So könnten wir in Zukunft fahren

In Kassel kann nun seltenes Wasserstoffauto mit Carsharing getestet werden

Kann ab sofort von allen Kasselern ausprobiert werden: Für eine Fahrt mit dem Toyota Mirai muss man aber Scouter-Kunde sein oder sich beim Anbieter book-n-drive anmelden.
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Kann ab sofort von allen Kasselern ausprobiert werden: Für eine Fahrt mit dem Toyota Mirai muss man aber Scouter-Kunde sein oder sich beim Anbieter book-n-drive anmelden.

Der mit Wasserstoff betriebene Toyota Mirai wird vom Fraunhofer Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) bereitgestellt und kann in Kassel über Carsharing ausgeliehen werden.

Kassel – Noch bis Mitte April haben Kasseler die Chance, ein mit einer Brennstoffzelle betriebenes Wasserstoffauto zu testen. Bislang fahren von diesen in Deutschland weniger als 1000 herum. Nun bietet die Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Initiative Hessen einen Toyota Mirai für einige Zeit über Carsharing in Kassel an.

Das Auto

Der Toyota Mirai (japanisch für Zukunft) gehört der Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Initiative Hessen. Zuletzt hatte der Verein das Fahrzeug im Rhein-Main-Gebiet zum Carsharing angeboten. Nachdem es nun am SVG Autohof Lohfeldener Rüssel die erste Tankmöglichkeit für Wasserstofffahrzeuge in der Region gibt, hat das Fraunhofer Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) nun das Auto nach Kassel geholt.

Die Technik

Blick unter die Motorhaube: Jochen Bard vom Fraunhofer-Institut zeigt die Brennstoffzelle.

Wasserstoffautos sind mit einem Anteil von 0,001 Prozent am deutschen Autobestand noch absolute Exoten. Neben dem Toyota Mirai gibt es in Deutschland derzeit nur den Hyundai Nexo als Wasserstofffahrzeug am Markt. Der Toyota wiegt etwa 1,8 Tonnen. Er hat ein Tankvolumen von fünf Kilo Wasserstoff. Dieses reicht für maximal 500 Kilometer. Mit 155 PS geht es flott voran. Die Fahrgeräusche sind so leise wie bei einem Elektroauto. Auch die Bedienung ist ähnlich.

„Wie bei allen Wasserstofffahrzeugen handelt es sich beim Mirai um einen Hybrid. Das heißt, er hat auch eine kleinen Batterieantrieb. Dadurch wird das Auto effizienter“, sagt Jochen Bard vom IEE. Die Batterie unterstütze die Brennstoffzelle beim Beschleunigen. Beim Bremsen werde die Batterie automatisch geladen. Eine solche Energierückgewinnung kennen auch die Nutzer von E- und Hybrid-Fahrzeugen.

Das Tanken

Beim Tanken gibt es einen Unterschied zu Benzinern oder Dieselautos, weil dabei der Tankstutzen aus Sicherheitsgründen automatisch verriegelt wird. Ein Vorteil gegenüber E-Autos ist es, dass der Tankvorgang nur drei bis fünf Minuten dauert.

Weil es deutschlandweit bislang nur 91 Wasserstofftankstellen gibt, müssen Nutzer ihre Fahrten gut planen. Mit Ausnahme des SVG Autohofs am Lohfeldener Rüssel liegen die nächstgelegenen Tankmöglichkeiten in Hannover und im Rhein-Main-Gebiet. Der Ausbau des Tankstellennetzes des Anbieters H2 Mobility läuft aber.

Die Umweltbilanz

Wie umweltschonend ein Wasserstoffauto ist, hängt auch davon ab, mit welchem Wasserstoff es betankt wird. Es gibt grünen Wasserstoff, der durch erneuerbare Energien gewonnen wird und dessen CO2-Bilanz sehr gut ist. Aber selbst wenn man auch den herkömmlich hergestellten Wasserstoff hinzunimmt, ist er in der Mischung immer noch ökologischer als Benzin oder Diesel.

Während beim Benziner der CO2-Ausstoß im Fahrbetrieb im Schnitt bei 160 Gramm pro Kilometer liege, seien es beim Wasserstoff nur 70 bis 75 Gramm, so Bard vom IEE.

Die Kosten

Der Toyota Mirai ist nichts für den kleinen Geldbeutel. Er hat bei der Anschaffung 70 000 Euro gekostet – das Nachfolgemodell ist etwas günstiger. „Er lohnt sich für Menschen, die weite Strecken zurücklegen und nicht so sehr für den Stadtverkehr“, sagt Bard vom IEE. Das Tanken ist mit knapp zehn Euro pro Kilo Wasserstoff ungefähr so teuer wie beim Benzin.

So läuft die Ausleihe

Das Fahrzeug wird über das Carsharing-Netzwerk book-n-drive.de angeboten. Aber auch Kunden des Carsharing-Anbieters Scouter sollen in den nächsten Tagen – ohne neue Registrierung – über das Netzwerk Flinkster.de auf den Wagen zugreifen können. Die Ausleihe kostet je nach Leihdauer fünf bis sechs Euro pro Stunde.

(Bastian Ludwig)

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