Liegt im bargeldlosen Bezahlen die Zukunft?

Frikadelle mit Karte kaufen: Immer weniger Kunden in Kassel zahlen bar

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Hier kann mit Karte gezahlt werden: Sandra Jeschik von Etuis-Mertl präsentiert das Kartenlesegerät ihres Geschäftes in der Friedrich-Ebert-Straße.

In Kassel zahlen immer weniger Menschen bar, sondern bevorzugen Kartenzahlung. Wir haben uns auf der Friedrich-Ebert-Straße umgehört.

Aktualisiert: 12.30 Uhr - „80 Prozent unserer Kunden zahlen mit Karte“, berichtet Guido Zinke, Filialleiter der Weinhandlung Bremer im Vorderen Westen. 

Seine Einschätzung deckt sich mit einer Studie des wissenschaftlichen Handelsinstitutes EHI. Die Studie „Kartengestützte Zahlungssysteme im Einzelhandel 2019“ besagt, dass das bargeldlose Einkaufen zugenommen habe. Erstmals wurde in Deutschland mehr mit Karte bezahlt als mit Bargeld. Doch wie sieht das in Kassel aus? 

Sandra Hilpert, die den Friseursalon „Schicke Schnitte“ betreibt, bestätigt die Studie: „Vor fünf Jahren hat die Hälfte unserer Kunden mit Karte gezahlt, heute sind es 90 Prozent.“ Ihrer Erfahrung nach würden Personen bis 50 Jahre eher bargeldlos zahlen, während Menschen höheren Alters oft Bargeld dabei hätten.

Der „Kiosk 94“, den Josip Matuzovic und seine Frau Ana betreiben, bietet keine Kartenzahlung an: „Für uns würden bis zu 2,2 Prozent Gebühren pro Zahlung anfallen, deshalb hat uns der Steuerberater davon abgeraten“, erzählt Josip Matuzovic. Er glaubt nicht, dass ihm Umsätze verlorengehen: „90 Prozent der Kunden wollen mit Bargeld zahlen und maximal fünf Prozent verlassen das Geschäft, da sie nicht mit Karte zahlen können.“

Auch die Eisdiele „Il Gelato“ bietet nur Barzahlung an: „Wir haben schon über bargeldlose Zahlungsmöglichkeiten nachgedacht, weil es ungefähr einmal täglich angefragt wird. In zwei oder drei Jahren werden wir es sicher auch anbieten“, berichtet Inhaber Marco Caccuri.

Bei der Kaffeerösterei Seegert halten sich Bargeld- und Kartenzahlung nach Einschätzung von Mitarbeiterin Julia Schuch die Waage. Dass ein Kunde nur einen Kaffee kaufe und diesen mit Karte zahle, komme selten vor. Die Woche habe erstmals jemand mit Apple Pay bezahlt – das war auch für Schuch neu, berichtet sie.

Beim Lederwarengeschäft Etuis-Mertl wird öfter mit EC-Karte als mit Bargeld bezahlt. Den Einsatz von anderen Karten wie Kreditkarten schätzt Inhaberin Martina Pape auf 10 bis 15 Prozent. Die Kartenzahlung sei eine sichere Zahlungsweise, sagt Pape. 

In der Bio-Metzgerei Armbröster kann selbst die Frikadelle bargeldlos bezahlt werden. „Jeder zweite bis dritte Kunde zahlt bei uns mit Karte“, erzählt Mitarbeiterin Diana Erhardt. Ihre Kollegin Lydia Dehnhardt ergänzt: „Kartenzahlung wird zunehmend mehr – auch bei kleinen Beträgen.“ Kartenzahlung in Kassel? An den meisten Orten problemlos möglich. Auch ein Mindesteinkaufswert, wie noch vor einigen Jahren üblich, wird nicht mehr verlangt. 

Dieses Video ist ein Inhalt der Videplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt. 

Ist bald nur noch bargeldloses Zahlen möglich?

Martin Schüller, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Hessen-Nord, glaubt, dass die Möglichkeiten der Kartenzahlung zwar stärker genutzt werden, das Bezahlen mit Bargeld jedoch weiterhin wichtig bleibe. „Bargeldloses Bezahlen ist nicht die alleinige Zukunft“, sagt er. Für jeden Bezahlvorgang falle eine Provisionsgebühr an Banken und Dienstleister an, berichtet Schüller. Die Höhe der Gebühren sei in den letzten Jahren zurückgegangen. Diese Veränderung würde laut Schüller den Anstieg des bargeldlosen Bezahlens begünstigen.

 „Früher konnte man oft erst Beträge ab 20 Euro mit Karte zahlen. Durch reduzierte Gebühren sind solche Regelungen verschwunden“, erzählt er. Dem Einzelhandelsverband sei wichtig, den Kunden entgegenzukommen. Durch elektronische Bezahlvorgänge werde Zeit eingespart, was dazu führe, dass Kunden nicht in langen Schlangen warten müssten. Ältere Menschen würden meistens bar bezahlen, die Jugend griffe eher zur Karte, so der Eindruck Schüllers.

Wie sicher ist Kartenzahlung?

"Kartenzahlung ist das sicherste Verfahren"

Peter Mühlhaus, Leiter der Unternehmenskommunikation der Volksbank Kassel-Göttingen, beschreibt die Kartenzahlung als eines der sichersten Zahlungsmittel. "Statistisch gesehen ist die Gefahr, dass jemandem durch einen Trickbetrüger in der Fußgängerzone das Portemonnaie entwendet wird, höher als das Risiko bei der Zahlung mit Girokarte."

"Hohe und bewährte Sicherheitsstandards"

"Die Karten der Kasseler Sparkasse gelten als sehr sicher, da für Kontaktlos-Zahlungen und girocard (electronic cash)-Zahlungen hohe und bewährte Sicherheitsstandards existieren", sagt Nicola Mütterthies von der Kasseler Sparkasse auf HNA-Nachfrage. "Wichtige persönliche Daten wie Name, Kontonummer oder Adresse werden bei girocard-Zahlungen in keinem Fall übertragen."

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