Ortsbeirat bittet Stadt um Hilfe

Kunstwerkstatt Kassel: Insolvenz im Gespräch

Mit dem Staffelbaum beteiligte sich die Kunstwerkstatt an der 1100-Jahr-Feier Kassels 2013 - und mit ihr alle Stadtteile, die sich darauf verewigen konnten. 

Südstadt. Mit Bestürzung nahm der Ortsbeirat Südstadt die Nachricht auf: Die Kunstwerkstatt an der Heckerstraße 30 B steht vor der Insolvenz. So stellte es Vorstandsmitglied Petra Sachse während der jüngsten Sitzung des Gremiums dar.

„Es ist ein Nervenkrieg mit der Stadt“, erklärte Sachse. Probleme mit baurechtlichen Vorschriften und verweigerten Genehmigungen. Die Stadt behindere die Arbeit des Vereins. Die Betreiberin der im Haus beheimateten Küche „Suppentheater“ überlege, aufzugeben.

„Die Stadt will es einfach nicht, sie zerstört dieses Pflänzchen, die tolle Arbeit des Vereins“, kritisierte Ortsbeiratsmitglied Roland Schäfer (Grüne). Harald Doenst von der AG Südstadt ging noch weiter: „Die Stadt will es kaputt machen.“

Vorstandsmitglied Thomas Hofer vertrat eine andere Auffassung. „Wir müssen selbstkritisch sein, der Verein ist nicht unschuldig“. Den Ärger mit den Nachbarn durch lautes Feiern und andere Störungen, die nichts mit der Arbeit der Werkstatt zu tun haben, habe man sich selbst zuzuschreiben. „Wir sind eine Kunstwerkstatt und kein Veranstaltungsort“, stellte Hofer klar. Die städtischen Auflagen bezüglich der Treppen und Fluchtwege hätte man erfüllen müssen. „Wir müssen jetzt alle zusammenarbeiten, um die Kunstwerkstatt zu retten“, sagte Hofer.

Der Ortsbeirat bittet mit seinem Beschluss die Stadt, die Kunstwerkstatt konstruktiv zu unterstützen, damit sie fortbestehen kann.

Durch großes privates und ehrenamtliches Engagement vieler Bürger sei mit ihr ein Ort entstanden, der in der Südstadt und über deren Grenzen hinaus einen wichtigen Beitrag zur kulturellen und sozialen Entwicklung leiste. So, wie traditionelle Projekte gefördert werden, möge die Stadt auch Initiativen wie die Kunstwerkstatt unterstützen. Im Übrigen kritisiert der Ortsbeirat, dass ein entsprechendes Schreiben vom April 2013 an den früheren Leiter des Planungsamtes, Heinz Spangenberg, bis heute nicht beantwortet wurde.

Für Empörung hatte während der Sitzung gesorgt, dass, wie Sachse darlegte, sich kürzlich ein Besucher in der Werkstatt vermeintlich privat umgesehen und als Anwohner und Mitarbeiter des Ordnungsamtes ausgegeben habe. Der Besucher habe die Worte „platt machen“ benutzt, sagte Sachse.

Inzwischen scheint sich die Lage geändert zu haben. Auf HNA-Nachfrage sagte Sachse, es gebe jemanden, der helfen wolle. Insofern hoffe sie, dass sich die Insolvenz noch abwenden lasse.

Von Sabine Oschmann

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