Neugestaltung ab Ende 2022

Infos vom Planer: So soll der Brüder-Grimm-Platz werden

Rundgang zur geplanten Neugestaltung des Brüder-Grimm-Platzes in Kassel: vorn von links mit Mikrofonen Planer Frank Flor und Vorstandschef Reiner Nagel von der Bundesstiftung Baukultur.
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Rundgang zur geplanten Platzgestaltung: Etwa 50 Interessierte ließen sich von Planer Frank Flor und Vorstandschef Reiner Nagel von der Bundesstiftung Baukultur (vorn von links mit Mikrofonen) vor Ort informieren.

Über die geplante Neugestaltung des Brüder-Grimm-Platzes informierten die Bundesstiftung Baukultur und das beauftragte Planungsbüro bei einem Ortstermin, zu dem 50 Interessierte kamen.

Kassel – Die Wortwahl prägt das Bild im Kopf, das wissen auch die Planer und städtischen Verantwortlichen, die die Umgestaltung des Brüder-Grimm-Platzes vorantreiben. Dass die dort vorgesehene Bepflanzung mit hohen Kiefernbäumen im Zentrum unter dem Etikett „Märchenwald“ viel Skepsis und Kritik in der Stadt ausgelöst hat, finden sie unglücklich. Lieber wollen sie von einem Baumhain sprechen und betonen den besonderen städtebaulichen Akzent, den Kassel damit setzen will.

Das hat die Bundesstiftung Baukultur bewogen, am Montag (23.8.2021) im Rahmen ihrer Sommertour mit dem „Baukultur-Bus“ auf dem Grimm-Platz Station zu machen und ein Informationsangebot zum ab Ende 2022 geplanten Umbau zu machen. Etwa 50 Interessierte waren gekommen, ließen sich von Stiftungs-Vorstandschef Reiner Nagel sowie Frank Flor, dessen Kölner Büro Club L94 den Gestaltungswettbewerb gewonnen hat, über den Platz führen und Details des Projekts erläutern.

Dass es dabei durchaus noch Gestaltungsspielräume gibt, hatten Nagel, Flor und Stadtbaurat Christof Nolda vorab bereits in einem Pressegespräch erläutert. Wegen Befürchtungen, dass die großen Kiefern die Blickachse zum Turm des Landesmuseums verstellen könnten, seien Positionierung und Abstand der Bäume inzwischen angepasst worden, um den freien Blick sicherzustellen, sagte Flor. Mit 70 Stämmen würden auch weniger Bäume gepflanzt als zunächst vorgesehen.

In der derzeitigen Planungsphase müssten auch vielerlei Hinweise und Anforderungen von Fachbehörden eingearbeitet werden. Das werde noch Änderungen etwa bei Mauern, Freitreppen und Gebäude-Vorflächen nach sich ziehen – Aspekte, um die es weitgehend auch beim Publikumsrundgang ging.

Planer Flor machte aber deutlich, dass der von einer hochkarätigen Wettbewerbsjury gekürte Gesamtcharakter der Planung nicht zur Disposition stehe, dass also die Kiefern-Bepflanzung im Zentrum gesetzt sei: Es gehe nun darum, „wie viel Anpassung wir zulassen können und müssen, ohne dass sich unser Entwurf zu stark verändert“.

Das Angebot am Montag sollte Einblicke und Fakten liefern. „Da wurde bisher zu wenig erklärt“, sagte Baukultur-Stiftungschef Nagel. Stadtbaurat Nolda sprach von „Missverständnissen durch die schwierige Informationslage“ wegen Corona. Dass eine „solch komplexe Veränderung im Stadtbild umfänglich diskutiert wird“, finde er auch richtig, die zahlreichen kritischen Einwände gegen das Vorhaben finde er aber allenfalls „zur Hälfte berechtigt“.

Auch Nagel sah dabei einiges, das ins Reich der „Vermutungen“ gehöre – wie die Auffassung, dass Kiefern in dieser Region untypisch seien und auf dem Platz wohl nur ein kurzes Leben hätten. Fachleuten zufolge sind diese Bäume weit besser als andere für den Klimawandel gerüstet.

Landschaftsplaner Flor sah ebenfalls die Erfordernis, das Projekt besser zu vermitteln. Für konstruktive Kritik und Anregungen sei er offen, aber: „Man sollte diesen Entwurf nicht diskreditieren nur aus mangelnder Information.“

Manchmal sind es offenbar eher ästhetische Befindlichkeiten. Ein Teilnehmer des Rundgangs monierte, dass der geplante Baumhain auf ihn „artifiziell wirkt“.

Alexander Reichel, Architekt und Vorsitzender des städtischen Denkmalbeirats, findet den Entwurf hingegen mutig und zukunftsweisend: Für den Grimm-Platz, der seine jüngste Veränderung in den 1960er-Jahren erfahren habe, müsse „das Neue so kräftig sein, dass es einen eigenen Beitrag liefern kann“.

Dieser Beitrag werde „in vollem Umfang“ auch dem Welterbe in Kassel gerecht, dessen Pufferzone vom Bergpark ausgehend bis an den Brüder-Grimm-Platz reicht, sagte Doris Fischer aus Thüringen, Sie ist Mitglied im Welterbe-Beirat und lobte das „absolut professionelle Verfahren“ des Wettbewerbs für die Platzgestaltung. (Axel Schwarz)

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