Kasselerin erzählt

Bei Immobilienverkauf fast Betrugsopfer geworden

Erst wird ein Gewinn in Aussicht gestellt, dann schlägt die Falle zu: Bei so genannten Rip-Deals soll Haus- und Wohnungseigentümern Falschgeld untergeschoben werden. Foto: dpa

Kassel. Eigentlich wollte die Friseurmeisterin aus Kassel nur ihre Wohnung verkaufen. Dann wäre sie fast zu einem Betrugsopfer geworden.

Mit sogenannten Rip-Deals (Abzockgeschäft) versuchen Betrüger Haus- und Wohnungseigentümer über den Tisch zu ziehen. Immobilienmakler aus Kassel berichten über etliche Fälle auch im Raum Kassel. Die Friseurmeisterin berichtet, wie sie um ihre Geld gebracht werden sollte.

Mit einer Anzeige in der HNA und im Internet hatte die Kasselerin ihre Wohnung in Niestetal verkaufen wollen. Eine Anruferin, die sich auf die Anzeige hin telefonisch meldete, gab sich als Geschäftsfrau aus, die in Hongkong für Fiat arbeite. Sie sprach schlecht Deutsch und erzählte der Wohnungseigentümerin, sie interessiere sich für die Wohnung in Niestetal als Immobilienanlage. „Die Frau wirkte zuerst glaubwürdig und hat sich auch Fotos von der Wohnung schicken lassen“, erzählt die Friseurin. Um den Preis habe sie auch nicht gehandelt.

Dann aber wurde die Kasselerin stutzig. Die angebliche Geschäftsfrau behauptete nämlich, sie sei demnächst für ein Seminar im italienischen Turin. Weil sie hochschwanger sei, bat sie darum, das Immobiliengeschäft in Turin abzuschließen. Dies erspare ihr einen weiteren Flug. „Dafür versprach sie mir 40 Prozent der Summe gleich in bar als Vorauszahlung mitzubringen“, erzählt die Kasselerin.

Die Friseurin, die in Kassel einen Salon betreibt, überlegte kurz, ließ sich dann aber nicht auf das Angebot der angeblichen Interessentin ein. Sie informierte sich im Internet und stieß dort auf Warnungen vor solchen so genannten Rip-Deals.

Hätte sich die Kasselerin auf die Reise eingelassen, wäre ihr ein illegales Geschäft angeboten worden, sagt Alexander Alter, Vorsitzender der Regionalsektion des Immobilienverbands Deutschland (IVD). Häufig behaupten die Betrüger, der Kauf könne nur abgewickelt werden, wenn vorher Geld getauscht werde. Denn der vermeintliche Investor verfüge über Schwarzgeld. Beim Geldtausch werde dem Verkäufer ein Gewinn in Aussicht gestellt. Tatsächlich bleibe er dann aber auf Falschgeld sitzen.

„In der Kasseler Immobilienbranche ist die Masche bekannt, mit der Eigentümer um ihr Geld gebracht werden sollen“, sagt Alter. Immer wieder würden sich Eigentümer ratsuchend an Makler wenden, weil sie durch die unseriösen Angebote aus dem Ausland verunsichert seien. Die Polizei rät Verkäufer dringend davon ab, sich auf solche Geschäfte einzulassen.

Von Bastian Ludwig

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