit dem Auto in die Schule chauffiert. Inzwischen hat der Anteil noch mal deutlich zugenommen, ist sich Gabriele Steinbach, Leiterin des städtischen Schulverwaltungsamts sicher. „Viele Eltern schaffen es nicht mehr, ihre Kinder loszulassen.“ Oft werde von den fahrenden Eltern vorgebracht, der Schulweg sei nicht sicher. „Unsicher ist aber vor allem der Teil vor der Schule, weil die Eltern dort in erster, zweiter und dritter Reihe parken“, sagt Steinbach.

Um das Problem in den Griff zu kriegen, bereitet die Stadtverwaltung derzeit ein Projekt vor, das dazu beitragen soll, dass wieder mehr Kinder ihren Schulweg zu Fuß zurücklegen. Unter dem Titel „Schulweg-Helden“ soll es zum Schuljahr 2016/17 starten.

Schon jetzt gibt es sogenannte Schulwegpläne für jede Schule (Kurzlink: zu.hna.de/schulweg2015). Dort ist eingezeichnet, auf welchen Strecken man am sichersten zur Schule kommt. Auch mithilfe des Projekts will die Stadt die Schulwege noch sicherer und für Kinder attraktiver machen.

An der Fasanenhofschule läuft bereits seit einiger Zeit ein Beteiligungsprojekt, bei dem die Kinder Wünsche äußern durften. Vieles sind Kleinigkeiten: Stromkästen und Mülleimer bunt gestalten oder unterwegs kleine Haltestellen einrichten. In diesem Jahr soll mit der Umsetzung der Ideen begonnen werden.

Wenn wieder mehr Kinder zur Schule laufen, entspanne sich nicht nur die Verkehrsproblematik vor den Schulen, sagt Steinbach. Zugleich kämen die Kinder ausgeglichener in der Schule an, weil sie sich schon an der frischen Luft bewegt und mit anderen Kindern ausgetauscht haben. Außerdem würden Selbstständigkeit und Verkehrskompetenz der Kinder gefördert. Und für die Umwelt sei es auch gut, wenn das Auto öfter stehen bleibt.

Hintergrund: Tipps für den sicheren Schulweg

• Schulweg planen, der kürzeste ist nicht immer der sicherste Weg.

• Helle Farben und Reflektoren an Kleidung und Ranzen helfen, dass das Kind von Autofahrern gut gesehen wird.

• Schulweg rechtzeitig mit dem Kind üben. Das Kind anfangs begleiten, dabei immer denselben Weg nehmen. Den ersten Alleingang des Kindes beobachten - und loben, wenn es gut klappt.

• Für ausreichenden Schlaf des Kindes sorgen. Wenn es müde ist, steigt die Unfallgefahr. Falls es mal zu spät wird: Kind nicht hetzen.

• Wenn man das Kind mit dem Auto bringt (natürlich im Kindersitz!), es zur Gehwegseite aussteigen lassen. Verkehrsregeln und Halteverbote an der Schule beachten.

Mehr Tipps von der Polizei finden Sie hier.

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