Besorgnis wegen der Schweinegrippe wächst - Impfung ist für Ärzte ein organisatorisches Problem

Impfung auch für Gesunde

Immer gefragter: Das Interesse, sich gegen Schweinegrippe impfen zu lassen, wächst in der Bevölkerung. Foto:  dpa

Kassel. Die Welle der Schweinegrippe-Erkrankungen, so mahnen Experten, hat Deutschland erreicht. Unterdessen hat in der vergangenen Woche auch in Stadt und Landkreis Kassel die Impfaktion begonnen. Zunächst war die Nachfrage gering, doch angesichts der steigenden Erkrankungszahlen wächst die Besorgnis in der Bevölkerung. Und viele sind unsicher, ob sie sich impfen lassen sollen. Einige Fragen, die unsere Leser beschäftigen, greifen wir an dieser Stelle auf:

? Können sich jetzt auch schon gesunde Menschen impfen lassen?

!Ja, das ist möglich, sagt die Leiterin des Gesundheitsamtes Region Kassel, Dr. Karin Müller. Vorrangig empfohlen ist die Impfung gegen Schweinegrippe übrigens für chronisch kranke Menschen, die zum Beispiel unter Erkrankungen der Atmungsorgane, Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenkrankheiten leiden. Dazu gehören auch Diabetiker und Menschen mit Stoffwechselkrankheiten oder Krebserkrankungen, mit neurologischen und neuromuskulären Grundkrankheiten, mit einer Immunschwäche sowie Schwangere.

? Wohin kann man sich wenden, wenn man sich impfen lassen möchte?

! Wer nicht im Gesundheitswesen oder bei der Feuerwehr arbeitet (dann impft das Gesundheitsamt), sollte sich an einen niedergelassenen Arzt wenden. Ansprechpartner für die Impfung gegen die Neue Grippe sind Hausärzte, hausärztlich tätige Internisten, Gynäkologen und Kinderärzte.

? Was kann man tun, wenn der eigene Hausarzt keine Impfung anbietet?

!Tatsächlich gibt es auch bei Ärzten mitunter eine gewisse Impfskepsis, bestätigt der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen, Karl Matthias Roth. In solch einem Fall sollte man den Arzt fragen, an welchen Kollegen man sich wenden kann. Auch das Gesundheitsamt sammelt Rückmeldungen von Ärzten, die bereit sind, zu impfen, und wird diese Ansprechpartner in den nächsten Tagen an Impfwillige weitergeben können. Hotline: 05 61/10 03 19 79, www.gesundheitsamt-kassel.de

? Was kann man tun, wenn der behandelnde Arzt kurzfristig keine Impfung anbietet?

!Die Impfungen laufen jetzt erst an. Und die Organisation der Impfung ist für die Ärzte nicht einfach. Der Grund: Der Impfstoff muss bei bestimmten Apotheken bestellt werden und wird den einzelnen Praxen kontingentiert zugeteilt. Dieser muss kurz vor der Impfung angemischt werden. Fertig gemixt enthält er jeweils zehn Dosen, die innerhalb von 24 Stunden aufgebraucht sein müssen. Viele Ärzte führen deshalb Listen mit impfwilligen Patienten und bieten Sammel-Impftermine an, auf die man mitunter länger warten muss, unter anderem auch deshalb, weil chronisch Kranke Vorrang haben. So sollte man sich erst einmal auf eine solche Liste setzen lassen.

? Kann man jetzt auch gesunde Kinder impfen lassen?

!Im Grunde ja, sagt die Obfrau der nordhessischen Pädiater, Dr. Ulrike Achenbach. Letztlich müssten das die Eltern nach Rücksprache mit dem Kinderarzt selbst entscheiden. Bislang seien die Schweinegrippe-Erkrankungen eher milde verlaufen, doch werde es mehr Komplikationen geben, wenn mehr Menschen erkranken, sagt die Baunataler Kinderärztin. Wer sich für eine Impfung entscheidet, solle sich alsbald impfen lassen, da es nur für 30 Prozent der Bevölkerung Impfstoff gibt und auch die Infektionszeit für Kinder beginnt, sagt Dr. Achenbach. Kinder von sechs Monaten bis neun Jahren werden im Abstand von drei Wochen zweimal geimpft, ältere Kinder und Jugendliche brauchen nur einen Piks. Bei den bisherigen Impfungen seien bei Kindern bislang meist lokale Nebenwirkungen wie ein Druckgefühl im Arm aufgetreten. Ein wirkverstärkerfreier und besser verträglicher Impfstoff stehe in dieser Saison für Kinder leider nicht zur Verfügung.

? Ab wann ist man nach der Impfung gegen die Schweinegrippe geschützt?

!Unser Körper braucht etwa zwei bis drei Wochen, um genügend Antikörper gegen das H1N1-Virus zu produzieren, erläutert Dr. Müller.

? Wie merkt man denn, ob man an der Schweinegrippe erkrankt ist?

!Die Neue Grippe ähnelt der saisonalen Wintergrippe mit Fieber, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit und Appetitlosigkeit. Häufig kündigt sie sich auch durch Übelkeit, Erbrechen und Durchfall an, sagt Dr. Karin Müller.

? Mit welchen Impf-Nebenwirkungen muss man rechnen?

!Bislang, so die Leiterin des Gesundheitsamtes, seien erwartete Nebenwirkungen aufgetreten. Neben Schmerzen oder einem Taubheitsgefühl im Arm könne es zu grippalen Symptomen wie Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen und Fieber kommen. Nach spätestens drei Tagen seien diese Symptome, die Ausdruck der Reaktion des Immunsystems seien, verschwunden.

Von Martina Heise-Thonicke

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