Ruhe ist Hauptzutat der japanischen Zeremonie – Täglich Vorführungen bei Messe

Innere Einkehr im Teehaus

Kassel. Wer glaubt, für einen Tee braucht es nur heißes Wasser und einen Teebeutel, der irrt. Harmonie, Respekt, Reinheit und Stille sind die wichtigsten Zutaten einer traditionellen japanischen Teezeremonie. Natürlich wird dabei auch eine Tasse des dampfenden Aufgussgetränks serviert.

Vor allem aber geht es bei einer Einladung in ein japanisches Teehaus, wie es im Asiatischen Garten der Frühjahrsausstellung nachempfunden ist, um innere Einkehr.

Gastgeber auf der Messe sind Dr. Dietrich Roloff und seine Frau Jana, Teelehrer aus Hannover, die den sogenannten Teeweg nach Ueda-Sôko-Tradition praktizieren. Deren Wurzeln gehen über 400 Jahre in die Kreise der Samurai zurück. Heute beherrscht noch etwa jeder zehnte Japaner die Kunst der Teezeremonie, sagt Roloff. Wer Gastgeber oder würdiger Gast sein will, muss eine Teeschule besuchen und sich ein Jahr lang in der Kunst des Zubereitens und Servierens des Getränkes unterweisen lassen.

Während in den Messehallen rege Betriebsamkeit herrscht, wirkt die halboffene, mit Reismatten ausgelegte Hütte in der asiatischen Gartenanlage wie eine Insel der Ruhe. Jede Bewegung ist langsam und bedacht, und die Teeutensilien werden behutsam wie kostbare Reliquien angefasst. In Japan sind sie das unter Umständen auch, erklärt der 76-Jährige. Ein renommierter Töpfer verlangt dort für eine Teeschale auch mal mehrere Zehntausend Euro. Die Teetasse als Statussymbol. „Das zeigt den hohen Stellenwert der Zeremonie“, sagt der Teelehrer aus Hannover.

Staub der Welt abwischen

Gesprochen wird im Teehaus kaum, und wenn dann geht es um Einladung und Dank oder um das Teegeschirr, keineswegs um das Weltgeschehen. Irdische Gedanken sollten die Teetrinker vor der Zeremonie ablegen. Auch das Abwischen der Teedose ist nicht aus hygienischen Gründen nötig. „Man entfernt den Staub der Welt“, erläutert Roloff. Insgesamt sei die Teezeremonie in ihrem spirituellen Charakter stark vom Zen-Buddhismus beeinflusst.

Wenn die Gäste auf den Knien oder im Schneidersitz Platz genommen haben, werden die Geräte zur Teezubereitung hereingetragen. In genau festgelegter Reihe erfolgen die Handgriffe, schöpft Dietrich Roloff Wasser aus dem gusseisernen Wasserkessel, träufelt es auf das grüne Teepulver, das er zuvor mit dem Bambuslöffel aus der kleinen Teedose geschippt hat. Dann wird mit einer Art Scheebesen der Tee schaumig geschlagen - so wie man ihn auf japanische Art trinkt. Der Gastgeber schiebt die Teeschale auf die Gäste zu, die dann auf den Knien nach vorne rutschen, um bedächtig nach der Tasse zu greifen.

Immer wieder, ob vor den Teeutensilien oder voreinander, verbeugt man sich, um Wertschätzung auszudrücken. Innerhalb von drei Tagen nach der Teestunde sollte der Gast sich übrigens schriftlich oder persönlich für die Einladung bedanken. Die Teelehrer auf der Messe empfinden es allerdings nicht als Stilbruch, wenn ihre Gäste das nicht tun.

Täglich 13 und 15 Uhr, Asiatischer Garten, Bühne Halle 10.

Von Katja Rudolph

Rubriklistenbild: © Koch

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