Internationaler Tag "Null Toleranz gegen Genitalverstümmelung"

In Kassel leben hunderte Frauen mit verstümmelten Genitalien

Kassel. Genitalverstümmelung von Frauen wird durch die Zuwanderung aus Ländern, in denen diese Praxis verbreitet ist, auch in der Region verstärkt zum Thema.

Allein in der Stadt Kassel leben nach Einschätzung von Experten mehrere hundert betroffene Frauen. Sie stammen vor allem aus Ländern wie Somalia und Eritrea, wo fast alle Frauen beschnitten werden.

Zum heutigen Internationalen Tag „Null Toleranz gegen Genitalverstümmelung“ macht unter anderem das Mädchenhaus Kassel auf diese Form der Gewalt gegen Frauen aufmerksam und fordert mehr Schutz und Unterstützung für Mädchen. Nach Schätzungen der Frauenrechtsorganisation „Terre des femmes“ leben in Deutschland mindestens 48.000 betroffene Frauen. Über 9000 Mädchen aus Einwandererfamilien seien von dem Eingriff bedroht. Die Zahl der Betroffenen ist damit laut „Terres des femmes“ seit 2014 um 37 Prozent gestiegen, die der Gefährdeten sogar um 57 Prozent (Stand: Mitte 2016).

Weibliche Genitalverstümmelung wird weltweit als Menschenrechtsverletzung und Kindesmisshandlung eingestuft und steht in Deutschland unter Strafe. Bei der Genitalbeschneidung wird – meist ohne Betäubung – das äußere weibliche Geschlechtsorgan teilweise oder vollständig entfernt. Mögliche Folgen sind lebenslange Schmerzen, Probleme beim Wasserlassen und beim Geschlechtsverkehr.

Die Stadt Kassel setzt bei der Problematik auf Aufklärung. In den vergangenen eineinhalb Jahren wurden über 500 Erzieherinnen, Hebammen und Sozialarbeiter für das Thema sensibilisiert. Sie sollen bei Anzeichen für eine Gefährdung die Eltern ansprechen, sie auf die Strafbarkeit hinweisen und ermutigen, ihr Kind unversehrt zu lassen. Der erhobene Zeigefinger sei dabei fehl am Platz, sagt Dr. Ute Giebhardt vom Frauenbüro. "Die Menschen tun es nicht, weil sie ihren Kindern Böses wollen, sondern weil sie es nicht anders kennen."

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Rubriklistenbild: © dpa

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