Interview zur Bäderlandschaft in Kassel

Interview zur Bäderlandschaft in Kassel: „Haben das richtige Angebot“ 

Kassel. Vor sechs Wochen hat das 32 Millionen Euro teure Auebad an der Fulda geöffnet. Über das Kombibad, Anlaufschwierigkeiten und die Bäderlandschaft in Kassel sprachen wir mit Bäderdezernent Dr. Jürgen Barthel und Norbert Witte, Geschäftsführer der Kasseler Verkehrs- und Versorgungsbetriebe.

Sind Sie zufrieden mit dem neuen Auebad?

Jürgen Barthel

Dr. Jürgen Barthel: Ich bin rundum glücklich, dass wir jetzt so ein tolles und modernes Frei- und Hallenbad in unserer Stadt haben. Wir haben die richtigen Entscheidungen getroffen und bieten das richtige Angebot für viele unterschiedliche Besuchergruppen.

Norbert Witte: Der Standort an der Fulda ist hervorragend, auch wenn wir uns bei den Städtischen Werken erst von Außenstehenden davon überzeugen lassen mussten. Zudem war es richtig, ein kombiniertes Frei- und Hallenbad zu bauen. Wir haben das in den ersten Tagen bei Temperaturen von 35 Grad, bei denen es plötzlich ein Gewitter gab, gesehen. Dann sind die Gäste einfach von draußen ins Hallenbad gewechselt. Andere Städte, zum Beispiel Hamburg, setzen bei Neubauten und Modernisierungen nur noch auf kombinierte Hallen- und Freibäder.

Wäre das nicht auch ein Denkanstoß für Kassel? Bei der Diskussion um die Freibäder in Bad Wilhelmshöhe und Harleshausen könnte man doch auch auf die Idee kommen, auf dem Grundstück des Hallenbads Süd in Oberzwehren ein Freibad zu bauen und die beiden Freibäder dafür zu schließen.

Norbert Witte

Barthel: Ich möchte derzeit keine neuen Vorschläge zu der Bäderlandschaft in Kassel machen. Wir müssen auch nicht mehr über die Frage streiten, wie viel Geld die Stadt in die Hand nehmen müsste, um beide Freibäder zu sanieren. Das sind jeweils vier Millionen Euro. Insbesondere beim Freibad Wilhelmshöhe hat die Diskussion mit dem Förderverein inzwischen auch hier einen Gleichstand bei der Kostenermittlung von rund 4 Millionen Euro ergeben, allerdings für jeweils unterschiedliche Konzepte. Zum Schluss müssen die Stadtverordneten darüber entscheiden, ob sie das Geld in die beiden Freibäder oder zum Beispiel in die Sanierung von Schulen, Kindertagesstätten oder den Straßenbau investieren möchte. Das ist eine ganz normale politische Debatte.

Wann wird eine Entscheidung fallen?

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Barthel: Da müssen Sie die Fraktionen fragen. Ich bringe nächsten Montag den Haushaltsplanentwurf im Magistrat ein und werde anschließend in einer Pressekonferenz und am Abend in der Stadtverordnetenversammlung über die Schwerpunkte des Entwurfs informieren. Die Stadtverordnetenversammlung muss dann am 9. Dezember über den Haushalt abstimmen.

Ist die Sanierung der beiden Freibäder im Haushalt vorgesehen?

Barthel: Haben Sie bitte Verständnis, dass ich den Haushaltsplanentwurf erst im Magistrat und dem Stadtparlament vorstellen will, bevor ich mich dazu öffentlich äußere.

Am kommenden Montag findet auch eine Demonstration zum Erhalt beider Freibäder statt.

Barthel: Davon habe ich gehört. Das ist absolut legitim in unserer Demokratie.

Gegner der Freibad-Schließungen argumentieren, dass das Auebad und eventuell ein weiteres Freibad an heißen Sommertagen für die Badegäste nicht ausreichten.

Witte: Man kann die Anzahl der Bäder in einer Stadt nicht nach der Bedarfsspitze ausrichten. Wenn grundsätzlich so gerechnet würde, bräuchten wir zum Beispiel für die Spitzenzeiten doppelt so viele oder breitere Straßen und Autobahnen wie vorhanden sind.

Aber es gab in diesem Sommer doch einige Tage, an denen alle drei Freibäder richtig voll waren.

Witte: Das stimmt. Im Auebad hatten wir an einigen Tagen mehr als 3500 Besucher und auch die anderen Bäder waren gut besucht. Aber nur bei Temperaturen von mehr als 30 Grad, bei denen die Menschen in der Freizeit nichts anderes mehr machen wollen, als ins Schwimmbad zu gehen. Bei 24/25 Grad haben wir seit Jahren einen eklatanten Besucherrückgang zu verzeichnen. Da gehen die Menschen auch anderen Aktivitäten nach. Früher war das ganz anders. Zu meiner Schulzeit ging man nach dem Mittagessen so schnell wie möglich ins Freibad. Sonst gab es ja kaum etwas, das Schwimmbad war früher das Kommunikationszentrum.

Warum ist die Diskussion über Bäder immer so emotionsbeladen?

Barthel: In den vergangenen Jahren erleben wir ja bundesweit, dass Infrastrukturvorhaben kontrovers und oft auch sehr emotional diskutiert werden – unabhängig davon, ob es um Neubauten oder die Sanierung vorhandener Infrastruktur geht. Bei den Schwimmbädern liegt die Emotionalität vielleicht daran, dass viele Menschen mit Schwimmbädern schöne Erinnerungen an ihre Jugend verbinden.

Kritiker des Auebads monieren, dass die Eintrittspreise zu hoch sind. Angenommen, die Bäder in Bad Wilhelmshöhe und Harleshausen werden saniert. Blieben die Eintrittspreise auf dem jetzigen Stand?

Barthel: Nein, natürlich würden wir die Preise für die beiden Freibäder anpassen müssen. Wir haben in diesem Jahr darauf verzichtet, auch wegen des schlechten Zustands der Bäder. Allerdings wäre der Eintritt geringer als im Auebad, weil im Auebad einfach mehr geboten wird.

Einen Frühschwimmertarif bieten Sie im Auebad an, zwischen 8 und 10 Uhr. Es gibt Kritik, dass die Öffnungszeiten im Sommer für viele Berufstätige zu spät sind. Zudem gibt es im Sommer auch keinen 1,5-Stundentarif. Das ist für Besucher, die nur schwimmen wollen, nicht befriedigend.

Barthel: Wenn die Sommersaison jetzt abgeschlossen ist, werten wir alles aus und schauen, wo wir nachsteuern können. Dort, wo es eine relevante Nachfrage gibt, werden wir für das kommende Jahr Angebote schaffen. Frühschwimmer, die sich kurzerhand entscheiden, doch den ganzen Tag im Bad zu bleiben, können dann ihre Eintrittskarte in eine Ganztageskarte umwandeln.

Für Kinder, die in den Sommerferien jeden Tag ins Schwimmbad gehen, ist ein Eintrittspreis von 4,50 Euro ganz schön happig. Was halten Sie von einer Sommerferienkarte für Schüler?

Barthel: Darüber denken wir nach. 42 Tage mal 4,50 Euro machen 189 Euro. Auch unter Berücksichtigung eines weiteren Rabatts von 20 Prozent mit der Bonuskarte ist dies immer noch viel Geld. Was wir da für Angebote machen können, hängt von den gesamten Betriebskosten der Bäder ab. Da spielt es natürlich eine Rolle, ob Harleshausen und Wilhelmshöhe beide geöffnet bleiben.

Vor dem Auebad gibt es zu wenig Parkplätze. Diese Kritik ist oft zu hören.

Witte: Die Parkplatzsituation war lange ein großes Thema. Aber viele Gäste kommen mit dem Rad. Natürlich sind die Parkplätze zu Spitzenzeiten belegt, wenn 3500 Menschen im Bad sind. Das ist aber überall so, auch bei den Eiswiesen in Göttingen. Früher sind ins Auebad auch 4000 bis 5000 Besucher gekommen und es hat funktioniert. Zudem haben wir mit der Bäderbuslinie, die jetzt ganzjährig im 30-Minuten-Takt bis 23 Uhr das Auebad anfährt, viel für den öffentlichen Personennahverkehr getan. Davon profitiert das gesamte Freizeitquartier in der Karlsaue und auch die Gastronomie am Auedamm. Das ist für alle eine Verbesserung.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Besucherzahlen der Bäder

Zwischen 1. Mai und 27. August verzwichnete das Freibad in Bad Wilhelmshöhe 57 052 Besucher, in Harleshausen waren im selben Zeitraum 46 289 Badegäste. Das Auebad besuchten seit der Eröffnung am 19. Juli dieses Jahres 42 403 Gäste. Im Hallenbad Süd (Oberzwehren) waren in diesem Jahr bislang 25 678 Besucher. Das Bad war zwischen dem 19. Juli und 18. August zur Sommerrevision geschlossen. Nach Angaben von Ingo Pijanka, Sprecher der STädtischen Werke, gab es am Samstag, 27. Juli, im Auebad einen Besucherrekord mit 3635 Gästen bei 32 Grad. (use)

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