Kassel

DRK-Kliniken Nordhessen melden Insolvenz an

Das Foto zeigt den Haupteingang der finanziell angeschlagenen DRK-Kliniken Nordhessen. Muss das traditionsreiche Krankenhaus in ein Insolvenzverfahren.
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Ernste Lage für die DRK-Kliniken in Kassel: Geschäftsführer Alexander Lottis hat Insolvenz angemeldet.

Den finanziell angeschlagenen DRK-Kliniken in Kassel liegt ein Kaufangebot vor. Dennoch meldet Sanierungsgeschäftsführer Alexander Lottis Insolvenz an.

Kassel – Neue Wendung im Ringen um die DRK-Kliniken Nordhessen: Die Geschäftsführung hat am Montag (07.06.2021) in Person von Alexander Lottis beim Amtsgericht in Kassel einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt. Dieser Schritt sei ihm sehr schwergefallen, wird der Sanierungsgeschäftsführer in einer Pressemitteilung zitiert. Aber: „Das bedeutet keinesfalls das Ende unserer Krankenhäuser.“

Darüber hinaus stellt Lottis klar, dass der Geschäftsbetrieb „ohne Einschränkungen“ weiterlaufe, dass Gehälter nicht gefährdet und betriebsbedingte Kündigungen nicht geplant seien. Um die Zukunft der finanziell angeschlagenen Kliniken zu sichern, „braucht es einen finanzstarken neuen Partner“, sagt Lottis weiter. Die Gesellschafter hätten sich nicht rechtzeitig einigen können. Zwar solle der Schwesternschaft, einem der beiden Träger, zwei Angebote vorliegen. „Allerdings haben die Banken wie auch ich die dringend benötigte Finanzierungszusage der möglichen Investoren bis heute nicht erhalten“, erklärt Lottis.

DRK-Kliniken Nordhessen: Kurzfristige Lösung sei nicht in Sicht

Der Sanierungsgeschäftsführer spricht von einer akuten Liquiditätskrise. Eine kurzfristige Lösung sei nicht in Sicht. Diese Aussage stößt aufseiten der Gesellschafter zum Teil auf Unverständnis. Zumal ein notariell beurkundetes Kaufangebot eines Konsortiums um die Convivo-Gruppe vorliegt. Erst am Freitag während einer Gesellschafterversammlung waren sich beide Träger einig, ein Verkaufsverfahren mit dieser Bietergruppe einzuleiten und in Verhandlungen zu treten.

Horst Schween, Vorstandsmitglied des Trägers DRK Soziale Dienste und Einrichtungen (SDE), bedauert, „dass es so weit gekommen ist“. Lottis halte sich aber an gesetzliche Vorschriften. Schween erklärt außerdem, dass bislang keine Finanzierungsbestätigung der Bietergruppe vorläge. Diese Bestätigung sei aber nötig, um eine Insolvenz noch abwenden zu können.

Neueste Entwicklung um die DRK-Kliniken Nordhessen sei Skandal

Aus den eigenen Reihen erntet der SDE-Vorstand viel Kritik. Mitglieder der DRK-Kreisverbände, die nicht genannt werden wollen, bezeichnen die neueste Entwicklung als Skandal. Für eine Finanzierungsbestätigung hätten dem Bieter Datengrundlagen gefehlt. Diese Daten herauszugeben, hätten unter anderen Schween und Lottis verhindert, obwohl die Mitglieder dafür gestimmt hätten. Auf Nachfrage sagt Lottis: „SDE hat der Herausgabe nicht zugestimmt, weil keine Vertraulichkeitsvereinbarung existierte.“

Diesbezüglich wurde auf der erwähnten Gesellschafterversammlung beschlossen, dass die Geschäftsführung alles zur Verfügung stellen muss, was der Bieter braucht, um eine „Due Diligence“, eine eingehende Prüfung, vorzunehmen. Dieser Beschluss gelte aber erst seit Freitag, erklärt Lottis.

Antrag auf Insolvenz der DRK-Kliniken Nordhessen sei unverantwortlich

In dieser Situation einen Antrag auf Insolvenz zu stellen, sei unverantwortlich, sagt Claudia Nehrig, Oberin der DRK-Schwesternschaft. Deren Anwalt Thomas Köhler weist daraufhin, dass die Banken die Lösung akzeptierten, einen Partner aufzunehmen, sofern die Ablösung ihrer Kredite gesichert sei. Dies habe die Bietergruppe bereits zugesichert. Köhler will Strafanzeige stellen gegen jene, die die von der Schwesternschaft vorangetriebene Verkaufslösung blockiert haben.

Ungeachtet dessen wird nun das Amtsgericht über den von Lottis eingereichten Antrag entscheiden. (Robin Lipke)

Erst kürzlich hatten die Banken im Ringen um die Zukunft der DRK-Kliniken Nordhessen in Kassel den Druck zusätzlich erhöht.

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