Der Kasseler Jonathan Faust engagiert sich – aktuell für die Jugendwahl

Aktivist: Mit Fridays for Future fing alles an

Der Schüler Jonathan Faust (17) in der Kasseler Goetheanlage.
+
Umweltaktivist: Der Schüler Jonathan Faust in der Kasseler Goetheanlage.

Seit er 16 ist engagiert sich der Schüler Jonathan Faust. Es begann mit Fridays for Future. Jetzt hat er die Jugendwahl auf den Weg gebracht.

Kassel - Jonathan Faust hat eine 100-Stunden-Woche zu bewältigen. Er ist – neben seinem Hauptjob als Schüler der Q2 am Wilhelmsgymnasium – beschäftigter als so mancher Manager. Will man sich mit ihm verabreden, kann es passieren, dass er sagt: Lassen Sie uns um 21 Uhr telefonieren, vorher bin ich noch in einer Jugendwahl-Sitzung.

Die Jugendwahl, die am Sonntag (07.03.2021) – sie ist das aktuellste Projekt des 17-Jährigen. Jonathan und seine Mitstreiter fordern das Wahlrecht mit 16 und kritisieren, dass Hessen zu den wenigen Bundesländern gehört, wo das Wahlalter bei 18 Jahren liegt. Unter anderem, um zu demonstrieren, dass Jugendliche eine politische Meinung haben, wurde jetzt die symbolische Wahl organisiert.

Höflich, klug, ernst, wach. So begegnet einem Jonathan. Was er sagt, ist druckreif. Er plappert nicht, er macht sich Gedanken. Und trotzdem ist er ein ganz normaler 17-Jähriger, dem Sätze wie „Schule nervt“ rausrutschen und der zum Pressetermin auf Inlinern angerauscht kommt.

Angefangen habe sein politisches Engagement mit der Umweltbewegung Fridays for Future (FFF), erzählt er. Er sei über Interesse da „reingerutscht“ und zu einem der Verantwortlichen geworden. In Kassel gehört er von Beginn an zum Orga-Team der Schülerdemos, an der sich Tausende beteiligten.

Als die Stadt Kassel einen Vertreter von FFF zur Mitarbeit im neu eingerichteten Klimaschutzrat einlud, fiel die Wahl der Ortsgruppe auf ihn. Da war er gerade 16. Inzwischen kann er auf ein Jahr Mitarbeit im städtischen Beratergremium zurückblicken. Bevor er sich kritisch äußert, begeistert er sich erst einmal: „Da passiert unheimlich viel, da wird richtig gute Arbeit geleistet, 100 Experten stellen ehrenamtlich ihre Kompetenz zur Verfügung.“ Er ist überzeugt: „Wenn wir in Kassel klimaneutral werden, dann mit diesem Klimaschutzrat.“ Aber: „Die Stadt muss in die Pötte kommen, sonst wird das nichts.“ Er moniert, dass erst wenige der vielen erarbeiteten Maßnahmen ins Auge gefasst wurden.

Frustriert das? Jonathan schüttelt entschieden den Kopf: „Frust darf man nicht zulassen, daraus kann man keine Motivation schöpfen“, sagt er. Kraft tanke er tatsächlich im gemeinsamen Engagement mit den anderen. Es tue nicht gut, sich alleine verantwortlich zu fühlen. „Ich habe dabei schon viele tolle Leute kennengelernt. Und ja: Aktivismus macht Spaß, wenn man am Ende ein Ergebnis sieht – auch wenn die Beweggründe so traurig sind wie der Klimawandel.“ Das, worum es eigentlich geht, verliert ein Jonathan Faust nie aus dem Auge: „Es ist ja nicht die Frage, ob wir auf eine Klimakatastrophe zusteuern, sondern wann und wie“, hat er uns einmal in einem Interview gesagt.

Jonathan, der zwei jüngere Geschwister hat und dessen Eltern an den Unis in Kassel und Göttingen arbeiten, beschreibt den Prozess, der ihn „was machen lässt“ so: „Ich hab eine Idee und schwuppdiwupp engagiere ich mich.“ Kann er sich Politik als Beruf vorstellen? Darauf antwortet er: „Früher wollte ich Tischler werden.“ Er ist ein junger Mensch, der auch Träume hat: von einer Welt, die „rücksichtsvoll ist, in der man einander vertraut und sich gemeinsam den Problemen stellt, anstatt sie auszublenden“. (Christina Hein)

Information

Für Sonntag, 7. März, eine Woche vor den Kommunalwahlen, ruft eine Schüler-Initiative zu symbolischen Jugendwahlen in Kassel auf. An folgenden Orten können Unter-18-Jährige von 11 bis 18 Uhr wählen: Bebelplatz, Rhönplatz, Auestadion Königsplatz, Dorfplatz Bettenhausen, Halitplatz, Wahlershäuser Straße (Weihnachtsmarkt Kirchditmold).

Infos: jugendwahl-kassel.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.