Interview: Was tun, wenn man einen Einbrecher in der Wohnung trifft?

Kassel. Das Szenario ist für viele ein Albtraum: Auf einmal steht man in der eigenen Wohnung einem Einbrecher gegenüber. Allein seit Montag voriger Woche gab es vier solcher Fälle in Kassel.

Zuletzt hatte am Sonntagmittag ein 51-Jähriger beim Fernsehen im Wohnzimmer unerwünschten Besuch von einem Einbrecher bekommen. Darüber sprachen wir mit Sabine Knöll vom Polizeipräsidium Nordhessen.

Wie verhalte ich mich richtig, wenn mir auf einmal ein Einbrecher gegenübersteht?

Sabine Knöll: Absoluten Vorrang sollte haben, dass man selbst unbeschadet aus der Situation herauskommt. Wir raten dazu, nicht den Helden zu spielen und etwa zu versuchen, sich dem Täter in den Weg zustellen. Wenn die Täter in Panik geraten, ist nicht auszuschließen, dass sie dann dem Opfer gegenüber Gewalt anwenden.

Eigentlich sind Einbrecher aber doch keine klassischen Gewaltverbrecher?

Knöll: Das ist zwar insofern richtig, dass Einbrecher ja in der Regel nur in ein Haus oder eine Wohnung einsteigen, wenn sie niemanden darin vermuten. In den meisten Fällen flüchten sie einfach, wenn sie bei der Tat gestört werden. Allerdings muss man bedenken, dass die Täter unter Stress geraten, wenn sie von einem Bewohner überrascht werden. Schließlich wollen sie nicht erkannt und gefasst werden. Da kann es schnell zu einer Kurzschlussreaktion kommen. Und in der Regel führen sie Einbruchswerkzeug bei sich, mit dem sie schnell einen Menschen ernsthaft verletzen können.

Was mache ich also konkret, wenn ich einen Einbrecher auf frischer Tat ertappe?

Knöll: Wenn man beim Nachhausekommen bemerkt, dass etwas nicht stimmt – zum Beispiel die Tür mit einem Gegenstand verstellt ist, ein Fenster eingeschlagen ist oder eine Terrassentür offen steht – sollte man gar nicht erst reingehen. Oder eben gleich wieder raus, wenn man sieht, dass Einbrecher zugange sind. Dann sofort unter der 110 die Polizei alarmieren und abwarten, bis die Polizeibeamten das Haus durchsuchen.

Und wenn ich schon Auge in Auge mit dem Einbrecher bin?

Knöll: Der eigenen Sicherheit wegen, wie gesagt, keine Konfrontation herbeiführen. Wichtig ist, dass wir sofort alarmiert werden, selbst wenn der Einbruch gescheitert ist. Denn je später wir von den Taten erfahren, desto geringer ist die Chance, den Täter zu fassen. Wenn der Täter geflüchtet ist, sollte man sich gleich Notizen über das Aussehen machen. Diese Beschreibungen sind eine wertvolle Hilfe für die Polizei bei der sofortigen Fahndung und den späteren Ermittlungen.

Sind das eigentlich „unprofessionelle“ Täter, wenn sie in Wohnungen eindringen, in denen gerade Menschen sind?

Knöll: Der Einbrecher-Typus, den man aus Comics kennt, der vermummt ist und über jede Menge Fachwissen und Technik verfügt, entspricht meist nicht der Realität. Die meisten Täter sind Gelegenheitstäter, zum Teil handelt es sich auch um Beschaffungskriminalität von Drogenabhängigen. Einbrecher gehen in der Regel rabiat vor und hebeln Fenster oder Türen auf. Unsere Ermittler gehen bei den aktuellen Fällen davon aus, dass es sich um örtliche Täter handelt und eher nicht um überörtliche Einbrecher, die Streifzüge quer durch das Land unternehmen.

Wie kann ich mich schützen?

Knöll: Dazu bieten wir kostenlose Beratung an, unter anderem im Polizeiladen an der Wolfsschlucht (Tel. 0561/17171). Es muss nicht gleich die teure Alarmanlage sein, auch einfache mechanische Sperren und Riegel können sehr wirksam sein. Denn sobald die Täter merken, dass das Einsteigen Zeit kostet und Lärm verursacht, geben sie meist schon von allein auf. 40 Prozent aller Einbrüche scheitern im Versuchsstadium.

Von Katja Rudolph

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