Wann? Wie oft? Wie breit?

Interview: Experte beantwortet Fragen zur Räumpflicht

Kassel. Der Winter ist da. Der erste Schnee sorgt für Freude, muss aber auch von Gehwegen geräumt werden. Hier sind die wichtigsten Fakten zur Räumpflicht.

Über die Räumpflicht sprachen wir mit Wolfram Kieselbach, Vorsitzender des Haus- und Grundeigentümerverbandes Kassel.

Herr Kieselbach, wer ist für das Räumen und Streuen verantwortlich? 

Wolfram Kieselbach: Die Stadt Kassel und die meisten Kommunen im Umland haben diese Pflicht an die Hauseigentümer weitergegeben. Der Hausbesitzer wiederum darf die Räumpflicht an seine Mieter weitergeben. Das muss aber ausdrücklich im Mietvertrag vereinbart werden. Oder der Hauseigentümer oder die Eigentümergemeinschaft beauftragt eine Firma mit dem Winterdienst.

Muss denn rund um die Uhr geräumt und gestreut werden? 

Kieselbach: Nein. Aber zwischen 7 Uhr und 20 Uhr sollte der Bürgersteig frei sein. An Sonntagen und Feiertagen übrigens erst ab 9 Uhr. Im Laufe des Tages reicht es, wenn man ab und zu mal schaut, ob noch alles in Ordnung ist. Und wenn es schneit oder ein Eisregen niedergeht, darf man erst einmal abwarten, bevor man sich um den Weg kümmern muss.

Muss der Gehweg vor dem Haus denn komplett geräumt werden? 

Kieselbach: Es reicht, soweit zu räumen, dass zwei Fußgänger aneinander vorbeigehen können, also etwa 1,20 Meter. Bei Wegen zu den Mülltonnen oder Parkplätzen reicht ein halber Meter Räumbreite aus.

Wohin mit dem Schnee, den ich vom Gehweg räume? 

Wolfram Kieselbach Foto: Koch

Kieselbach: Der Schnee sollte am Rand des Gehwegs zusammengeschoben oder auf dem Grundstück abgelagert werden, aber tunlichst nicht auf die Straße gekehrt werden.

Was gilt, wenn ein Hausbesitzer oder Mieter krank oder im Urlaub ist und deshalb den Gehweg nicht räumen kann? 

Kieselbach: Dann muss er für eine Vertretung sorgen. Urlaub, Krankheit und Berufstätigkeit sind keine Gründe dafür, dass Fußgänger vor dem Haus auf vereisten oder verschneiten Wegen in Gefahr geraten, zu stürzen. Jeder Hauseigentümer tut außerdem gut daran, stichprobenartig zu kontrollieren, ob Mieter oder beauftragte Firma den Winterdienst korrekt verrichten.

Darf ich Salz gegen die Glätte streuen? 

Kieselbach: Nur bei extremer Glätte. Ansonsten ist das Salzstreuen in Kassel und den umliegenden Gemeinden verboten. Wer trotzdem Salz streut, riskiert ein Bußgeld. Besser also Rollsplitt, Granulate oder Sand nehmen. Auch Holzasche aus dem Kaminofen stumpft ab und funktioniert gut als Streumittel.

Was passiert, wenn ich das Räumen doch mal vergesse? 

Kiselbach: Wenn keiner hinfällt, haben Sie Glück gehabt. Ansonsten drohen Schadensersatz, Schmerzensgeld oder sogar eine Klage wegen fahrlässiger Körperverletzung. Man sollte die Räumpflicht also ernst nehmen. Wichtig ist zudem eine Haftpflichtversicherung.

Haben Sie auch einen Tipp fürs Tauwetter parat? 

Kieselbach: Da sollte darauf geachtet werden, dass Abflussrinnen und Gullies frei sind, damit es keine Überschwemmung gibt.

Zur Person: Wolfram Kieselbach

Wolfram Kieselbach ist langjähriger Vorsitzender des Haus- und Grundeigentümerverbandes Kassel und auch im Vorstand von Haus & Grund Hessen sowie im Zentralverband der Deutschen Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer als Spitzenverband der privaten Wohnungswirtschaft engagiert. Der 57-jährige Jurist stammt aus Kassel. Kieselbach ist CDU-Mitglied und gehört seit 2001 der Kasseler Stadtverordnetenversammlung an.

Von Jörg Steinbach

Lesen Sie auch:

- Handel bietet Streusalz an, dabei ist Einsatz fast überall verboten

- Stadtreiniger gehen Verstößen gegen Salzverbot nach

Schnee am Essigberg/Hohes Gras

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.