Spontane Impfaktionen sollen helfen

Impfen gegen vierte Welle - Vor allem Jüngere sind in Kassel infiziert 

Eine Frau wird von einer medizinischen Fachkraft gegen Corona geimpft.
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Unschlüssige und Nachlässige erreichen: Das ist laut Dr. Uwe Behrmann, dem Ärztlichen Leiter des Elisabeth-Krankenhauses, wichtig, damit die Kurve der Corona-Fallzahlen nicht steil ansteigt.

Während die Sieben-Tage-Inzidenz deutschlandweit seit Anfang Juni wieder steigt, ist die Situation in Kassel und im Landkreis weiter entspannt: Die Werte lagen zuletzt jeweils im einstelligen Bereich.

Kassel – Beim Blick auf die Zahlen fällt allerdings auf, dass in den vergangenen Wochen erneut vor allem Jüngere betroffen waren. In der letzten Woche war die Inzidenz – bei einem insgesamt niedrigen Niveau – in der Altersgruppe der 0- bis 10-Jährigen laut Gesundheitsamt Region Kassel mit 23,1 am höchsten. Bei den 11- bis 20-Jährigen lag sie bei 17,1, bei den 21- bis 39-Jährigen bei 11,6. Unter den über 40-Jährigen gab es, wie auch in der Vorwoche, keine Fälle. In der Gruppe der über 80-Jährigen wird die Inzidenz sogar in den vergangenen vier Wochen mit 0 angegeben.

Da die Zahlen bei den unter 40-Jährigen zuletzt höher waren als bei den vielfach schon geimpften Älteren, setzen Stadt und Landkreis weiter auf Impfaktionen. Durch diese können sich Impfwillige kurz entschlossen und ohne Anmeldungen immunisieren lassen – im Kasseler Zentrum am Freitag beispielsweise schon ab 16 Jahren.

Dass sich trotz der derzeit niedrigen Fallzahlen möglichst viele impfen lassen, wird laut Experten für die Corona-Entwicklung im Herbst wichtig: Zurzeit sei die Lage in den Krankenhäusern in Nordhessen sehr entspannt, sagt Klinikum-Pressesprecherin Nina McDonagh. Mit Blick auf die Ausbreitung der Delta-Variante könne man aber von hohen Infektionszahlen im Herbst und Winter ausgehen.

Impfung schützt vermutlich vor schweren Erkrankungen der Delta-Variante

Ob dies vermehrt zu schweren Erkrankungen führt und damit auch die Kliniken betreffen wird, bleibt laut McDonagh abzuwarten. Daten aus England und Israel zeigten jedoch, dass eine Impfung vor schweren Erkrankungen mit der Delta-Variante schütze. „Insofern ist es wichtig, dass jetzt Impflücken in den Risikogruppen konsequent geschlossen werden.“

Sieben-Tage-Inzidenz der Stadt Kassel

Dr. Uwe Behrmann, Ärztlicher Direktor am Elisabeth-Krankenhaus, fasst es so zusammen: Derzeit gebe es „vielleicht die Ruhe vor dem hoffentlich letzten Sturm, dessen Stärke wesentlich vom Impfen abhängt“. Dass das Gesundheitssystem in den nächsten Monaten unter der Last dieser Pandemie zusammenbreche, halte er für so gut wie ausgeschlossen. Aber, so Behrmann mit Blick auf die Impfungen, „die gesellschaftlichen Folgen sind stark von den nächsten Wochen abhängig“.

Keine Corona-Patienten in Kliniken

Seit zwei Tagen wird kein Corona-Patient mehr in einem Krankenhaus in Kassel oder im Landkreis behandelt. Auch am Freitag war die Zahl der Patienten bereits mit null angegeben worden. In den vergangenen Wochen wurden bis zu vier Patienten gleichzeitig in Kliniken versorgt – sie lagen überwiegend mehrere Wochen im Krankenhaus. Zum Höhepunkt der dritten Welle Mitte April wurden in Kassel und im Kreis etwa 90 Infizierte gleichzeitig im Krankenhaus behandelt.

Nun kommt es auf die Impfbereitschaft in Kassel und Landkreis

Niedrige Fallzahlen, keine Corona-Patienten im Krankenhaus: Derzeit ist die Corona-Lage in Kassel und im Landkreis entspannt. Wie sich die Zahlen im Herbst und Winter entwickeln, hängt auch davon ab, wie viele Menschen sich impfen lassen. Fragen und Antworten:

Seit zwei Tagen werden keine Corona-Patienten in Krankenhäusern in Kassel oder im Landkreis behandelt. Gibt es eine Prognose, wie sich die Situation in den kommenden Wochen in den Kliniken entwickelt?
Im Bereich der Krankenhäuser herrscht im Augenblick Ruhe, was Corona anbelangt, bestätigt Dr. Uwe Behrmann, Ärztlicher Direktor am Elisabeth-Krankenhaus Kassel. Ob das die Ruhe vor dem Sturm sei oder ob diese länger anhalte, wisse kein Mensch. „Es ist aber schon davon auszugehen, dass die Reiserückkehrer auch wieder das Virus im Gepäck haben“, so Behrmann. Da es sich bei ihnen vermutlich eher um die Jüngeren handele, die ja teilweise noch nicht vollständig geimpft seien, sei zunächst hoffentlich von einer eher niedrigen Rate an Krankenhauseinweisungen auszugehen.
Wovon hängt die Entwicklung ab?
„Wie im Grunde alle in diesem Bereich Tätigen, schauen wir mit großer Spannung, aber auch beunruhigt auf die derzeitige Entwicklung“, sagt Behrmann. Vielleicht sei dies der Beginn einer vierten Welle, die sich vermutlich über den Herbst hinziehen werde. Viel werde davon abhängen, wie man die noch Unschlüssigen oder eher Nachlässigen zur Impfung bekomme. Davon werde abhängen, wie steil die Kurve werde und ob die Krankenhäuser wieder vermehrt in Anspruch genommen würden. Auch die Anzahl der von Long-Covid-Betroffenen wird laut Behrmann damit zusammen hängen: „Diese Spätfolgen sind unabhängig von schweren Verläufen und ereilen auch sehr junge Menschen.“
Zuletzt waren vor allem Jüngere infiziert. Was fällt beim Blick auf die Zahlen auf?
In den vergangenen zwei Wochen sind die Inzidenzen laut Gesundheitsamt vor allem in den Altersgruppen der 15- bis 20-Jährigen und der 21- bis 39-Jährigen gestiegen. Bei den 21- bis 39-Jährigen lag die Inzidenz gleichzeitig immer über dem Kasseler Wochendurchschnitt. In der Altersgruppe der 40- bis 59-Jährigen und der 60- bis 79-Jährige lag die Inzidenz bei 0 – es gab also keine Fälle. Bei den über 80-Jährigen war dies sogar in den vergangenen vier Wochen der Fall.
Schauen wir auf Dienstag: Wie haben sich die Zahlen in Stadt und Kreis entwickelt?
Gerade einmal einen neuen Fall hat das Gesundheitsamt gemeldet. Die Zahl der aktuell Infizierten blieb sowohl in der Stadt (26) als auch im Kreis (30) unverändert. Für die Stadt meldet das Gesundheitsamt zwei neue Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Damit liegt die Gesamtzahl der Todesfälle nun bei 200 seit Beginn der Pandemie. Im Landkreis gab es bisher 230 Todesfälle.
Wie sieht es bei der aktuellen Inzidenz aus?
In Kassel ist die Inzidenz gesunken: von 7,9 am Montag auf 6,9 am Dienstag. Damit hatten Stadt und Kreis am Dienstag beinahe identische Werte, denn im Kreis stieg die Inzidenz leicht an – von 6,3 am Montag auf 6,8 am Dienstag. Die höchste Inzidenz der vergangenen vier Wochen hatte Kassel am 10. Juli (10.4), die niedrigste am 1. Juli (4,). Im Kreis betrug der Höchstwert 9,4 (am 22. Juli), der Tiefstwert lag bei 1,7 (am 4. Juli). (Marie Klement)

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