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In Kassels verlorenem Quartier: In der Schloßschänke feierten die Offiziere

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Von: Thomas Siemon

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Am Schlossplatz 2: Hier befand sich die Gaststätte der Familie.

Kassel. Ein Blick in das alte Kassel, bevor es im Krieg zerstört wurde: Zwischen Ottoneum und Regierungspräsidium hat es bis 1943 ein eigenes Quartier gegeben. Ein Zeitzeuge beschreibt es uns.

Er ist 93 Jahre alt und hat seine Kindheit in einem Haus verbracht, das damals zwischen dem Ottoneum und dem heutigen Regierungspräsidium stand. „Ich war der Junge vom Schlossplatz“, sagt Ernst-Ludwig Schnare. Nach der Berichterstattung über die neue Adresse des Kasseler Regierungspräsidums, das jetzt „Am alten Stadtschloss“ liegt, hat er sich gemeldet.

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Blick auf die zerstörte Stadt: Hinten rechts ist die Ruine des Gerichts- Regierungsgebäudes zu sehen. Davor befand sich der Schlossplatz. Davor erkennt man den stark beschädigten Druselturm. Foto:  Thieme/Stadtmuseum

Seit Jahren setzt er sich dafür ein, dass die frühere Bezeichnung nicht in Vergessenheit gerät. Es gibt nicht mehr viele Zeitzeugen, die sich daran noch erinnern. Ernst-Ludwig Schnare hatte zudem das große Glück, Fotos der Familie vor dem Feuersturm retten zu können. Auf einer Postkarte, die ihm sein Opa kurz vor der Bombennacht an seine Kaserne in Erfurt schickte, ist das Haus der Familie gut zu erkennen. Die betrieb die Gaststätte „Schloßschänke“ und wohnte auch in dem stattlichen Haus. 

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Nach fast neun Jahrzehnten etwas verblasst: Familienfoto mit den Eltern und der Zwillingsschwester (links). Fotos:  privat/nh

„Bei uns war immer etwas los“, erinnert sich Schnare. In der Gaststätte feierten Offiziere der nahe gelegenen Kriegsschule ihre Beförderung, Richter und Anwälte aus der Nachbarschaft kehrten ebenso ein wie Schauspieler aus dem Theater. „Der Schlossplatz war eine richtig gute Adresse“, erinnert sich der 93-Jährige. Zusammen mit seiner Zwillingsschwester wuchs er hier mitten in der Stadt auf.

Von Bomben zerstört

Sein Elternhaus am Schlossplatz 2 wurde in der Bombennacht komplett zerstört. Ihm blieben die Erinnerung und die Fotos, die er bis heute hütet. Im Anschluss an die Bombennacht rettete ihm eine Krankheit wahrscheinlich das Leben. Eigentlich sollte er als Panzerfahrer nach Russland an die Ostfront. Doch dann wurde bei ihm Diphterie festgestellt.

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Vor der Zerstörung: So sah das Regierungs- und Gerichtsgebäude bis 1943 aus. Foto:  Stadtmuseum/nh

Die ganz Familie überstand den Krieg und fing 1946 wieder neu an. „Damals hatten wir eine Gaststätte an der Ful- dabrücke“, erinnert sich Ernst-Ludwig Schnare.

Jetzt freut sich der rüstige Rentner, der

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Erinnert sich an den Schlossplatz: Ernst-Ludwig Schnare. Foto:  Siemon

Geschäftsführer des Vereins Volkswohl war, dass das Regierungspräsidium die neue Adresse bekommen hat. Bis in die 1950er-Jahre habe es den Schlossplatz neben dem Steinweg noch gegeben. Mit der Bezeichnung „Am alten Stadtschloss“ könne er gut leben. „Wichtig ist mir, dass an ein Kapitel der Stadtgeschichte vor der Zerstörung hingewiesen wird“, sagt der 93-Jährige. Von seinem Balkon im Wohnstift am Weinberg kann er über die halbe Stadt blicken. Die habe sich richtig gut entwickelt, sagt er. „Ich hoffe, dass ich das noch lange mitverfolgen kann.“

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