Keine Ausschreitungen bei Pro-Palästina-Demo

Es blieb friedlich: Palästinenser und Israel-Freunde standen sich in Kassel gegenüber

Großes Aufgebot: Die Bereitschaftspolizei sicherte mit zahlreichen Kräften die beiden Demonstrationen auf dem Königsplatz.
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Großes Aufgebot: Die Bereitschaftspolizei sicherte mit zahlreichen Kräften die beiden Demonstrationen auf dem Königsplatz.

Während es in anderen Städten am Wochenende Ausschreitungen bei Pro-Palästina-Demonstrationen gab, blieb es in Kassel weitgehend friedlich – die aufgeheizte Stimmung war allerdings in der Innenstadt spürbar.

Die Bewegung „Palästina spricht“ hatte unter dem Motto „Wir werden nach Hause kommen“ eine Kundgebung angemeldet. Zum anderen fand unter dem Titel „Gegen Antisemitismus – Solidarität mit Israel“ eine Veranstaltung des Jungen Forums der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) statt. Jährlich am 15. Mai erinnern die Palästinenser an die „Nakba“ (Katastrophe). Sie gedenken der Vertreibung und Flucht von über 700.000 Palästinensern im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948.

Die Demonstranten machten zudem auf die seit Tagen anhaltenden gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen Palästinensern und dem Staat Israel aufmerksam. Rufe wie „Israel Kindermörder“ und „Free Palestine (Freiheit für Palästina)“ schallten über den Königsplatz in Richtung der Israel-Freunde. In Redebeiträgen wurde ein „freies Palästina“ auf dem heutigen Staatsgebiet Israels gefordert – dazu hielten viele palästinensische Flaggen hoch.

„Es sind deutlich mehr Teilnehmer gekommen, als wir erwartet hatten“, sagt Ahmed Tubail, Unterstützer der Pro-Palästina-Veranstaltung. Man sei von einer kleinen Kundgebung ausgegangen. Die aktuellen Ereignisse im Nahen Osten hätten jetzt dazu geführt, dass so viele Menschen gekommen sind.

Die Polizei sprach von mehr als 500 Teilnehmern – 400 auf der Seite der palästinensischen Kundgebung, 150 bei der Veranstaltung der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft. „Wir haben uns bewusst sehr defensiv verhalten und nicht provoziert“, sagt Markus Hartmann von der DIG. Er beschreibt die Stimmung am Samstag auf dem Königsplatz als gereizt. Die Kritik, dass beide Veranstaltungen auf dem Königsplatz stattgefunden haben, teilt er nicht. Aus seiner Sicht macht es Sinn, dass sich beide Positionen gegenüberstehen. „Wenn es doch Ausschreitungen gegeben hätte, dann wären die nicht von uns ausgegangen.“ Dass nichts passiert ist, führt Hartmann auch auf die hohe Polizeipräsenz zurück.

Forderten Solidarität mit Israel: Die Teilnehmer der Demonstration gegen Antisemitismus. Die Polizei sprach von 150 Personen.

Andere Teilnehmer sahen das kritischer: Der Aufruf zur Solidaritätsdemo der DIG erwecke den Anschein, dass sie in Zusammenhang mit dem erneut aufflammenden Konflikt im Nahen Osten geplant worden sei, äußerte sich Pfarrer Harald Fischer. Die Menschen mit palästinensischen Wurzeln, die in Kassel leben, hätten ihre Mahnwache, um das Anliegen der notleidenden Zivilbevölkerung in Palästina schon länger geplant.

Auch viele vorbeieilende Passanten schüttelten die Köpfe. Dass angesichts der aktuellen Geschehnisse im Nahen Osten und den weltweiten Solidaritätsbekundungen für beide Seiten sowohl die pro-palästinensische Bewegung als auch die Israel-Freunde ihre Demonstrationen an ein und demselben Ort ausrichten, kann kaum jemand nachvollziehen.

Ahmed Tubail ist zwar erleichtert, dass nichts passiert ist. Beide Veranstaltungen in unmittelbarer Nähe und mit Sichtkontakt stattfinden zu lassen, bezeichnet er aber als „Fehler der Stadt“. Man habe noch versucht, die Kundgebung auf einen anderen Platz zu verlegen oder zu einer anderen Zeit stattfinden zu lassen. Das sei so kurzfristig aber nicht mehr möglich gewesen. Man habe sich von den antisemitischen Ausschreitungen distanzieren wollen und sei so in eine Rechtfertigungslage gekommen. Auch aus seiner Sicht ist „jeder antisemitische Vorfall einer zu viel.“ (Kathrin Meyer)

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