Forscher analysieren CO2-Verbrauch der Lebensmittel- und Getränkehersteller

Brauerei als Energieschlucker: Die Lebensmittel- und Getränkeindustrie verbraucht enorm viel Energie. Unser Bild entstand in der Brauerei Dinkelacker-Schwaben Bräu in Stuttgart, wo ein Mitarbeiter eine Probe aus einem Braukessel nimmt. Foto: Picture Alliance

Kassel. Die deutsche Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie frisst gigantische Energiemengen. Allein Brauereien verbrauchen jährlich mit vier Terawattstunden so viel Energie wie ganz Kassel. Wissenschaftler der Uni Kassel wollen das jetzt ändern.

Sie bieten im Rahmen des europaweiten Forschungsprojekts „Greenfoods“ kleinen und mittleren Unternehmen kostenlose Energieanalysen an - und entwickeln mithilfe der daraus gewonnenen Daten eine Software für mehr Energieeffizienz.

Bastian Schmitt

„Wir gehen davon aus, dass die Lebensmittel- und Getränkeindustrie durch unser Projekt 600 Millionen Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr vermeiden kann“, sagt Bastian Schmitt vom Fachgebiet Solar- und Anlagentechnik. Der 32-Jährige ist in Deutschland mit Dr. Barbara Sturm (Fachgebiet Agrartechnik) zuständig für die Fallstudien eines auf zwei Jahre angelegten Forschungsprojekts. Daran sind neben der Uni Kassel auch die Stuttgarter Hochschule für Technik sowie Organisationen aus Großbritannien, Österreich, Polen und Spanien beteiligt.

Im Fokus des Projekts stehen Molkereien, Bäckereien, Fleischereien, Unternehmen der Fischverarbeitung, Produzenten von Babynahrung, Getreideprodukten und Futtermitteln sowie Brauereien und Fruchtsafthersteller. „Unser Augenmerk liegt speziell auf kleinen und mittleren Unternehmen der Branche, die keine Ressourcen für professionelles Energiemanagement haben“, sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter.

Bei der Analyse, die für teilnehmende Betriebe kostenlos ist, nehmen er und sein Team die Energieflüsse von insgesamt 200 Unternehmen unter die Lupe. „Insbesondere interessieren wir uns für die Wärme- und Kälteerzeugung, da dort enorm viel Energie verbraucht wird“, sagt Schmitt, der von einem durchschnittlichen Einsparpotenzial in Höhe von zehn bis zwanzig Prozent ausgeht.

Hohe Einsparungen möglich

Auch prüft er die Möglichkeiten, Wärmepumpen, Solarthermie oder Biomasse in die Produktionsprozesse einzubinden. „Wir haben beispielsweise in einem Vorgängerprojekt thermische Solarenergie in den Brauprozess bei Hütt integriert“, sagt Schmitt. Die Baunataler Brauerei spare so pro Jahr den Wärmebedarf von umgerechnet 30 Einfamilienhäusern ein.

Mithilfe der gewonnenen Analysedaten entwerfen die Forscher dann bis 2015 ein Software-Werkzeug, mit dem Unternehmen künftig Energieverbrauch und Produktionsprozesse optimieren, ihren Energiebedarf berechnen und Kohlendioxid-Emissionen überwachen können. „Langfristiges Ziel ist es, dass die europäische Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie gar kein fossiles CO2 mehr verbraucht“, sagt Bastian Schmitt.

Unternehmen, die Interesse an einer kostenlosen Energieanalyse haben, können sich mit Bastian Schmitt direkt per E-Mail in Verbindung setzen: bschmitt@uni-kassel.de

Von Sebastian Schaffner

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