Joern and the Michaels und Johannes von Stenglin bekamen Kasseler Kunstpreis

Inspiration auf der Alm

Kraftvoller, mitreißender Sound: Michael Haupt (E-Bass, von links), Jörn Peeck (Schlagzeug), Michael Linke (Piano). Fotos: Fischer

Kassel. Im September gingen Joern and the Michaels, die am Freitagabend im Südflügel ebenso wie Johannes von Stenglin den mit je 7500 Euro dotierten Kasseler Kunstpreis erhielten, auf die Alm. In den Bergen wollten Michael Linke, Michael Haupt und Jörn Peeck wandern und beim Proben experimentieren. Am Ende spielten sie auf der Terrasse eines Bergwirts für Wanderer.

Olaf Pyras erzählte davon in seiner Laudatio auf die drei jungen Kasseler Musiker, deren Offenheit und Neugier er hervorhob: Immer gehe es bei den Kollektiv-Kompositionen des Trios um „Erweiterung und Fusion“, um ein „Suchen, Finden, Verwerfen und Vertiefen“. Jeder denke in diesem erfrischend vielfältigen Gebilde stets aus der Perspektive des Anderen mit, sagte Pyras. So komme es zu einem „glücklichen Ineinandergreifen von Unterschiedlichkeiten“: ein Jazz-Trio am schmalen Übergang zur Pop-Welt.

Welch kraftvoller, dynamischer und mitreißender Sound ihr „Kick Jazz“ darstellt, bewiesen die drei Kasseler Musiklehramtsstudenten, die alle Anfang 20 sind und 2013 eine CD produzieren wollen, mit vier Stücken bei der Preisverleihung.

An den Wänden im Südflügel hingen neue, wunderbare Arbeiten vom zweiten Preisträger. Winzige Staubflusen beispielsweise hat Johannes von Stenglin gezeichnet, aber auch sich selbst, am Bildrand hängend. Die Würdigung übernahm Doris Krininger. Der 30-jährige ehemalige Meisterschüler von Urs Lüthi arbeite bevorzugt mit fragilem Material, erläuterte sie: Bienenwachs, Silikon, Sand, Gelatine, Gips. Wenn er als Bildhauer sein oft winziges Selbstbildnis entwerfe, dann stets „bescheiden und jenseits der Selbstgefälligkeit“.

Krininger beschrieb von Stenglin als „geübten Performer der Widersprüche von Wünschen und Wirklichkeit“, der geschickt mit Absurditäten der Realität jongliere. Sie lobte seinen „Spürsinn für Vergänglichkeit und Verfänglichkeit“.

Beide Laudatoren gehören dem Stiftungsrat der 1991 gegründeten Dr. Wolfgang-Zippel-Stiftung an, auf dessen Vorschlag der Magistrat über Preisträger, Ankäufe und Fördermittel (siehe links) entscheidet. Auch Oberbürgermeister Bertram Hilgen, der in seiner Begrüßung Investitionen in die Kultur auch in schwierigen Zeiten als „unverzichtbar“ bezeichnete, gratulierte allen, die von der Zippel-Stiftung unterstützt werden. Und er appellierte: „Bleiben Sie in Kassel!“

Von Mark-Christian von Busse

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