Interview: Architekt Volker Staab über die Sanierung der Neuen Galerie

Architekt Volker Staab

Der Berliner Architekt Volker Staab und sein Büro haben die Sanierung der Neuen Galerie geplant. Das Museum öffnet am 25. November für Besucher. Im Interview spricht Staab über seine Arbeit.

Wie muss ein Museumsgebäude beschaffen sein, in dem sich Besucher wohlfühlen?

Volker Staab: Als erstes gilt, dass es den besten Rahmen für die Kunst bieten muss. Darum geht es eigentlich. Darüberhinaus ist es schön, wenn auch die Eigenart des Gebäudes prägend für das Erlebnis des Museumsbesuchs sein wird.

Inwiefern haben Sie diese Ziele bei der Neuen Galerie verwirklichen können?

Hier: Alles Wissenwerte zur Neuen Galerie im Regiowiki

Staab: Es ging ja darum, die Neue Galerie wieder zu beleben, die Qualität des historischen Hauses, die uns fasziniert hat, wieder spürbar zu machen. Dazu gehören die sehr differenzierten räumlichen Situationen - die Seitenlichtkabinette, die Oberlichträume. Ein ganzes Spektrum an Ausstellungsräumen ist für ein Museum eine große Qualität, weil viele Objekte in unterschiedlich dimensionierten Räumen ganz verschiedene Wirkung haben. Und dann natürlich das Besondere: die großartige Loggia mit dem Blick in die Landschaft hinaus. Es ging uns um die Kultivierung dieser Eigenschaften des Gebäudes.

Aus dem Archiv: Bilder der Neuen Galerie

Neue Galerie fertig saniert

Sie haben auch in die Anordnung eingegriffen.

Staab: Das fand ich persönlich spannend: Wie wir einen gewissen Teil der Räume neu organisiert haben, nämlich den Anfangsbereich mit der Erschließung. Die Herausforderung war, diesen Eingriff - der mit der früheren Symmetrie bricht - mit der historischen Struktur zu einer ganz selbstverständlichen Einheit werden zu lassen.

Was haben Sie als problematisch empfunden?

Staab: Wir waren mit so einer Art Zwischenzustand konfrontiert - es gab ja diesen Umbau Anfang der 70er-Jahre. Schwierig fanden wir die Positionierung der Treppenanlage in der Mitte. Dadurch ging eine der zentralen Qualitäten des Hauses verloren. Bautechnischer Art gibt’s natürlich immer Überraschungen. So stimmten die historischen Pläne der Fundamente nicht mit dem überein, was wir vorfanden. Aber das ist das normale Geschäft.

Ist der Umbau deswegen teurer geworden als ursprünglich geplant?

Staab: Die Fundament-Problematik war einer der Hauptgründe. Dann gab es klimatische und bauphysikalische Anforderungen, die man erst im Laufe des Prozesses festgestellt hat. Das kann man oft nicht früher, weil das Haus ja benutzt wird. Eigentlich müsste man bis zur letzten Fuge untersucht haben, ehe man sich bei Altbauten zu Kosten äußert.

Haben Sie schon mal um einen Raum „drumrumgebaut“, der unverändert bleiben soll, wie beim Beuys-Raum?

Staab: Das war für uns eine Premiere. Da gab es viele Diskussionen, wie weit man an die Hülle des Raumes randarf. Aber ich denke, wir haben eine vernünftige Lösung mit allen Beteiligten gefunden.

Inwiefern sind Ihnen Denkmalschutz-Auflagen in die Quere gekommen?

Staab: Wir fanden die Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege sehr positiv. Ihr Hauptaugenmerk lag auf der äußeren Hülle. Aber auch unsere Haltung, was die innere Struktur anbelangt, kam Denkmalschutzaspekten entgegen.

Es gibt aber kritische Stimmen. Die großflächigen Fenster mit den Metallrahmen seien nicht denkmalgerecht.

Staab: Darüber haben wir lange diskutiert. Es gab ja keine Original-Fenster mehr. Die wir vorgefunden haben, waren aus den 60ern, auch nicht mit den historischen Aufteilungen, Profilen. Dort, wo wir historisches Material vorgefunden haben, was etwa die Steinbearbeitung anbelangt, haben wir im Sinne einer Wiederherstellung gearbeitet. Man hätte alte Bilder nachempfinden können. Aber wo gar nichts mehr da war, haben wir uns zu neuen Elementen entschlossen.

Gilt das gleichermaßen für den behindertengerechten Eingangsbereich, also die Tür?

Staab: Genau. Das ist generell ein Dilemma: Man hat Anforderungen, gerade was die Mobilität betrifft, die man schwer in historische Treppenanlagen integrieren kann. Insofern ist das eine ganz neue Interpretation des Eingangsbereichs.

Was man nicht sieht, aber was erhebliche Auswirkungen haben wird, ist die Klimatisierung. Das war sicher ein ganz entscheidender Aspekt.

Staab: Das ist oft in technischer Hinsicht das Hauptthema: Wie man die heute üblichen Standards der Luft- und Temperaturqualität in Museen erreichen kann. Das ist natürlich ein großer Teil der Ertüchtigung, wenn man die Kosten anguckt.

Die Räume sind kein reiner „Whitecube“, also nicht weiß gestrichen, sondern haben teilweise graue Wände. Ist das eine kuratorische Entscheidung, oder haben Sie da auch Einfluss genommen?

Staab: Das ist in einer Art Zusammenarbeit passiert. Das Haus stellt in einer Zeitspanne vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart aus. Da haben wir sehr unterschiedliche Anforderungen an Wandhintergründe. Da gibt es dunklere Töne in den Kabinetträumen, die eher dem 19. Jahrhundert zugewandt sind. Wo es zeitgenössischer ist, wird es etwas heller. Damit es in einer Farbfamilie bleibt, wurden die Grautöne miteinander in Beziehung gesetzt.

Also hat auch eine Sanierung ihren Reiz - oder ist es für einen Architekten nicht viel spannender, ein ganz neues Museum zu planen und zu errichten?

Staab: Beides hat seinen Reiz. Auch bei neuen Häusern ist es die sehr prägende Umgebung eines Stadtgefüges, die Beziehungen aufbaut. Ich mag es gerne, wenn man nicht im luftleeren Raum baut. Es geht ja nicht darum, unsere eigene Sprache in den Vordergrund zu stellen, sondern für spezifische - städtische oder historische - Situationen Antworten zu finden.

Am Freitag, 25.11., findet von 10 bis 20 Uhr ein Tag der offenen Tür mit freiem Eintritt und stündlichen Führungen statt. Zum Festakt zur Eröffnung der Neuen Galerie am Mittwoch, 23.11., sind aus Platzgründen und zum Schutz der Kunstwerke die Gäste geladen.

Von Mark-Christian von Busse

Zur Person

Volker Staab, geboren 1957 in Heidelberg, absolvierte die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich. Er begann als freier Mitarbeiter im Büro Bangert, Jansen, Scholz und Schultes, Berlin, und machte sich 1991 selbstständig. Seit 2007 arbeitet er in einer Partnerschaft mit Alfred Nieuwenhuizen (GmbH). Staab war Gastprofessor an der TU Berlin und der FH Münster und lehrte an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. In diesem Jahr erhielt er den Großen BDA Preis. Zu den zahlreichen Projekten von Staab Architekten gehören Sanierung und Erweiterung des Albertinum Dresden, die Neubauten des Museums Georg Schäfer Schweinfurt, des Neuen Museums Nürnberg und des Kunstmuseums Ahrenshoop sowie des Besucherzentrums am Herkules in Kassel. Der verheiratete Vater zweier Kinder lebt in Berlin. (vbs)

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