Kassel stagniert im bundesweiten Ranking des ADFC

ADFC-Fahrradklimatest: In der Autostadt radelt es sich am besten

Teilnehmer eines Fahrrad-Seminars in Baunatal im Sommer 2018 auf dem Damm am Hochwasserrückhaltebecken.
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Viele Radwege als Plus: Teilnehmer eines Fahrrad-Seminars in Baunatal im Sommer 2018 auf dem Damm am Hochwasserrückhaltebecken. Beim ADFC-Fahrradklimatest landete die VW-Stadt zum zweiten Mal ganz vorn.

Kassel will zur Radstadt werden und viel Geld in den Radverkehr stecken. Doch beim Fahrradklimatest des ADFC landete die Stadt nur im Mittelfeld. Eine Nachbarstadt trumpfte dagegen auf.

Kassel/Baunatal – Ausgerechnet eine Stadt, die erst nach der Gründung einer Autofabrik entstand, ist für Radfahrer das Paradies. Im Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) ist Baunatal zum zweiten Mal nach 2018 bundesweit spitze. Die VW-Stadt führt nicht nur das Ranking der Städte zwischen 20 000 und 50 000 Einwohnern an, sondern weist auch die beste Gesamtnote (2,39) aller hessischen Kommunen auf. 2018 hatte Baunatal mit der Note von 2,67 gewonnen.

Dagegen verbesserte sich Kassel in dem alle zwei Jahre stattfindenden Test nur unwesentlich. Die Nordhessen-Metropole wird nun mit 4,08 statt 4,18 bewertet und landet in der Kategorie der Städte von 200 000 bis 500 000 Einwohner auf dem 13. Rang im Mittelfeld.

Laut dem ADFC ist der Test die weltweit größte Befragung zum Radfahrklima. Die vom Bundesverkehrsministerium geförderte Umfrage fand im vorigen Herbst zum neunten Mal statt. Damit eine Stadt in die Wertung kommt, müssen mindestens 50 Einwohner Fragen zur Sicherheit, der Infrastruktur und dem Stellenwert des Radverkehrs beantworten.

Diesmal beteiligten sich so viele Menschen wie noch nie. Allein in Hessen verzeichneten die Organisatoren mit 20 000 Teilnehmern gut 54 Prozent mehr als vor zwei Jahren. Statt 71 Kommunen sind nun 108 aufgelistet. Für den stellvertretenden Landesvorsitzenden Xavier Marc zeigt dies, dass „Radfahren überall ein Megathema“ geworden ist: „Auch in kleineren Städten gibt es einen großen Bedarf. Lokalpolitik muss die Bedingungen verbessern.“

In Baunatal ist dies offensichtlich bereits gelungen. Laut Bürgermeisterin Silke Engler verfolgt ihre Stadt schon seit 15 Jahren „eine zielgerichtete fahrradfreundliche Politik“, wie sie der HNA sagte: „Bürger planen hier für Bürger in der Radprojektgruppe, und wir als Stadt setzen das konsequent um. Lücken im Verkehrsnetz werden geschlossen, Radwege saniert, Feldwege befestigt und Bordsteine abgesenkt.“

Für den Kasseler ADFC-Vorsitzenden Robert Wöhler zeigt sich dies auch beim geplanten Radschnellweg von Baunatal nach Kassel: „Auf Baunataler Gebiet ist er so gut wie fertig. In Kassel ist dagegen noch nicht viel passiert.“ Zwar will Kassel in den nächsten Jahren 66 Millionen Euro in den Radverkehr stecken, aber davon sehe man noch nichts, klagt Wöhler: „Es passiert zu wenig.“

Andere Städte sind offensichtlich deutlich schneller. So kletterte Wiesbaden dank vieler neuer Radwege vom letzten auf den siebten Rang. Die Gesamtnote verbesserte sich von 4,42 auf 3,92.

Kassels Verkehrsdezernent Dirk Stochla verweist auf 86 beschlossene Radprojekte, von denen mehr als die Hälfte in den nächsten Jahren umgesetzt werden soll. Und er sagt: „Positive Ergebnisse, auch in solchen Vergleichen, stellen sich aber nicht von heute auf morgen ein.“

Kassels ADFC-Vorsitzender Wöhler hat für den nächsten Test trotzdem einen Wunsch: „Dann sollte bei der Kasseler Note die 3 vorn stehen.“ (Matthias Lohr)

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