Prof. Bernard Stein im Interview über Sinn und Zweck der neuen Leseschrift Kassel

„Innovativ, kulturell und stolz“

Beispiele: Die neue Kassel-Schrift.

Kassel. Kassel bekommt ab 2013 einen neuen Auftritt: ein neues Logo und eine eigene Schrift. Über Entstehung, Sinn und Zweck sprachen wir mit Prof. Bernard Stein, der das Projekt zusammen mit Prof. Nicolaus Ott geleitet hat.

Es gibt bereits tausende von Schriftarten. Was kann man da noch Neues entwickeln?

Prof. Bernard Stein: Neben modischen Aspekten führt die möglichst genaue visuelle Übersetzung einer Kommunikationsaufgabe zur Entwicklung einer neuen Schrift. Es geht dabei auch um Geld. Lizenzfragen für eine bereits vorhandene Schrift haben uns bei den Überlegungen, eine neue Schrift zu entwickeln, unterstützt. Die Lizenzgebühr entfällt jetzt für die Stadt.

Wie haben Sie die neue Schrift kreiert?

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Stein: Grundüberlegungen, Abstimmungen und Entscheidungen haben wir mit der gesamten Projektgruppe Kassel-CD – dazu gehören acht Studierende, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter und zwei Professoren – gemacht. Die gesamte Skizzierung, Entwurfs- und Entwicklungsarbeit haben dann drei Studierende und der wissenschaftliche Mitarbeiter erledigt. Für die professionelle Produktion hatten wir Unterstützung von zwei Externen.

Für welche Eigenschaften der Stadt steht die neue Schrift?

Warum haben Sie sich für eine rote und schwarze Schrift beim Logo entschieden?

Stein: Zwei andere Logoentwürfe – die mit den grafischen Elementen der Kleeblätter – haben die Farbe blau verwendet. Der dritte Entwurf – der reine Textentwurf „Kassel documenta Stadt“ – hat auf Lesbarkeit und Signalwirkung gesetzt. Für diese beiden Aspekte ist das sogenannte Geradeaus-Rot ideal. Dieses Rot steht auf einer Ebene mit Schwarz, Weiß und Grau.

Für Hamburg, München oder Berlin würden Sie eine andere Schrift entwickeln?

Stein: Die Entwicklung einer Leseschrift hängt von den Ergebnissen des Werte-Workshops für die genannten Städte ab. Dementsprechend würde jede Stadt eine andere, eine eigene Schrift erhalten.

Die Universität Kassel hat der Stadt die Entwicklung der Schrift geschenkt. Was hätte die Stadt investieren müssen, hätte sie dafür eine Agentur beauftragt?

Stein: Die Kosten sind natürlich unterschiedlich, je nach Rang und Reputation eines Gestalters. Zum Vergleich nenne ich die Kosten für einen Schriftschnitt des Schriftenanbieters „FontShop“ – dort kostet ein Schriftschnitt im Standard-Zeichensatz mit etwa 300 Schriftzeichen 15 000 Euro. Vier Schriftschnitte würden 60 000 Euro kosten. Zudem kämen weitere Zusatzkosten hinzu. Die Leseschrift „Kassel“ besteht aus vier Schriftschnitten (normal, halbfett, fett und kursiv). Mit knapp 600 Schriftzeichen deckt sie weltweit die Wiedergabe lateinischer Schriftzeichen ab.

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