Reges Interesse an Getriebebauer

Insolvenzverwalter will Henschel bis zum Sommer verkaufen

+
Präzisionsarbeit an großen Bauteilen: Sondergetriebe sind die Spezialität des Kasseler Traditionsunternehmens.

Kassel. Die Chance des Sondergetriebebauers Henschel auf eine Übernahme stehen gut. Es gibt bereits eine Reihe von Interessenten.

Zwei Wochen nach seiner Bestellung zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Henschel-Gruppe zeigt sich der Kasseler Anwalt Dr. Andreas Kleinschmidt von der international tätigen Kanzlei White & Case zuversichtlich, eine gute und langfristige Lösung für den angeschlagenen Sondergetriebebauer zu finden. „Ich bin guter Dinge, dass das Schiff weiterfährt und einen sicheren Hafen findet“, sagte der Jurist und erfahrene Sanierer im Gespräch mit der HNA.

Seinen Optimismus begründete Kleinschmidt nicht nur mit der guten Auftragslage, dem großen Know-How und der „tollen Marke“ des Unternehmens, sondern auch mit „sehr konstruktiven Gesprächen mit Kunden und Lieferanten“ sowie mit der Loyalität der Beschäftigen. „Alle Beteiligten haben großes Interesse am Fortbestand Henschels“, sagte er. Geschäftsführer Matthias Henke unterstrich in diesem Zusammenhang die starke Kundenbindung. „Die lange, vertrauensvolle Zusammenarbeit zahlt sich in der jetzigen Situation aus“, sagte er.

Wie berichtet, hatte das Traditionsunternehmen mit seinem Schwesterbetrieb im thüringischen Heiligenstadt wegen einer finanziellen Schieflage am 10. Februar Insolvenzantrag gestellt.

Unterdessen hat Kleinschmidt den Verkaufsprozess eingeleitet. Es gebe eine Reihe von Interessenten, darunter Wettbewerber, branchenfremde Marktteilnehmer und Finanzinvestoren. Sein Ziel sei es, Henschel bis zum Sommer zu veräußern. Dabei gehe es aber nicht nur ums Geld allein, sondern auch um Standort- und Beschäftigungssicherung. Bis zum Verkauf will er Prozesse und Kosten optimieren. Einen größeren Stellenabbau sieht er aber nicht.

Die Henschel-Gruppe beschäftigt 183 Mitarbeiter, davon 136 am Firmensitz in Kassel. Das Unternehmen stellt unter anderem Getriebe für Hochgeschwindigkeitszüge, Loks und Straßenbahnen, für eine Reihe industrieller Anwendungen und für Maschinen zur Kunststoffverarbeitung (Extruder) her.

Grund für die Insolvenz waren massive Auftragseinbrüche in den vergangenen zwei Jahren infolge von Auftragsstornierungen in Russland sowie bei Herstellern von Öl- und Gasfördertechnik wegen des zeitweise sehr niedrigen Rohölpreises.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.