An der Kasseler Georg-August-Zinn-Schule wird das Schulfach Glück gelehrt

Glück kann man in einer Kasseler Schule lernen

Sabrina Dötenbier, Lehrerin in Kassel
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Sabrina Dötenbier

An der Kasseler Georg-August-Zinn-Schule, einer IGS und Europaschule, wird das Schulfach Glück gelehrt. Flapsige Antworten kommen von den 14-, 15-jährigen Schülern der Georg-August-Zinn-Schule (GAZ) auf die Frage, warum sie als Wahlpflichtkurs das Schulfach Glück gewählt haben: „Weil’s sich cool angehört hat“, sagt einer, „Um nicht Kunst machen zu müssen“, ein anderer. Schließlich sagt Mateusz: „Ich erwarte, dass ich Dinge lerne, die mir im Leben helfen können.“ Keiner grinst, viele nicken.

Das zu hören, dürfte Lehrerin Sabrina Dötenbier freuen. Ihr pädagogischer Anspruch lautet ähnlich: auf wissenschaftlicher Basis die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler zu fördern und ihnen zu helfen, „ihr bestes inneres Selbst zu werden“. Dass das Schulfach Glück unter diesem persönlichen Aspekt nicht benotet werden kann, verstehe sich da von selbst.

Es ist für die Neuntklässler die dritte Doppelstunde im Fach Glück. Zur ersten Stunde hatte Sabrina Dötenbier die Schüler gefragt: Was macht Euch glücklich? Es kamen Antworten wie „Zeit mit meiner Familie verbringen“, „Schokolade essen“ – alles, was Spaß macht. Aber kann Glück auch ein langfristiger Zustand sein? „Es geht beim Schulfach Glück um die Bereiche, die wir beeinflussen können“, sagt Sabrina Dötenbier: Sie möchte, dass die Schüler dafür die notwendigen Werkzeuge kennenlernen. „Glück ist harte Arbeit.“ Die 14 GAZ-Schüler gehen dem Phänomen auf den Grund. Entspannt sitzen sie im Kreis und lassen sich zu diversen Übungen anleiten. „Warmer Rücken“ heißt eine, die als „Energizer“ gedacht ist, und bei der man sich einander rückwärts nähert, bis man die Wärme des anderen im Rücken spürt. Das hat den Teenagern nicht gefallen, erklären sie einhellig, nachdem Sabrina Dötenbier sie dazu befragt. „Okay, dann machen wir diese Übung nicht mehr“, sagt sie. „Wir machen hier keine Therapie“, sagt die Lehrerin,“ die Schüler sollen selbst entscheiden.“

Karina, Lucas und Milena haben das Schulfach Glück belegt.

Erneut ein bisschen skeptisch, aber dann hellauf begeistert sind die Schüler beim Thema der Stunde „Stärken und Schwächen“. „Manche vermeintlichen Schwächen können echte Stärken sein“, gibt die Lehrerin einen Tipp, nachdem viele meinten, ihnen fielen keine 20 eigenen Stärken ein. Die sollten sie aufschreiben, lautete die Aufgabe. Am Ende auf drei Stärken reduziert, wurden sie in Dreiergruppen gegenseitig vorgetragen. Eine intensive Stimmung herrscht im Klassenraum, als die Schüler leise miteinander sprechen.

Wie war’s? „Toll“, befinden die Schüler. Und aufgeregt ruft einer in den Klassenraum: „Ich wusste gar nicht, was Rasheed für coole Stärken hat.“ Der strahlt. Vielleicht sind sie ja selbst Rasheed erst jetzt so richtig bewusst geworden. Sabrina Dötenbier hat Englisch und Deutsch studiert und zusätzlich eine einjährige Ausbildung zur Glücksdozentin am Ernst-Fritz-Schubert-Institut in Heidelberg absolviert. An der GAZ unterrichtet sie in diesem Schuljahr erstmals zwei Schülergruppen im Fach Glück.

Die Schüler seien ihr „sehr neugierig“ in Bezug auf das Thema Glück entgegengetreten, sagt sie. Bei pubertierenden Kindern gestalte sich vieles im Leben noch chaotisch, sie seien aber in der Lage zu reflektieren und suchten nach Werkzeugen, um ihre Persönlichkeit zu entfalten, ihren Platz in der Welt zu finden. Dass dieser für ihre Schüler ein möglichst glücklicher sein wird, ist Dötenbiers großes Anliegen.

Von Christina Hein

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