Nur zwei Drittel der Stellen können besetzt werden

Zu wenige wollen Polizist werden: Schließung von Dienststellen droht

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Werbeaktion für den Polizeiberuf: Diese Plakat hängt an der Straßenbahn-Haltestelle an der Fünffensterstraße in der Kasseler Innenstadt.

Kassel. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) schlägt aufgrund von Nachwuchssorgen Alarm: In Hessen könnten in diesem Sommer rund 30 Prozent der freien Stellen nicht besetzt werden.

Der Grund: Es gibt zu wenige Hochschulabsolventen, sagt Stefan Rüppel, Vorsitzender der GdP Nordhessen. Wer Polizist werden möchte, muss ein dreijähriges Bachelorstudium erfolgreich absolvieren. Für das Polizeipräsidium Nordhessen bedeute das konkret, dass nur 21 von 31 Stellen, die durch Pensionierung, Umsetzung und Tod von Beamten frei geworden sind, am 1. August besetzt werden könnten, so die Gewerkschafter.

Sandra Breyer, Sprecherin der Polizeiakademie Hessen in Wiesbaden, bestätigt, dass in Nordhessen freie Polizeistellen nicht besetzt werden können. Das liege auch an einem unerwartet erhöhten Anteil an Studienabbrüchen von Anwärtern des gehobenen Polizeivollzugsdienstes.

Wenn diese Entwicklung weitergehe, so Stefan Rüppel, dann drohe im komenden Jahr die Schließung von Dienststellen und Kommissariaten. Personalmangel herrsche insbesondere bei den Polizeidirektionen auf dem Land.

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Zehn bis 15 Prozent der Polizeianwärter in Hessen seien beim Bachelor-Studiengang durch die Abschlussprüfungen gefallen, sagt Lars Elsebach, Vorsitzender der GdP Kassel. Bei den Diplom-Studiengängen, die es bis 2010 gab, habe die Durchfallquote bei rund fünf Prozent gelegen.

Laut GdP kommt hinzu, dass es zu wenige Bewerber gibt. So sollen zum Beispiel am 1. September 392 neue Anwärter in Hessen eingestellt werden. Dem Vernehmen nach fehlten im Juni noch über 200 qualifizierte junge Menschen.

„Wir können diese Zahlen nicht bestätigen“, sagt allerdings Sandra Breyer. Maßgabe des Innenministeriums sei es, dass im Septmber 400 neue Anwärter ihr Studium beginnen. Dafür liefen derzeit Eignungsauswahlverfahren.

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