Impfmüdigkeit in Stadt und Landkreis Kassel nach wie vor weit verbreitet

Schutz für die Kleinsten: Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts empfiehlt Masern-Mumps-Röteln-Impfungen ab dem vollendeten elften Lebensmonat. Foto:  dpa

Kassel. Noch vor 50 Jahren war es Schicksal, wenn Kinder nach einer Maserninfektion eine schwere Behinderung davontrugen oder sogar ihr Leben verloren.

Dass auch heute noch immer solche schlimmen Fälle gibt, ja Masernerkrankungen in Europa sogar wieder zunehmen, wäre vermeidbar. Auch in Stadt und Landkreis Kassel sind Impfmüdigkeit und Impfskepsisaber noch so verbreitet, dass die Impfquote in vielen Bereichen noch zu wünschen übrig lässt. Wenngleich die Zahlen für dieses Jahr besser aussehen als noch 2009.

Als diese Impfquoten im vergangenen Jahr bekannt wurden, hatte dies unter anderem die empörte Reaktion eines Kinderarztes ausgelöst. Vor allem angesichts der niedrigen Impfquote in Wilhelmshöhe rief er dazu auf, Kinder vor dieser gefährlichen Viruskrankheit zu schützen.

Ein Kind erkrankt

In diesem Jahr ist in Kassel bislang zwar nur ein Kind erkrankt (mit glimpflichem Verlauf), doch die Gefahr ist nicht gebannt. Erst kürzlich ist in Nordrhein-Westfalen ein 13 Jahre altes Mädchen an den Spätfolgen einer Masern-Infektion, die zwölf Jahre zurücklag, gestorben. Um solche Schicksale künftig zu vermeiden, sei es das Ziel der Gesundheitsbehörden, die Masern langfristig - wie einst die Pocken auszurotten. „Jeder Geimpfte schützt die Wenigen mit, die nicht geimpft werden können“, mahnt die Leiterin des Gesundheitsamtes Region Kassel, Dr. Karin Müller. Sind mehr als 95 Prozent der Bevölkerung geimpft, könne eine Erkrankung so gut wie nicht mehr ausbrechen.

Karin Müller

Laut den Ergebnissen der diesjährigen Schuleingangsuntersuchungen, bei denen auch der Impfstatus der Schulanwärter geprüft wird, ist diese angestrebte Quote in zwölf Kasseler Stadtteilen noch immer nicht erreicht. „Doch es ist besser geworden, und wir hoffen, dass dies ein anhaltender Trend ist“, sagt die Amtsärztin. So sei im Stadtteil Brasselsberg die Impfquote für die Kombi-Impfung Masern-Mumps-Röteln (MMR) von 71 Prozent auf 95 Prozent gestiegen. Doch in Bad Wilhelmshöhe ist die Impfquote mit 77 Prozent (2009 waren es 69 Prozent) noch immer zu niedrig. Das gilt auch für Kirchditmold mit 75 Prozent (vorher 83 Prozent), den Vorderen Westen mit 82 Prozent (vorher 77 Prozent), für Wehlheiden und die Südstadt mit 83 Prozent (ehemals 83 und 79 Prozent) sowie Harleshausen mit 88 Prozent (87 Prozent).

In Waldau, Rothenditmold, Forstfeld, Fasanenhof und Philippinenhof/Warteberg hingegen sind mehr als 95 Prozent der Schulanfänger geimpft.

Nachholbedarf im Landkreis

Auch im Landkreis gibt es noch Gebiete mit einer MMR-Impfquote unter 95 Prozent, zum Beispiel in Wolfhagen, Immenhausen, Espenau, Fuldatal, Ahnatal, Habichtswald, Schauenburg, Naumburg und Fuldabrück.

„Da bleiben wir natürlich dran“, betont Karin Müller. So setze man unter anderem auf Aufklärung bei den Schuleingangsuntersuchungen. Auch würden die Vorsorgeuntersuchungenn wieder besser wahrgenommen, seitdem diese in Hessen verpflichtend sind.

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