Interview: Reisebüros beklagen Inkompetenz bei Air Berlin

Kassel. Nachdem Air Berlin Flüge ab Paderborn auf die Kanaren und nach Griechenland ab August gestrichen hatte, werden Flüge auf die Kanaren nach Auskunft des Paderborner Flughafens im Winterflugplan wieder aufgenommen. Doch bei Air Berlin sind nur schwer Auskünfte zu bekommen.

Selbst Reisebüros haben Probleme, Informationen zu erhalten.

Janine Mahnert, Geschäftsführerin von Stauber-Reisen.

Klaus-Peter Spohr, Geschäftsführer des Reisebüros Wimke, bedient sich auch des Internets, um kurzfristig Informationen zu bekommen. Einen direkten Zugang der Reisebüros zu Air Berlin gibt es offensichtlich nicht, sie müssen eine 0180-Nummer wählen. An Informationen zu gelangen, die Flüge betreffen, die erst in Wochen oder Monaten stattfinden, sei so äußerst schwierig, sagt Klaus-Peter Spohr.

Wir sprachen über das Probleme mit Janine Mahnert, Geschäftsführerin von Stauber-Reisen.

Frau Mahnert, verunsicherte Urlauber berichten uns, bei Air Berlin seien keine konkreten Auskünfte zu bekommen. Wenn man jemand mal erreiche, habe der keine Ahnung. Oder es werden verschiedene Auskünfte gegeben. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Mahnert: Ich habe gerade bei Air Berlin angerufen und gefragt, ob es Informationen darüber gibt, dass Flüge ab Paderborn ausfallen. Die Antwort des Servicecenters: Man habe keine Informationen.

Ist Air Berlin da inkompetent?

Mahnert: Ja. Die müssen doch wissen, ob sie fliegen oder nicht.

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Eigentlich glaubt man ja, dass Reisebüros einen direkten, guten Zugang zu Fluglinien haben. Sie müssen aber eine 0180-Nummer bei Air Berlin wählen. Ist das ein tragbarer Zustand? Mahnert: Nein. Wir bekommen ja von allen zuletzt die Informationen. Wir Reisebüros werden sozusagen vernachlässigt. Wir müssen darum hart recherchieren, um unsere Kunden qualifiziert und unabhängig zu beraten.

Da bekommen Sie sicher den Ärger der Kunden ab und schuld ist Air Berlin?

Mahnert: So ist es. Früher waren wir ja Handelsvertreter der Fluglinien. Heute bekommen wir von ihnen noch nicht einmal Geld dafür, wenn wir für sie Tickets verkaufen. Ich vermute, die Fluggesellschaften haben folgendes Ziel: Beschweren sollen die Kunden sich im Reisebüro. Man schiebt uns den schwarzen Peter zu, damit die Fluggesellschaften direkt mehr Tickets an die Kunden verkaufen können. Die Rolle, die die Reisebüros haben als Vermittler, Moderator, als Preis- und Leistungsvergleicher wird gerade durch den Informationsmangel ausgehöhlt.

Also sie bekommen den Ärger ab, können nichts dafür und verdienen noch nicht mal was daran?

Mahnert: So ist es im Prinzip. Wir leben von unserer eigenen Gebühr. Die Kunden erwarten dann aber völlig zurecht von uns, dass auch alles klappt und wir sie mit anständigen Informationen versorgen. Air Berlin und andere Fluglinien machen uns das schwer. (tho)

Tipp für Reisende

Tipp eines Reise-Experten: Wer wissen will, ob sein Flug, der in Wochen oder Monaten starten soll, auch wirklich stattfindet, sollte im Internet bei Air Berlin (www.airberlin.com) so tun, als ob er den Flug nochmal buchen möchte. Wird er angeboten, scheint alles in Ordnung zu sein.

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