Günstige Lage gefragt

Immobilienpreise in Kassel steigen nicht mehr - Häuser werden sogar günstiger

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Eigentumswohnungen wurden teurer, Einfamilienhäuser etwas günstiger: Das ist das Ergebnis des jüngsten Immobilienmarktberichtes der Stadt. Im Bild ist der Bereich Friedrich-Ebert-Straße zu sehen.

Mehr als ein Jahrzehnt lang kannten die Kasseler Immobilienpreise nur eine Richtung: Nach oben. Nun scheint der Anstieg gestoppt - zumindest, was Häuser betrifft. 

Nach dem jüngsten Immobilienmarktbericht der Stadt haben sich die Preise zwischen 2017 und 2018 auf einem hohen Niveau eingependelt. Die Durchschnittspreise für Häuser sind sogar leicht gefallen. Dies liegt aber vor allem daran, dass zuletzt immer mehr Wohngebäude in nicht so gefragten Lagen den Eigentümer gewechselt haben. Wir stellen die wichtigsten Entwicklungen dar.

Mehr Häuser verkauft

Im Jahr 2018 wurden in Kassel insgesamt 1539 Kaufverträge für Wohneigentum geschlossen. Dies sind drei Prozent mehr als im Vorjahr. Solche Schwankungen haben aber wenig Aussagekraft darüber, wie viele Häuser den Eigentümer wechseln. Denn bei großen Immobilienpaketen – etwa der Belgischen Siedlung – fließt dies nur als ein Kaufvertrag in die Statistik ein. Dem gegenüber stehen Studentenwohnanlagen mit bis zu 200 Eigentumswohnungen, die überproportional ins Gewicht fallen.

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Günstige Lage gefragt

Der durch die Verkäufe generierte Geldumsatz lag im Jahr 2018 in Kassel insgesamt bei 435 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es 492 Millionen Euro. Der Rückgang liegt vor allem daran, dass Häuser und Wohnungen in bisher weniger gefragten Vierteln (Oberzwehren, Niederzwehren, Rothenditmold, Wolfsanger) verkauft wurden.

„Es ist nicht etwa so, dass Villen am Mulang günstiger geworden sind“, sagt Sandra Rus, Vorsitzende des Gutachterausschusses. Die Nachfrage nach hochpreisigen Immobilien stagniere allerdings. Verlangten Verkäufer für ein freistehendes Einfamilienhaus mehr als 500 000 Euro, gebe es deutlich weniger Interessenten.

Reihenhäuser um fast 13 Prozent günstiger geworden 

Der durchschnittliche Preis für ein freistehendes Einfamilienhaus lag vergangenes Jahr bei 330.000 Euro. Dies ist ein Rückgang von acht Prozent. Interessant ist zudem, dass Zweifamilienhäuser im Schnitt ebenfalls für 330.000 Euro verkauft wurden.

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Reihenhäuser sind im Schnitt um 12,5 Prozent günstiger verkauft worden. Sie kosteten um die 193.000 Euro. Wobei Reihenmittelhäuser schwieriger zu verkaufen seien als Reiheneckhäuser oder Doppelhaushälften, erläutert Rus.

Auch innerhalb der Stadtteile spiele es bei den Verkaufspreisen eine große Rolle, wo genau sich das Haus befindet. Manchmal mache schon die Straßenseite einen Unterschied.

Wohnungen teurer

Für Neubaueigentumswohnungen zahlten die Käufer in Kassel 2018 im Schnitt 3200 Euro pro Quadratmeter – ein Anstieg um vier Prozent gegenüber 2017. Besonders Wohnungen zwischen 70 und 90 Quadratmetern sind gefragt. Dies liege daran, dass viele ältere Kasseler in diesem Segment barrierefreien Wohnraum suchten, so Dr. Hans Jürgen Kampe vom Gutachterausschuss.

Markt ist angespannt

Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) spricht von einem auch „weiterhin angespannten Wohnungsmarkt“ in Kassel. Das Angebot decke nicht den Bedarf.

Nolda und auch die Mitglieder des Gutachterausschusses verwiesen in dem Zusammenhang aber nicht nur auf die Neubauprojekte, sondern auch auf den anstehenden Generationswechsel. Ein Drittel aller Einfamilienhäuser in Kassel werde von Menschen über 75 Jahren bewohnt, die noch dazu häufig alleine lebten.

Kampe vom Gutachterausschuss fühlt sich durch den aktuellen Bericht in seiner Einschätzung bestärkt, dass man in Kassel keine Immobilienblase erleben werde, wie sie etwa in München, Hamburg, Berlin oder Frankfurt zu beobachten sei.

Service: Der Gutachterausschuss der Stadt Kassel erstellt gegen Gebühr für Hauseigentümer neutrale Wertgutachten. Die Gebühr richtet sich nach dem Wert des Gebäudes. 0561/ 787 62 71

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