Ausschreibung soll im Sommer starten

Interessenten für Magazinhof: Ideen für Umbau des Getreidelagers

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Mehrere Investoren haben bereits Interesse bekundet: Die Ausschreibung für den Magazinhof soll noch im Sommer dieses Jahres starten.

Kassel. Es gibt mehrere Investoren, die Interesse haben, den Magazinhof in Niederzwehren zu kaufen und nach den Bestimmungen des Denkmalschutzes zu sanieren. Das sagt Heinz Kefenbaum, Leiter des städtischen Amtes für Denkmalschutz.

Es handele sich um Interessenten, die Ahnung von solchen denkmalgeschützten Immobilien hätten und damit umgehen könnten. Einige seien bereits nach Münster gefahren, um zu schauen wie dort ein Getreidelager der Wehrmacht umgebaut wurde. Das könnte als Vorbild für Kassel dienen.

Der Magazinhof im Regiowiki

Laut Kefenbaum könnten im Magazinhof Veranstaltungsräume, Büroräume, Wohnungen oder Lagerflächen entstehen. Es gebe „viele tolle Ideen“, sagt der Leiter des Denkmalschutzamtes, ohne weiter ins Detail zu gehen. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), Eigentümerin des Magazinhofs und des 37.000 Quadratmeter großen Grundstücks an der Leuschnerstraße will so schnell wie möglich in Abstimmung mit der Stadt mit der Ausschreibung beginnen. Es gebe nur noch einige zu klärende Fragen, sagt Klaus Armbrecht, Teamleiter Verkauf bei der Bima. Zum Beispiel, ob wirklich alle Gebäude auf dem Areal - auch die beiden Silos - unter Denkmalschutz bleiben müssen. Wenn das nicht so wäre, könnte man die Silos abreißen, sagt Armbrecht, der weiß, dass es sich beim Magazinhof um „keine einfache Liegenschaft“ handele.

Laut Denkmalschützer gibt es aber wohl nichts daran zu rütteln, dass der gesamte Magazinhof - mit Silos - unter Denkmalschutz bleibt. Nach Angaben von Kefenbaum werde das Amt für Denkmalschutz noch diesen Monat die Ausschreibungsunterlagen von der Bima bekommen. Eine Stellungnahme des Amtes würde bis spätestens Ende Mai vorliegen, danach könnte mit der Ausschreibung begonnen werden. Von Seiten der Stadt Kassel, vom Amt für Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalschutz, sei beabsichtigt, das Bieterverfahren fachlich zu begleiten, sagt Ingo Happel-Emrich, Sprecher der Stadt.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

HINTERGRUND

Laut Denkmalschutz ist der Magazinhof schützenswert, weil „dieser ohnehin nicht häufig ausgeführte Typ von Militärarchitektur des Dritten Reiches“ heute kaum noch in der hier vorgefundenen Vollständigkeit erhalten sei. Aus architektur-, militär- und lokalgeschichtlichen Gründen dürfe das ehemalige Getreidelager der Wehrmacht deshalb nicht abgerissen werden. Die ungewöhnliche Wandgestaltung an einem der Getreidesilos hat es den Experten besonders angetan. Bei dem Sgraffito, das im Kriegsjahr 1940 signiert wurde, handele es sich um eines der wenigen erhaltenen wandfüllenden Werke des Stuttgarter Akademieprofessors und späteren Kriegsmalers Rudolf Ehehalt (1901 bis 1945). Die figurenreiche Darstellung stelle einen Zyklus von der Aussaat bis zur Ernte dar. Ein Bauer schwingt eine Keule, wie zur Abwehr eines Feindes - „ganz im Sinne der heroischen NS-Propaganda zur Bauzeit des Ersatzverpflegungsmagazins“, argumentiert der Denkmalschutz für den Erhalt der Wandmalerei. Der Magazinhof wurde 1939/40 errichtet.

Archiv-Video vom Magazinhof

In dem Ersatzverpflegungsmagazin, so der Name des Komplexes, wurden damals in drei großen Silos Getreide für die Wehrmacht sowie andere Lebensmittel gelagert. Der Magazinhof war Teil der Planungen, ein militärisches Zentrum im Südwesten der Stadt zu errichten. Im Krieg wurde der Magazinhof stark zerstört. Nach dem Wiederaufbau Ende der 1940er-Jahre war er wieder als Lagerfläche genutzt worden, zunächst nur für zivile Zwecke. Vielen ist der Magazinhof später als Bekleidungskammer der Bundeswehr bekannt geworden. Bis 1994 bekamen hier alle Rekruten aus den Kasseler Kasernen ihre Ausrüstung: vom Helm bis zum Klappspaten. Derzeit verfallen die Gebäude. (use)

Bilder von der Immobilie

Maroder Magazinhof: So sieht es derzeit dort aus

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