Verband der Automobilindustrie sieht Kassel als Schlusslicht

In Kassel fehlen Ladesäulen für Elektroautos

Ladesäule an der Wilhelmshöher Allee: In Höhe des Autohauses Glinicke gibt es eine öffentliche Ladesäule, die von der Stadtwerke Union Nordhessen und den Städtischen Werken betrieben wird.
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Ladesäule an der Wilhelmshöher Allee: In Höhe des Autohauses Glinicke gibt es eine öffentliche Ladesäule, die von der Stadtwerke Union Nordhessen und den Städtischen Werken betrieben wird.

Ist Kassel in Sachen Ladeinfrastruktur für Elektroautos ein Niemandsland? Dies legt zumindest ein Ranking des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) nahe.

Kassel - In dem Ranking landet Kassel in einem Vergleich von 400 Städten und Kreisen auf den letzten Plätzen. Deshalb sieht die CDU-Fraktion die Stadt Kassel auch die „Chancen der Elektromobilität verschlafen“. Im Kasseler Rathaus werden die Daten des VDA hingegen bestritten. Nicht ohne Grund.

Eigentlich gilt Kassel in Sachen erneuerbare Energien und Elektromobilität als ein Kompetenzzentrum. Dabei spielen das Fraunhofer Institutes für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE), SMA und die Ingenieurwissenschaften der Uni eine wichtige Rolle. Da würde es aufhorchen lassen, wenn gerade hier nur wenige Ladesäulen für die Mobilitätswende bereitstehen würden.

Nach Daten des VDA sind es gerade mal 14 Ladepunkte im Stadtgebiet. Zum Vergleich: Im Kreis Kassel sind es 164. Und auch in ähnlich großen Städten wie Kassel sind es laut VDA viel mehr: Kiel (114), Braunschweig (112), Rostock (68) und Erfurt (72).

Für seine Untersuchung hat der VDA die Daten der Bundesnetzagentur ausgewertet – insofern handelt es sich um eine verlässliche Quelle. Allerdings müssen öffentlich zugängliche Ladepunkte erst seit 2016 bei der Netzagentur angemeldet werden. Anlagen, die vorher installiert wurden, sind statistisch nicht erfasst. Darauf verweist auch die Stadt. Zudem müssten Betreiber einer Veröffentlichung zustimmen – dies hätten in Kassel möglicherweise nicht alle getan.

Die Stadt Kassel selbst kommt bei ihrer Auswertung auf 66 öffentlich nutzbare Ladestationen. Davon befänden sich 22 auf Straßen und Plätzen. 44 weitere seien auf Privatgrundstücken (Hotels, Supermärkte, Parkhäuser, Autohäuser) installiert, aber dennoch öffentlich zugänglich – wenn auch zum Teil nur für Kunden. Auf dem Online-Portal Goingelectric.de sind für Kassel sogar gut 100 Ladestationen verzeichnet.

Der VDA geht beim Vergleich noch einen Schritt weiter. Er stellt die Stationen ins Verhältnis zur Gesamtzahl der angemeldeten Autos. In Kassel sind aktuell 90 000 Autos angemeldet, davon 950 Elektroautos. Auf eine öffentliche Ladesäule kommen laut VDA also 68 E-Autos. Legt man die Zahlen der Stadt an, würde Kassel mit 14 Autos pro Station im unteren Mittelfeld des Rankings landen.

Der VDA räumt ein, dass die Bundesnetzagentur nicht alle Stationen erfasst, aber dies gelte für alle verglichenen Städte und Kreise gleichermaßen. Andere valide Daten gebe es nicht.

Die Stadt Kassel hält das Ranking zwar nicht für aussagekräftig, sieht aber sehr wohl „dringenden Bedarf“ an weiterer Ladeinfrastruktur. Man arbeitete bereits an einem Konzept zum Ausbau. Dieses werde in Kürze fertiggestellt.

„Die Stadt Kassel ist im Gespräch mit interessierten Betreibern, und es liegen konkrete Standortvorschläge vor, sodass wir zuversichtlich sind, dass die Anzahl der Ladepunkte im Stadtgebiet in den kommenden Monaten spürbar erhöht werden kann – gerade auch in Wohngebieten, deren Bewohner auf öffentliche Ladesäulen angewiesen sind“, so ein Sprecher. (Bastian Ludwig)

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