Initiative will Grimm-Welt auf Weinberg verhindern

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Idylle: Die Bürgerinitiative will den Weinberg als Grünfläche erhalten. Eine Bebauung zerstöre die als Bürgerpark genutzte Fläche für Jahrhunderte.

Kassel. Martin Dodenhoeft und Martin Renker von der Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Weinberg“ wollen nicht als Spielverderber gelten. „Oft wird uns unterstellt, wir würden kein Grimm-Museum wollen. Das stimmt nicht - wir wollen es, aber eben nicht auf dem Weinberg, sondern am historischen Ort neben der Torwache“, sagt Dodenhoeft.

Die beiden Sprecher der Bürgerinitiative, der knapp 50 Mitglieder angehören, fühlen sich bestärkt durch 3000 Unterschriften, die sie seit Anfang April für ihre Sache sammeln konnten. Bei so viel Oberwasser wird Dodenhoeft selbstironisch: „Dass so viele Leute einem Unsympathen wie mir ihre Unterschrift geben, hätte ich nicht gedacht.“

„Dass so viele Leute einem Unsympathen wie mir ihre Unterschrift geben, hätte ich nicht gedacht.“

Martin Dodenhoeft

Er und Renker haben sich ein ambitioniertes Ziel gesteckt: Bis Anfang Juni sollen 5000 Unterschriften zusammenkommen. Zwar sind für ein erfolgreiches Bürgerbegehren nur 4370 Unterschriften nötig, aber die BI will ein Sicherheitspolster aufbauen, falls einige Unterschriften von der Stadt für ungültig erklärt werden.

Wichtigstes Argument der BI ist die Bewahrung der innenstadtnahen Grünfläche. „Wir wollen den Weinberg als Bürgerpark erhalten. Er soll nicht ohne Not versiegelt werden“, sagt Renker. Wenn Kritiker behaupten, die Fläche werde kaum von den Bürgern genutzt, entspreche dies nicht der Realität. Den Drogen- und Schwulenstrich gebe es dort seit Langem nicht mehr. Dennoch könne die Grünanlage sicher weiter aufgewertet werden. Eine Gastronomie sei wegen des angrenzenden Seniorenstifts aber problematisch.

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Sollte die Grimm-Welt dennoch wie geplant auf den Weinberg kommen, befürchtet Dodenhoeft ein Verkehrschaos. Die Zehntausenden Besucher im Jahr würden nicht - wie die Stadt hoffe - in der Tiefgarage unter dem Friedrichsplatz parken. Der Weg sei zu weit. Auch in dieser Hinsicht sei der ins Spiel gebrachte Alternativ-Standort an der Torwache, der nach dem Verzicht des Landes auf ein Justizzentrum am Brüder-Grimm-Platz frei ist, geeigneter. In unmittelbarer Nähe sei das Parkhaus Garde-du-Corps-Straße.

Martin Renker

Das Gegen-Argument, dass die Stadt für die Museumspläne auf dem Weinberg bereits eine Million Euro investiert habe, lassen die BI-Sprecher nicht gelten. „Diesen Verlust muss man in Kauf nehmen, wenn es um eine Entscheidung geht, die für Hunderte Jahre gilt. Der Park ist dann zerstört“, sagt Renker. Auch auf die zugesagten sechs Mio. Euro aus dem europäischen Strukturfonds Efre solle die Stadt verzichten. Es gebe immer wieder Fördertöpfe.

Sollten die Stadtverordneten das Bürgerbegehren wegen der Fristüberschreitung als unzulässig erklären, wollen Dodenhoeft und Renker vor das Verwaltungsgericht ziehen.

Von Bastian Ludwig

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