Nordhessisches Netzwerk denkt über Modellprojekt zur MRSA-Wundversorgung nach

Die Infektionen werden zunehmen

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Markus Schimmelpfennig

Kassel. Da ist schon etwas gewachsen“, resümiert Hygieneexperte Dr. Markus Schimmelpfennig vom Kasseler Gesundheitsamt die Arbeit des 2009 gegründeten MRSA-Netzwerks.

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Die Zusammenarbeit habe sich verbessert und das Interesse an den Fortbildungsveranstaltungen sei groß. Inzwischen ist dieses Netzwerk von anfangs 36 auf nunmehr 56 Mitglieder angestiegen. Man bespricht in Fallkonferenzen einzelne Problemfälle und erarbeitet neue Projekte.

So soll beim nächsten Netzwerktreffen am 27. Oktober überlegt werden, wie gemeinsam ein Modellprojekt zur MRSA-Wundversorgung etabliert werden kann. Auch beim Überleitungsmanagement von Patienten, die aus dem Krankenhaus entlassen oder einer Einrichtung verlegt werden, gelte es noch etwas zu verbessern.

Und die sinnvolle Vernetzung und Zusammenarbeit gehen weiter: Dem neuen Netzwerk gegen multiresistente Keime werden neben dem Kasseler Zusammenschluss und dem Netzwerk in Waldeck-Frankenberg demnächst auch Organisationen des Werra-Meißner-Kreises, aus der Region Fulda und dem Kreis Hersfeld-Rotenburg beitreten. Dann werde man sich auch bemühen, von den jährlichen Fördermitteln des Landes in Höhe von 100.000 Euro Geld zum Beispiel für das erwähnte Modellprojekt zu bekommen.

Dieser Aufwand sei unbedingt nötig, betont der Hygieneexperte: „Wir müssen leider damit rechnen, dass die Zahl der MRE-Infektionen in den nächsten Jahren zunehmen wird.“ An diesen Zuständen sei der Mensch in weiten Teilen selbst schuld, betont der Mediziner. Allein für die Humanmedizin würden in Deutschland jährlich 360 Tonnen Antibiotika verbraucht, in der Tiermedizin sogar 780 Tonnen. Während diese Medikamente einerseits Krankheitserreger bekämpfen, so führen sie andererseits dazu, dass immer mehr Keime resistent gegen diese Waffen werden. Schimmelpfennig: „Die Humanmedizin allein kann das Problem nicht lösen.“

Was man aber tun kann und mit den Netzwerken vor allem erreichen will:

• ein einheitliches Vorgehen, um Risikopatienten zu untersuchen

• die Etablierung einheitlicher Behandlungspläne, um Patienten wirkungsvoll von Keimen zu befreien

• eine bessere und ehrliche Kommunikation der Beteiligten im Gesundheitswesen untereinander zum Beispiel bei der Verlegung von Patienten, um die Ausbreitung von multiresistenten Keimen künftig zu vermeiden. (hei)

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