Was ist richtig und was falsch

Interview: Kasseler Personalberaterin gibt Tipps für Bewerbungen

Jetzt zählt die Persönlichkeit: Aber um überhaupt zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, muss das fachliche Profil des Bewerbers stimmen. Darauf wird in Deutschland mehr Wert gelegt, als anderswo. Foto: dpa

Kassel. Wie bewerbe ich mich richtig? Unzählige Ratgeber und Seminare werden zu dieser Frage angeboten. Eine, die sich mit erfolgreichen Strategien auskennt und weiß, wie Personalchefs ticken, ist Dr. Heidemarie Krüger vom Kasseler Personalberatungsunternehmen Dr. Krüger. Sie berät Firmen bei der Suche und Auswahl von Führungskräften und Spezialisten.

Mal ehrlich, Personalchefs schauen bei einer Bewerbung doch zuerst auf das Foto. 

Dr. Heidemarie Krüger: Jeder schaut zuerst aufs Bild. So menschlich ist die Personalauswahl. Ein Bild erzeugt Sympathie oder Antipathie. Übermäßiges Gewicht etwa könnte ein Nachteil sein. Das fällt, anders als die Hautfarbe oder Nationalität, übrigens auch nicht unter das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das Benachteiligungen verhindern soll.

Sorgt dieses Gesetz wirklich für eine vorurteilsfreie Auswahl der Bewerber? 

Krüger: Personalchefs sind - wie wir alle - mit Vorurteilen belastet. Wenn man geschickt ist, kann man die gesetzlichen Vorgaben ganz einfach umgehen. Deshalb werden Bewerbern bei einer Absage auch selten die Gründe dafür genannt. Die Briefe sind fast immer nichtssagend. Damit will man vermeiden, dass sich ein Kandidat einklagt. Ein Chef, der sich sorgt, dass ein dunkelhäutiger Vertriebsmitarbeiter bei seinen Kunden nicht ankommt und ihn deshalb ablehnt, wir dies niemals sagen.

Wie kann ich die Chancen meiner Bewerbung erhöhen?

Krüger:Das kommt darauf an. Großkonzerne lassen meist nur noch Online-Bewerbungen zu. Da wird eine Maske vorgegeben, die der Bewerber ausfüllen muss. Er hat keine Chance, durch die Gestaltung seiner Bewerbung zu punkten. Allein das fachliche Profil ist ausschlaggebend. Für die Firmen bedeutet das eine Vereinfachung des Verfahrens. Ich sehe aber Nachteile. Ein Kandidat wird erst durch seine Individualität zum interessanten Kandidaten. Nur wenn er diese zum Ausdruck bringen kann, lassen sich Potenziale erkennen - die sonst unberücksichtigt bleiben.

Das heißt, das fachliche Profil gibt den Ausschlag?

Krüger:Ja, aber nur in der ersten Phase der schriftlichen Bewerbung. Der deutsche Arbeitsmarkt zeichnet sich durch eine starke Spezialisierung aus. Dementsprechend ist die Bewerberauswahl. In der Regel gilt: Derjenige mit den meisten Übereinstimmungen hat die Nase vorn. Deshalb sollten in einem Lebenslauf alle Zahlen, Daten, Fakten dargestellt sein. Wenn etwa ein Einkäufer gesucht wird, der in einem bestimmten Volumen Güter der Klasse C auf dem chinesischen Markt kaufen soll, fällt im Zweifel die Wahl auf jenen, der genau dies bereits vorher für eine andere Firma getan hat. Man geht hierzulande auf Nummer sicher und entscheidet sich dabei oft gegen Kandidaten, die möglicherweise Potenziale haben.

Ab wann fällt die Persönlichkeit eines Bewerbers ins Gewicht? 

Krüger: Erst wenn er ein Vorstellungsgespräch erhält. Dort zählt dann zu 60 Prozent sein Auftreten. In einem schlechten Gespräch werden oft wenig erhellende Fragen gestellt wie: Was sind Ihre größten Stärken und Schwächen? Darauf sind Bewerber oft schon vorbereitet und deshalb deren Antworten auch wenig aussagekräftig. Derartige Fragen zeigen, dass der Interviewer Stärken und Schwächen nicht selbst herausfinden konnte. Die meisten Bewerber nennen übrigens Ungeduld als Schwäche. Damit wollen sie dynamisch wirken.

Was sollte ein Bewerber auf keinen Fall tun? 

Krüger:  Erstens: Lücken in der Biografie nicht selbst thematisieren. Wenn ich darauf angesprochen werde, kann ich diese erläutern. Es gibt aber fast keine Lebensläufe ohne Lücken mehr. Zweitens: Keine Gehaltsvorstellung abgeben, solange sie nicht verlangt wird.

Der Bewerber kann also eine Menge falsch machen.

Krüger: Ja, aber mit dem demografischen Wandel wird sich die Situation verändern. Unternehmen werden ihre Anforderungsprofile zunehmend realistischer, also arbeitsmarktnäher, gestalten müssen und auch Bewerbern eine Chance geben, die nur zu 80 Prozent den Vorstellungen entsprechen. Andernfalls werden sie ihre Stellen nicht nachbesetzen können.

Von Bastian Ludwig 

Zur Person

Dr. Heidemarie Krüger (59) ist Gründerin des Dr. Krüger Personalberatungsunternehmens in Kassel. Die Soziologin mit Schwerpunkt Personal und Organisation ist seit 25 Jahren in der Personalberatung tätig. Frau Krüger ist ledig, hat einen Sohn und lebt in Staufenberg.

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