Interview: Kassels Familiendezernentin Janz zum Kita-Streik

Im Ausstand: Erzieherinnen gehen bundesweit für mehr Gehalt auf die Straße. Ein Ende des Kita-Streiks ist nicht in Sicht. Foto: dpa

Kassel. Der Streik in den kommunalen Kindertagesstätten dauert an: Viele Krippen, Kindergärten und Horte haben seit fast zwei Wochen komplett geschlossen, die Nachfrage nach dem Notdienst steigt.

Angeboten werden kann er für rund 900 Kinder – ein Fünftel der insgesamt etwa 4500 kommunalen Kita-Plätze. Wir sprachen mit Kassels Jugenddezernentin Anne Janz (Grüne) über den Streik.

Frau Janz, der Streik zehrt mittlerweile an den Nerven der betroffenen Eltern. Haben Sie dafür Verständnis? 

Zur Person:

Anne Janz

Anne Janz: Jein. Verstehen kann ich beide Seiten: die Eltern, weil sie momentan viel aushalten müssen, und die Erzieherinnen und Erzieher, die aufgrund der Verantwortung und des Drucks, den ihr Beruf mit sich bringt, zu Recht für mehr Gehalt auf die Straße gehen. Ich habe aber auch die kommunalen Finanzen im Blick – die Mehrkosten können wir als Kommune gar nicht alleine stemmen.

Mittlerweile hat der erste Elternbeirat angekündigt, keine Kita-Gebühren mehr zu zahlen. Was halten Sie davon?

Janz: Als Schutzschirm-Kommune dürfen wir keine Gebühren zurückzahlen. Vor allem aber ist der Stadt Kassel insofern kein Vertragsbruch vorzuwerfen, da die von den Eltern gezahlten Gebühren nicht kostendeckend sind. Sie machen etwa ein Drittel der Gesamtkosten für einen Betreuungsplatz aus. Anders als beispielsweise in Kaufungen, wo Gebühren zurückerstattet, allerdings auch keine Notdienste angeboten werden, hält Kassel übrigens nicht nur kommunale Betreuungsplätze vor: Insgesamt haben wir 9500 Plätze – nur die 4600 kommunalen Kita-Plätze sind vom Streik betroffen.

Apropos Notdienst, nach dem die Nachfrage steigt: Nach welchen Kriterien werden diese Plätze vergeben? 

Janz: Sie orientieren sich quasi an den Notlagen der Familien: Notdiensplätze erhalten zuerst jene berufstätigen Eltern, die keine Flexibilität am Arbeitsplatz haben, und auch Alleinerziehende.

Viele Betroffene wollen ihren Kindern sicher auch keinen Notdienstplatz anbieten, weil Umgebung und Betreuungspersonal fremd sind. Was raten Sie betroffenen Eltern? 

Janz: Besonders für kleine Kinder ist die Notdienstlösung sicher nicht schön. Ich bin selbst Mutter von zwei Kindern – und auch wenn deren Betreuung schon lange zurückliegt, kenne ich den Stress, wenn es unverhofft zu Notsituationen kommt. Gerade in solchen Situationen merkt man, was für eine qualitativ wichtige Arbeit Erzieherinnen und Erzieher leisten. Ich rate allen Betroffenen, Netzwerke zu nutzen und dem eigenen Arbeitgeber deutlich zu machen, flexibel zu sein.

Gilt das auch für die Stadt Kassel? Wie viel Verständnis haben Sie für Ihre Mitarbeiter, deren Kinder gerade ohne Betreuungsplatz sind? 

Janz: Ich habe selbst erlebt, dass Eltern zuletzt Kinder mit zu Veranstaltungen gebracht haben. Ich freue mich über Kinderstimmen.

Ein Ende des Streiks ist nicht in Sicht. Sollten die Erzieher mit ihrer Forderung nach Bezahlung durchkommen – müssen sich Kassels Eltern dann auf eine Erhöhung der Kita-Gebühren einstellen? 

Janz: Wir haben die Kita-Gebühren in der Stadt Kassel gerade erst moderat erhöht. Ich finde es nicht in Ordnung, wenn die Botschaft des Streiks nun die ist, dass jetzt die Eltern zahlen sollen.

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